Patrick Stewart, Hugh Jackman, Dafne Keen und James Mangold bei der Premiere von Logan - The Wolverine auf der Berlinale 2017 / 67. Internationale Filmfestspiele Berlin im Berlinale Palast. Berlin, 17.02.2017 (Quelle: imago)

Filmkritik | "Logan: The Wolverine" - Der Gott des Gemetzels

James Mangolds "Logan: The Wolverine" ist der letzte Einsatz von Hugh Jackman als Mutant mit den Krallen aus Adamantium. Zum Abschied gibt der australische Hollywoodstar noch einmal alles und spielt einen von Selbstzweifeln und Selbstmordgedanken geplagten Superhelden aus dem "X-Men-Universum".  Von Anna Wollner

Es dauert keine dreißig Sekunden, da fährt Hugh Jackman als Logan/Wolverine das erste Mal seine Krallen aus und spießt eine Handvoll Latinos auf, die sich an seiner Limousine zu schaffen machen. Es ist ein brutaler, ein gewalttätiger Moment, in dem sich selbst Wolverine unwohl zu fühlen scheint. Wolverine ist alt geworden, Haare und Bart sind ergraut, sein Körper ist gezeichnet von unzähligen Narben. Und doch steht er nach dem kurzen Kampf wieder auf und presst sich mit eisernem Willen die Kugeln, die ihn durchlöchert haben aus der Brust. Doch die Wunden bleiben. Denn mit dem Altern nimmt nicht nur seine Sehstärke ab – er trägt jetzt Lesebrille - sondern auch seine Fähigkeit zur Selbstheilung.

Die Mauer zwischen Mexiko und den USA steht

Basierend auf der Comicvorlage "Old Man Logan" von Mark Millar nimmt uns Regisseur James Mangold mit ins Jahr 2029. Es herrscht Endzeitstimmung, die Mauer zwischen Mexiko und Amerika steht, die Mutanten wurden größtenteils vernichtet. Wolverine versteckt sich mit dem an Alzheimer erkrankten Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) und dem Sonnenlichthassenden Caliban (Stephen Merchant) in einer alten Industriebrache nahe der amerikanisch-mexikanischen Grenze, in einem umgekippten und von Löchern durchsiebten Metallsilo. Wolverine versteckt sich vor der Welt und wird doch gefunden. Von einer jungen Krankenschwester, die ihn um Hilfe bittet und nur wenig später tot in ihrem Apartement liegt. Logan soll ein junges Mädchen nach North Dakota bringen. Nach Eden, ins vermeintliche Paradies.

Kleine Tötungsmaschine ohne Moral

Doch ihre rosa Sonnenbrille und der Einhornpullover sind das einzige Indiz, dass das Mädchen ein Kind ist. Denn Laura (Dafne Keen) hat alle Mutantenfähigkeiten, die auch Logan hat. Sie ist superschnell, superwendig und zielgerichtet. Sie ist eine kleine Tötungsmaschine ohne Moral, am liebsten mordet sie mit gezielten Tritten, die Kehlen durchtrennen. Während um sie herum die Männer reihenweise abgeschlachtet werden, löffelt sie genüsslich Cornflakes. Als sie fertig ist, steht sie auf und killt. Den Kopf des Mannes wirft sie wie eine Kriegserklärung ihren Widersachern vor die Füße.

Ein Patent mit Copyright

"Wer zum Teufel bist du", fragt Logan sie entsetzt. Eine berechtigte Frage, mit dessen Antwort er nicht gerechnet hat. Denn Laura ist das Ergebnis einer klinischen Studie, kein Kind, sondern ein Patent mit Copyright. Eine künstlich erschaffene Intelligenz, ein Klon von Wolverine. Laura ist seine Tochter und der Widerling Donald Pierce will sie und die anderen künstlich erzeugten Mutanten für seine Zwecke einspannen.

Abrechnungen mit den Fragen des Alters

Mit ein paar One-linern und Punchlines die sitzen, kommt "Logan" fast vollkommen ohne Humor aus. Wolverine war zwar schon immer eine Spur tougher als seine mutierten Freunde oder andere Superhelden aus dem Marveluniversum, aber durch den ernsten Anstrich setzt Mangold den Ton des Films und zieht ihn in seiner Brutalität konsequent durch. "Logan" ist kein Vergnügen, sondern eine große Abrechnung mit den Fragen des Alters. "Wer bin ich, wo komm ich her, wer will ich sein und wie weit gehe ich, um andere zu retten". Ein Familienfilm über Zugehörigkeit und Überforderung.

Hugh Jackmann spielt würdevoll

Dabei sind die Herzstücke des Films die Kampfszenen. Immer wieder fährt Wolverine seine Krallen aus und tötet, als gäbe es kein Morgen. Reiner Selbstschutz, der Überlebenswille, der einsetzt, der natürliche Trieb der Stärkere zu sein. Einen würdigen Gegner findet er nur in sich selbst. In einem jüngeren Klon, ohne graue Haare, ohne Narben, der ihm alles abverlangt. Martialisch inszeniert von James Mangold, würdevoll gespielt von Hugh Jackmann.

Der emotionalste Moment: Wenn Vater und Tochter sich das erste Mal berühren, sich ihre blutverschmierten Hände zu einer Einheit werden, ein unsichtbares Band der Symbiose geknüpft wird. Die Zukunft liegt hier in der Hand der Kinder. Ein optimistischer Gedanke in einem düsteren Film. 

Fazit: Das dritte und letzte Einzelabenteuer von X-Men "Wolverine" fährt die Krallen aus und besticht durch den Mut zum Brutalen. Der beste und leider auch letzte "Wolverine"-Film mit Hugh Jackman in der Rolle des Mutanten.

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Beitrag von Anna Wollner

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