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Am 18. Januar hatte an der Komischen Oper Berlin "Der Kuhhandel" von Kurt Weill in einer konzertanten Fassung Premiere. Gunnar Krüger saß bestens amüsiert im Publikum.
Das Thema
Eine idyllische Tropeninsel, zwei friedfertig koexistierende Staaten und ein Liebespaar kurz vor der Hochzeit. Paradiesische Zustände. Doch dem Eiland steht Stress ins Haus. Der umtriebige Waffenhändler Felipe Chao wiegelt die Nachbarländer auf, um seinen Geschäften auf die Sprünge zu helfen. Der folgende Waffenkauf ist nur mit einer flugs erfundenen "Wohlfahrtssteuer" zu finanzieren. Den Hochzeitern Juan und Juanita wird mangels Geld die einzige Kuh und damit die Ehegrundlage gepfändet. Dann putscht sich General Garcias Conchas auf Betreiben des Waffenhändlers an die Macht. Bananenrepublik zweite Runde: nochmal Sondersteuer, Kuhpfändung, Hochzeit verschoben. Am Ende geht alles irgendwie glücklich aus. Juan wird zwar beinahe wegen Ohrfeigens des Generals erschossen, dann sind aber die gelieferten Waffen allesamt funktionsuntüchtig und der General frisst Kreide. Hochzeit, Frieden, Inselparadies - Vorhang.
Die Inszenierung
Die konzertante Aufführung dieser fragmentarisch gebliebenen Weill-Operette leistet in Punkto Spielfluß und -freude auch ohne szenische Mittel ganze Arbeit. Max Hopp in der Rolle des Waffenhändlers Chao hält die Handlung mit kurzen, gesprochenen Einspielern zusammen und dies wunderbar einfallsreich und gekonnt. Ausgestattet mit wenigen Requisiten - lebensgroße Kuhstatuen auf Rollen inklusive - moderiert Hopp als Waffenhändler das Geschehen und bindet das Publikum auf charmante Weise ein. Wort und Musik gehen in diesem selten aufgeführten Singspiel eine intensive, oftmals ironische Beziehung ein. Doppelbödige Anspielungen des auf den ersten Blick harmlos wirkenden Librettos scheinen in einigen Szenen durch, beispielsweise wenn das grausam gleichgültige "System" in Person des Gerichtsvollziehers vor dem Liebespaar zur nächsten Kuh-Pfändung auftaucht.
Die Darsteller
Hopp hatten wir schon, großartig der Mann. Die Solisten bewältigen das nicht immer ganz einfache Weill-Universum mit Bravour. Hervorzuheben ist Daniel Schmutzhard, der den General gibt. Nicht nur, weil Schmutzhard trotz schwerer Erkältung durchielt, sondern weil ihm eine komische und zugleich wahrhafte Darstellung des machtgierigen Militärdiktators gelungen ist. Vincent Wolfsteiner interpretiert den Juan facettenreich, gekonnt komisch und stimmgewaltig. Nicht immer gut zu verstehen ist sein Gegenüber Ina Kringelborn, die ihrer Juanita aber dennoch wunderbar naive Züge verleiht. In den weiteren Rollen geben Christoph Spät, Tansel Akzeybek, Christiane Oertel und der urkomische Stefan Sevenich der gesamten Inszenierung sicheren Halt mit spürbarer Lust am prallen Leben des Stückes.
Die Musik
Die musikalische Leitung hat der Kurt-Weill-Spezialist Antony Hermus vom Anhaltinischen Theater in Dessau übernommen und das zahlt sich insgesamt aus. Weill komponierte den "Kuhhandel" im Pariser Exil. Seine Sehnsucht nach Berlin und die zeitgenössischen Einflüsse der Pariser Operette finden in der sensiblen Interpretation Hermus' hörbaren Raum. Die Singstücke sind bisweilen etwas klamaukig ausgebaut und wirken an der einen oder anderen Stelle überzogen. Aber Orchestor, Solisten und Chor harmonieren bestens. Die Musik Weills bringt uns eine andere Zeit nahe, und für die Art und Weise der Aufführung an der Komischen Oper kann man dankbar sein.
Das Bühnenbild
Sparsam bis nicht vorhanden, eben eine konzertante Variante der Operette. Dennoch: Mit den wenigen vorhandenen Requisiten wird die Handlung treffsicher illustriert.
Die Publikumsreaktionen
Zwischendrin: immer wieder Applaus, den Hopp zum Anlass nahm, mit den Zuschauern zu plaudern. Zur Pause: mehr als freundlicher Applaus. Zum Ende: lang anhaltendender Beifall mit einigen Ausrufen des Entzückens und sogar Bravos. An der Garderobe: Angeregte Kommentare, durch die Bank positiv.
Der Spaßfaktor
Ein kurzweiliger Abend, der leider nur noch einmal am 22. Januar wiederholt wird. Das alles im Rahmen der Kurt-Weill-Woche, die, wenn es so weiter geht, insgesamt wärmstens zu empfehlen ist.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/buehne/premierenspiegel/2013/kw03/check-komischeoper-kuhhandel.html