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Am 26. Januar wurde in der Tischlerei der Deutschen Oper "Oh, wie schön ist Panama" nach dem Kinderbuch von Janosch uraufgeführt. Bettina Rehmann war dabei und schildert ihre Eindrücke.
Das Thema
Der Duft der Bananen ist es, der Tiger und Bär aus dem gemütlichen Zuhause in die weite Welt lockt. Es geht um die Reise und die Freundschaft der beiden, fabelhaft emotionsstark gespielt von Jörg Schörner und Martin Gerke. Natürlich kann es nirgends schöner sein als daheim, wo der Tiger sich tagein, tagaus über vom Bär gefangenen Fisch mit Salz, Pfeffer, Zitrone und Zwiebel freut.
Die Inszenierung
Alles ist erlaubt in dieser Kinderoper der jungen chinesischen Komponistin Lin Wang (36). Die jungen Zuschauer - das Stück ist für Kinder ab fünf Jahren konzipiert - fiebern eine Stunde lang mit, bei der fantastischen Suche nach dem Land der Träume. Als Tiger und Bär festellen, dass sie den Weg nach Panama nicht kennen, ruft es vom Schoß einer belustigten Mutter: "Ihr braucht einen Wegweiser!". Der Vogel will den beiden die Welt von oben zeigen, vom auf der Tribüne aufgestellten "Baum" aus. Da läuft die kleine Publikumsschar, die zuvor noch auf Kissen direkt vor der Bühne an den Lippen der Sänger hing, gleich geschlossen hinterher! Die Tigerente gibt es auch - in Form des Orchesters (natürlich in gelb und schwarz). Eingefasst ist die Reise von Tiger und Bär in die Gesänge der drei Erzähler, die wechselweise auch als Maus, Fuchs oder alte Kuh auftauchen. Die Rolle der Erzähler spannt den Bogen in dem etwas chaotischen und dadurch wunderbar kindgerecht inszenierten Stück.
Die Sänger
Bini Lee, Rachel Hauge und Tobias Kehrer zeigen als Erzähler, dass sie Kinder mitreißen können: Mit ihrem Gesang ebenso wie mit ihrem Schauspiel oder beim Kuscheln mit Zuschauern. Bini Lee hat als sterbende Gans, die in die Fänge des Fuchses geraten ist, alle auf ihrer Seite. Dramatisch spielt Rachel Hauge die alte Kuh, die sich nach ihrer Jugend sehnt. SIe hat sich immer eine Milchbar gewünscht, in der sie Joghurt mit Erdbeeren und Quark anbietet - die Kinder wollen gleich Bestellungen aufgeben! Die Stimme von Tobias Kehrer dringt durch: Als Fuchs bedrohlich, als Hase neugierig, als Erzähler tragend. Dem Tiger, gespielt von Jörg Schörner, will man auch Freund sein und ihm die Forelle für das Abendbrot fischen - so schön freut er sich über sein Leibgericht. Er kuschelt mit seinem besten Freund Bär (Martin Gehrke), der nach dem Essen ebenso herzlich schnarcht, aber neben Tiger und Fuchs etwas an Präsenz einbüßt.
Die Musik
Die Kinder verstehen es sofort - na klar, das Orchester ist die Tigerente! Über die spielerischen Klänge der Glocken, Flöten und das Saxophon des Zafraan Ensembles werden die Emotionen transportiert. Unheimlich klingt es, als der Tiger ruft: "Der Tigerente ist es hier nicht geheuer!". So begleiten die Instrumente beide beim Weiterziehen als der Fuchs sie ermahnt ihn mit der Gans allein zu lassen. Die Musiker sind jedoch nicht nur zu hören. Regnet es auf der Bühne, halten sie sich schützend die Notenblätter über den Kopf, der Tiger unterstützt das Spiel, indem er beim Umblättern der Seiten assistiert.
Das Bühnenbild
Gelb-Schwarz gestreift - Flurin Borg Madsen hat sich von den Tigerenten-Farben inspirieren lassen. Das Bühnenbild ist offen gestaltet. Nach hinten ab verschwinden die Sänger durch einen schwarz-gelben Streifenvorhang. Tiger und Bär laufen auf einer riesigen runden Holzplatte, die mal Wiese, mal Wohnzimmer ist, nach links in Richtung Panama. Die Tribüne in der 300 Zuschauer fassenden Tischlerei der Deutschen Oper wird mit einbezogen. Das Sofa von Hase und Igel ist mitten in den Reihen, der Baum des Vogels ist ein Holzgerüst, das wie ein überdimensionales Nest anmutet. Die Kinder haben durch die ebenerdige Bühne keine Scheu, zum Schluss mit den anderen Reisenden, die Tiger und Bär zu sich nach Hause einladen, eine Konfetti-Schneeball-Schlacht zu starten.
Die Publikumsreaktionen
"Die umarmen sich!" ruft es aus der ersten Reihe, als Tiger und Bär in der ersten Szene ihre Freundschaft demonstrieren. "Aber ihr seid zu Hause!" erklingt es wissend aus einer jungen Kehle, als Tiger und Bär glauben, endlich in Panama angekommen zu sein. Das Publikum ist von Anfang an hin und weg. Die Premiere ist komplett ausverkauft - mindestens ein Drittel der Zuschauer ist geschätzt zwischen vier und sechs Jahre alt. Hier ist viel Bewegung und Krach in den Reihen, die Stimmung ist alles andere als andächtig. Über ein so involviertes Publikum, das sogar Regengeräusche nachahmt, als Tiger und Bär sich im Regen unterstellen müssen, kann sich Lin Wang nur freuen. Das Libretto von Dorothea Harmann ist nah am Buch von Janosch - dem Publikum hat das Wiedersehen mit den bekannten Kinderbuchfiguren offensichtlich Spaß gemacht.
Der Spaßfaktor
Es wird gekuschelt, gerufen, gelacht, gesungen, gerannt, getrampelt, gespielt - und das Beste: Das ist nicht nur den Sängern und Schauspielern vorbehalten, sondern die Kinder machen mit. Man wünscht sich noch einmal in das Alter zurück, in dem man selbst "Oh, wie schön ist Panama!" zum ersten Mal gelesen hat, um Teil der Kinderschar zu sein. Toll!
Bettina Rehmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/buehne/premierenspiegel/2013/kw04/check-deutscheoper-panama.html