Ewen Bremner (l-r), Jonny Lee Miller, Anjela Nedyalkova und Regisseur Danny Boyle von T2 Trainspotting bei der Berlinale (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)

Filmkritik | T2 Trainspotting - Nostalgie unter Freunden

Vor 21 Jahren landete Regisseur Danny Boyle mit seinem psychedelischen Drogenfilm "Trainspotting – neue Helden" einen Hit. Dass er seine alten Helden nun wieder in Edinburgh zusammenführt ist vielleicht keine besonders originelle Idee, aber eine wirklich gute. Von Ula Brunner

Kaum ein Zuschauer wird das vergessen haben: Der Junkie Renton (Ewan McGregor)taucht in "Trainspotting", allen Ekel und zivilisatorische Bedenken der Obsession opfernd, in das "wohl dreckigste Klo Schottlands" ein. Und das nur, um die darin versunkenen Opiumzäpfchen herauszufischen. Und wie er dann ekstatisch strahlend aus einem kristallblauen Ozean wieder die Oberfläche erreicht. So widerlich, so cool und so stimmig hat bislang kein anderer Film seine Bilder ausgespielt, und mit ein paar Einstellungen auf den Nenner gebracht, was Drogensucht eigentlich bedeutet. Das ist gut 22 Jahre her.

Durchgeknallte Junkies

"Trainspotting", die Geschichte einer Clique von Heroinabhängigen in Edinburgh, kam 1994 ins Kino. Es war Danny Boyles zweiter Kinofilm. Seine energiegeladene Adaption des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh wurde zum größten britischen Kassenerfolg der Neunzigerjahre, auch weil Boyle mit seiner Geschichte über die durchgeknallten Junkies Mark Renton, Spud (Ewen Bremner), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle) über alle Klischees hinwegfegt.

Boyles Film ist ein rasanter Ritt durch den haarsträubenden Alltag seiner Drogenexistenzen: immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, knallhart am Tod vorbeischrammend, aber auch voller Energie, Lebenslust und Spaß am Chaos. Am Ende des Films will Renton ein neues Leben anfangen – mit 16.000 Pfund, Geld aus einem Drogendeal, das er seinen besten Freunden geklaut hat.

Aus der Kurve geflogen

In "T2 Trainspotting" scheint Renton genau 21 Jahre später in der bürgerlichen Mitte angekommen zu sein. Er ist clean, verheiratet und hat, wie er selber sagt, "die eine Sucht durch eine andere" ersetzt: Er rennt, nicht mehr vor der Polizei weg, wie früher, sondern auf dem Laufband, beim Ausdauertraining im Fitnessclub.

Doch so trendig der neue Renton auch zu sein scheint, Danny Boyle lässt seinen Lieblingsprotagonisten gleich in den ersten Filmminuten aus der Kurve fliegen – genauer gesagt: vom Laufband – und schickt ihn zurück nach Edinburgh. Dort scheint sich mittlerweile nicht allzu viel getan zu haben, selbst Rentons altes Jugendzimmer wartet noch auf ihn.

Abrechnung mit der Vergangenheit

Und den Freunden haben die verflossenen Jahre offenbar wenig Glück gebracht. Kumpel Spud ist völlig fertig und immer noch auf Heroin, Sick Boy bewirtschaftet ein heruntergekommenes Pub und versucht die Freier seiner jungen bulgarischen Geliebten (Anjela Nedyalkova) abzuziehen.

Da scheint der gute Renton genau richtig zu kommen, um die alte Truppe wieder auf Trab zu bringen. Zumal, wie er bald gesteht, es mit seinem Leben in Wahrheit auch nicht so ganz rund läuft. Und so führt das Wiedersehen zwar zum gemeinsamen Aufbruch aber auch zur melancholisch-ironischen Rückschau auf die gemeinsame Zeit - und zur wütenden Abrechnung mit den verschenkten Möglichkeiten.

Blondie und Thrillerplot

In "T2 Trainspotting" knüpft Danny Boyle geradezu nahtlos an die Originalstory an. Alle Hauptdarsteller sind wieder dabei und Ewan McGregor glänzt erneut als Mark Renton mit seiner frechen Mischung aus Intensität und Gleichgültigkeit. Boyle fährt mit Songs von Underworld, Brian Eno, Vera Lynn und Blondie einen grandiosen Soundtrack hoch und zieht visuell mit schrägen Kameraperspektiven, Farbverfremdungen und surrealen Einsprengeln alle Register.

Wie sein Vorgänger platzt der Folgefilm vor absurden Ideen, wobei Drehbuchautor Hodge es meisterhaft versteht, die lose erzählten Episoden durch einen Thrillerplot unter Spannung zu setzen: Begbie, der Psychopath, hat es geschafft, aus dem Knast abzuhauen, besessen von einem Wunsch: sich an Renton zu rächen.

"T2" ist wehmütig, spöttisch und ein großer Filmspaß – vor allem für jene, die den Vorgänger kennen, denn Boyle lässt keine Gelegenheit aus, das Original zu zitieren. Im jungen "Trainspotting" hämmerte uns Iggy Pops Klassiker "Lust for Life" gleich zu Beginn ein, wo's langgeht. Jetzt sind die besten Jahre vorbei und der Film endet mit dem Song. Kurz nachdem er in sein altes Jugendzimmer eingezogen ist, legt ihn Renton auf. Und tanzt dazu - was sonst!

Fazit: "T2" steht "Trainspotting" in Ideen und Tempo kaum nach. Zuschauer, die den Vorgänger nicht kennen, kommen allerdings trotz einiger Rückblenden um das Vergnügen des Wiedererkennungseffekts.

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