Der Regisseur Josef Hader wird von Schauspieler Jörg Hartmann geküsst. (Quelle: dpa)

Filmkritik | Wilde Maus - Fahriger Plot mit Wiener Schmäh

Der österreichische Kabarettist Josef Hader hat es mit seinem Debüt als Filmregisseur in den Wettbewerb der Berlinale geschafft. Doch "Wilde Maus" hat zwar ein paar gute Gags, aber kaum etwas, das Hader für weitere Regieprojekte empfiehlt. Von Fabian Wallmeier

Zum Ende des Vorspanns lässt Georg (Josef Hader) sich im Schnee nieder, von weit oben filmt ihn die Kamera dabei. Er ist einmal quer durchs Bild gelaufen, über eine Lichtung irgendwo in den Bergen. Jetzt sitzt er dort. Wie genau es dazu gekommen ist, ist noch offen, der Film wird später darauf zurückkommen.

Dass es Georg nicht besonders gut geht, ist aber bereits klar geworden: Gleich zu Beginn des Films hat er seinen Job als festangestellter Zeitungsredakteur und Musikkritiker verloren – ein alter Kollege wie er ist einfach zu teuer, hat der verlagshausstromlinienförmige Chef (Jörg Hartmann) argumentiert.

Georg hat einen Racheplan

Der österreichisch Wettbewerbsfilm "Wilde Maus" ist benannt nach der Achterbahn im Wiener Prater, die Georg zusammen mit seiner windigen Schulbekanntschaft Erich (Georg Friedrich) betreibt, während seine Frau Johanna (Pia Hierzegger) ihn noch in Lohn und Brot der Redaktion wähnt. Eine "wilde Maus" ist aber natürlich auch Georg selbst: eine jämmerliche kleine Gestalt, die das Wilde in sich entdeckt und kläglich an seinem Aufbegehren scheitert. Georg hat nämlich einen Racheplan – oder vielmehr ein Racheobjekt, das er ziemlich planlos zu attackieren beginnt: Sein ehemaliger Chef soll büßen.

"Ich bin seit 25 Jahren Musikkritiker – ich kann nichts anderes"

"Wilde Maus" ist das Regiedebüt des österreichischen Kabarettisten und Schauspielers Josef Hader. Es ist eine Posse über einen Mann, der sich neu im Leben einrichten muss – und damit ganz erhebliche Probleme hat. "Ich bin seit 25 Jahren Musikkritiker - ich kann nichts anderes", sagt Georg am Anfang zu seinem Chef.

Hader ist seit 25 Jahren Kabarettist.

- Okay, er ist seit deutlich mehr als 25 Jahren Kabarettist – aber welche Pointe hier angesteuert werden soll, ist trotzdem klar, oder? Denn Hader kann zwar erwiesenermaßen einiges als Schauspieler bewiesen. Zum Beispiel in den von Wolfgang Murnberg verfilmten "Brenner"-Krimis von Wolf Haas. "Wilde Maus" ist aber nicht gerade eine Empfehlung für weitere Filmprojekte mit Josef Hader als alleinigen Regisseur und Drehbuchautor. Der Film hat visuell - von der hübsch von oben gefilmten zentralen Szene im Schnee und einigen kurzen Einblicken in den heruntergekommenen Charme des Wiener Praters abgesehen - nicht viel zu bieten. Der fahrige Plot macht zudem mehr Nebenstränge auf, als er sinnvollerweise zusammenführen kann. Da ist das absurd abrupte Ende dann schon fast wieder folgerichtig, weil jeder Versuch einer Abrundung der Geschichte hätte scheitern müssen.

"Bist du ang'rennt irgendwo?"

Dass "Wilde Maus" als Film im Ganzen so unbefriedigend bleibt, ist äußerst schade. Denn im Detail macht er hier und da großen Spaß. Josef Hader hat einige lustige, große und kleine, herrlich nutzlose Boshaftigkeiten versammelt: zum Beispiel wenn Georg die junge Kollegin angrantelt. "Die Zauberflöte" sei keine Oper, sondern ein Singspiel. Oder wenn seine deutlich jüngere und unbedingt zeugungswillige Freundin ihm vorhält, den Samenerguss zu unterdrücken, und er antwortet: "Bist du ang'rennt irgendwo?"

Doch ein paar gute Gags, vorgetragen mit schönstem Wiener Schmäh, machen eben noch keinen Film. Am Montag steht Hader wieder auf der Bühne. In Wien spielt er sein Programm "Hader spielt Hader". Das dürfte erheblich besser werden als sein Wettbewerbsbeitrag.

Fazit: Einige Gags mit Wiener Schmäh machen Spaß. Doch als Film ist Josef Haders Regiedebüt "Wilde Maus" gescheitert.

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