Der Schauspieler Chang Chen zeigt beim Photocall zum Film MR. LONG auf der 67. Berlinale seinen Berlinale-Anstecker (Quelle: imago/Seeliger)

Filmkritik | Mr. Long - Der Killer und die Nudelsuppe

Der japanische Regisseur Sabu schickt in "Mr. Long" einen taiwanesischen Profikiller nach Tokio und lässt ihn dort mit einem Jungen und seiner drogenabhängigen Mutter anbandeln. Was eine wilde Mischung sein könnte, ist leider etwas langweilig - trotz toller Sequenzen. Von Fabian Wallmeier

Der taiwanesische Profikiller Long hat einen Auftrag in Tokio zu erledigen. Doch die Sache geht schief. Er wird gefangen genommen und verletzt, schafft es aber zu fliehen. Er sucht Zuflucht in den Baracken einer kleinen Siedlung. Am 30. August, in wenigen Tagen, geht sein Schiff zurück nach Taiwan, so lange muss er hier unterkommen.

Long freundet sich mit einem kleinen Jungen Jun an, der dem Verletzten Wasser und Kleidung bringt. Seine taiwanesische Mutter ist eine drogenabhängige Prostituierte. Long fesselt sie und zwingt sie zum Entzug.

All das tut er fast ohne Worte. Ebenso wortlos lässt er es über sich ergehen, dass Nachbarn aus der Nachbarschaft, die ihn haben kochen sehen, sein Talent erkennen. Sie richten ihm eine kleine Küche ein, besorgen ihm einen Karren zum Verkaufen seiner Nudelsuppe.

Wilde Mischung? Nein, gar nicht

Sabus neuester Film "Mr. Long" bedient sich vieler Genres und Stilmittel: Er ist ein Liebesmelodram und eine rührselige Freundschaftsgeschichte, zugleich aber auch eine brutale, vor Blut triefende Gangsterballade. Es gibt sinnliche Kochszenen und die Nachbarn steuern Slapstick bei.

Das klingt nach einer wilden Mischung, ist es aber nicht. Die einzelnen Elemente sind zu bedächtig gemacht, als dass ihr Aufeinanderprallen knisternde Irritationen auslösen können. "Mr. Long" ist sogar mitunter zäh und langweilig.

Das ist schade, denn dass Sabu ein Regisseur und Autor ist, der reich an schrägen Einfällen ist und sie geschickt komponieren kann, hat er auch auf der Berlinale schon mehrfach gezeigt. Vor zwei Jahren stellte der Japaner seine witzige Filmzitate-Parade "Ten no chasuke" vor, in der eine Art himmlischer Writers' Room die Geschicke der Protagonisten auf Erden lenkt.

Tolle Sequenzen ohne Worte

Dieses Mal ist Sabu dagegen überraschend unironisch. Er lässt seinen Film gemächlich auf den unvermeidlichen Showdown mit Longs Verfolgern zulaufen und schenkt seiner Hauptfigur dann noch einen kitschigen Epilog.

Wenn der Film auch als Ganzes eine milde Enttäuschung ist: Einzelne Sequenzen sind großartig. Sie kommen allesamt fast ohne Dialoge aus. Gleich die Eingangssequenz etwa, die Mr. Long als Hauptfigur einführt, ist stilistisch herausragend: Im Hinterraum eines Restaurants unterhält sich eine Männerrunde über das Ungeschick eines gewissen Herrn Yang. Was nun mit ihm zu tun sei, fragen sie sich. Dann zeigt die Kamera Herrn Yang, der etwas abseits steht, zitternd vor Angst. Plötzlich färbt sich sein Hemd rot, ein Messer ist ihm in den Rücken gerammt worden, die Spitze ragt nun aus seinem Bauch heraus. Er fällt um und hinter ihm kommt Long zum Vorschein, schwarz gekleidet und bereit, auch den Rest der Männer zu töten.

Zäh erzählte Gegenwart

Auch die Rückblende, in der mit wenigen Worten und samtigen Bildern erst die Liebes- und dann in harten Schnitten die Leidensgeschichte von Jungs Mutter erzählt wird, ist formvollendet. Doch dann geht es zurück in die zäh erzählte Gegenwart: Longs Straßenkoch-Karriere wird vorbereitet, wir sehen ihn Gemüse schneiden und Nudelteig mit den Füßen kneten. Ein Blick auf den Kalender zeigt, dass der 30. August näher rückt. Dass damit auch das Ende des Films naht, ist nicht bedauerlich – weit weniger bedauerlich, als man es sich bei einem Sabu-Film wünschen würde.

Fazit: Trotz einiger toller Sequenzen: "Mr. Long" ist ein behäbiger, melodramatischer Stilmix, der nicht an Sabus ideenreichen Wettbewerbsbeitrag von 2015 heranreicht.

Bärenwürdig? - Das sagen die RBB-Kritiker

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Beitrag von Fabian Wallmeier

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