Der australische Schauspieler Geoffrey Rush auf dem Roten Teppich der 67. Berlinale vor der Premiere von "Final Portrait" (Quelle: dpa/Jens Kalaene)

Filmkritik | Final Portrait - Der Grantler und sein Modell

Er war ein weltberühmter Künstler und ein ewiger Zweifler: der Bildhauer und Maler Alberto Giacometti. In seinem Berlinale-Beitrag konfrontiert Regisseur Stanley Tucci den alternden Künstler mit einem Bewunderer. Entstanden ist ein über weite Strecken unterhaltsamer Film. Von Ula Brunner

Es gibt wenige Künstler, deren Werk so geschätzt wird wie Alberto Giacometti (1901 – 1966) mit seinen hageren Skulpturen. Der gebürtige Schweizer wird als wichtigster Bildhauer des 20. Jahrhunderts angesehen und wurde bereits zu Lebzeiten kultisch verehrt. Wo immer seine schmalen, geisterhaften Plastiken zu sehen waren, drängelten sich die Besucher.

Zugleich gab es wohl wenige Künstler, die so mit sich und ihrer Kunst gehadert haben, wie Giacometti. Er war ein Grübler, ein introvertierter Grantler, ein Suchender, niemals zufrieden. Dass dieser zerstörerische Hang zum Selbstzweifel durchaus komische Züge haben kann, wenn er auf ehrliche Bewunderung und eine nüchterne Betrachtung der Dinge trifft, ist die Ausgangssituation von Stanley Tuccis "Final Porträt".

Nur ein paar Nachmittage...

Während eines kurzen Paris-Trips 1964 verspricht der junge amerikanische Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord (Armie Hammer) seinem Freund Alberto Giacometti (Geoffrey Rush), ihm Modell zu sitzen. Einige wenige Nachmittage, dann sei das Porträt fertig, versichert ihm der weltbekannte Künstler. Geschmeichelt und neugierig willigt Lang ein. Doch es kommt anders.

Die Sitzungen arten aus

Die Sitzungen in dem Pariser Hinterhausatelier gestalten sich schwierig, unterbrochen von spontanen Ausflügen, Restaurantbesuchen und den Wutausbrüchen des aufbrausenden Künstlertyrannen. In Giacomettis Augen hat wenig Bestand: weder das eigene Werk, noch das von Zeitgenossen wie Pablo Picasso oder Paul Cezanne. Ständig übermalt er das bereits gestaltete Porträt, zudem hängt auch der Haussegen schief, weil er seine Dauergeliebte Caroline (Clémence Poésy) seiner Ehefrau Anette (Sylvie Testud) vorzieht. Zigfach muss der entnervte James Lord seinen Rückflug verschieben, das Bild scheint nie fertig zu werden. Bis er zu einem Trick greift.

Entgeisterter Beobachter

Das Drehbuch zu "Final Portrait" basiert auf der Biografie "A Giacometti Portrait" von James Lord. In seinem Film hat der Produzent, Schauspieler und Regisseur Stanley Tucci vieles richtig gemacht. Zwar ist die Beziehung zwischen einem Maler und seinem Modell als filmischer Stoff nicht gerade neu. Doch hier wird der alternde Jahrhundertkünstler nicht - wie gewohnt - durch eine weibliche Muse frisch inspiriert. Auf einem klapprigen Stuhl, vom tyrannischen Künstler zur stundenlangen Bewegungslosigkeit verdonnert, sitzt ein junger Mann, der entgeistert beobachtet, wie Giacometti gerade Geschaffenes wieder zerstört.

Etwas grobklotzige Großaufnahmen

Die Begegnungen zwischen den beiden ungleichen Persönlichkeiten, bei denen Tucci mit vielen Großaufnahmen etwas grobklotzig die künstlerische Wahrnehmung Giacomettis nachvollzieht, hat schon sehr viel komisches Potenzial. Zumal Geoffrey Rush die Rolle des grummeligen und kauzigen Giacometti auf den Leib geschrieben ist, sogar die Physiognomie von Original und Schauspieler ist ähnlich. Und Armie Hammer schafft es ganz wunderbar, wie ein Harvard-Absolvent auszusehen, der selbst nicht verstehen kann, dass es ihn in den verstaubten Pariser Hinterhof verschlagen hat. Der Film kommt allerdings nicht wirklich über die komische Grundkonstellation hinaus. Die Handlung und ihre Figuren stecken in ihr fest. Wer sich tiefere Einblicke in das Schaffen Giacomettis erhofft, wird enttäuscht werden – und sollte lieber zu Langs Biografie greifen.

Fazit: Ein weitgehend unterhaltsamer Film mit zwei herausragenden Schauspielern und einigen Längen.

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