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Ulli Lommel am Mulholland Drive in Los Angeles County (Copyright: Ulli Lommel)

Volksbühne

Kurz-Check: "Fucking Liberty!" von Ulli Lommel

Am 17. Januar hatte an der Berliner Volksbühne "Fucking Liberty!" Premiere. Ulli Lommel, B-Movie-Regisseur in den USA und ehemaliger Fassbinder-Star, hat es geschrieben und inszeniert. Fabian Wallmeier schildert seine Eindrücke.

Das Thema

Der Ulli ist aus den USA in Berlin zu Gast und erzählt uns jetzt mal, wie das so ist mit Amerika. Mit den vergangenen 500 Jahren amerikanischer Geschichte. Mit George Washington und den Briten. Mit Marily und Jackie und JFK. Mit den Indianern und den Europäern. Mit den vielen deutschen Amerikanern. Mit Truman Capote und mit Andy Warhol. Und mit allem, was dem Ulli sonst noch so einfällt. Mit Ingeborg Bachmann. Mit Maria Callas. Und mit Ullis Mama und ihrem Cadillac. Ach ja, und natürlich mit der Freiheit. Steht ja auch im Titel des Stücks.

Die Inszenierung

Lommel gibt den Conferencier - oder das, was er davon hält. Er reiht plaudernd Plattitüde an Plattitüde, reißt maue Witze (jahaaa, der Rap, der stammt nicht aus den Ghettos sondern von den deutschen Gebrüdern Rapp) und nimmt sich insgesamt ganz furchtbar wichtig. Doch leider hat er eben nichts Substanzielles oder auch nur halbwegs Interessantes zu sagen über Amerika und die Freiheit, um die es ja an diesem Abend gehen soll. Zwischen seinen fahrigen und überlangen Ad-hoc-Monologen gibt es kurze Spielszenen, Tanzeinlagen und Songs. Und auf einer an der Größe der Bühne gemessen winzigen Leinwand zeigt Lommel kurze in Minmalkulissen gedrehte Filmclips, für die sich Größen wie Irm Hermann, Sophie Rois und Peter Berling hergegeben haben. Die Filme sind in 3D gedreht - im Eintrittspreis sind die entsprechenden Brillen enthalten. Doch warum? Als ironischer Seitenhieb auf den Technikwahn von Hollywood taugen die Filme nicht. Andererseits: Wie schön wäre es, wenn man diesen knapp zweistündigen, durch und durch missratenen Abend als dekonstruktivistisches Statement, als Farce, als Satire abhaken könnte! So bleibt er nur ein spontan zusammengeschludert wirkender Einblick in die Befindlichkeiten des Ulli Lommel.

Die Darsteller

Die Darsteller, die Lommel um sich geschart hat, mühen sich redlích - was ihnen kaum leicht gefallen sein kann. Auf der Bühne sticht vor allem Kathrin Angerer heraus, die gewohnt apart und hinreißend spielt. Der beste Moment des Abends aber gehört Sophie Rois. In einer Filmszene spielt sie Ingeborg Bachmann - was auch immer die hier zu suchen hat - und hält in der Rolle der Schrifstellerin mit großem Gespür für das Groteske ein Plädoyer für den Schlaf.

Das Bühnenbild

Die ersten Reihen sind freigeräumt und von einer Bühnenerweiterung überdeckt. Nur hier spielt sich der Abend ab, denn der eigentliche Bühnenraum ist nicht zu sehen. Den Blick versperrt auf der ganzen Bühnenbreite eine Wand (oben mit Micky-Maus-Ohren verziert), eine Art Eingangsbereich zu der Show, die Lommel den Zuschauern bietet. Ein Tor in der Mitte dient abwechselnd dem Auf- beziehungsweise Abgang und als Leinwand. Was aber passiert auf der eigentlichen Bühne hinter der Wand? Man will es eigentlich gar nicht wissen.

Die Publikumsreaktionen

Es wird zwischenzeitlich immer wieder gejohlt und es gibt hier und da Szenenapplaus für Einzeldarbietungen aus Lommels Nummernrevue. Am Ende verkündet Lommel: "Das war's" - und das Publikum applaudiert brav, aber (von vereinzelten Jauchzern abgesehen), aber nicht euphorisch. Als Lommel als Chef des Ganzen kurz hervortritt, stellen manche Zuschauer demonstrativ das Klatschen ein.

Der Spaßfaktor

Wer seiner Fassungslosigkeit gern mit Gelächter Ausdruck verleiht, kommt bei "Fucking Liberty!" zum Zuge. Wer aber einen wirklich spaßigen Theaterabend verbringen möchte, sollte Lommels Stück meiden.

Fabian Wallmeier

Stand vom 17.01.2013

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 17.01.2013 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Bewertung

Bewertungssymbol: Daumen runter (Quelle: rbb)

Hintergrund

Der Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel (Quelle: dpa)

Donnerstag, 17. Januar 2013

Volksbühne: "Fucking Liberty!" von Ulli Lommel

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Aufführungstermine

Fucking Liberty!

Alle Daten auf der Homepage der Volksbühne [volksbuehne-berlin.de]

Alle Kurz-Checks

Blick von einer Bühne in die Publikumsreihen (Quelle: dpa)

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http://www.rbb-online.de/kultur/buehne/premierenspiegel/2013/kw03/check-volksbuehne-fuckingliberty.html

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