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rbbonline | Ausstellungen in Berlin und Brandenburg


Es war eine einschneidende Begegnung. In den 70er Jahren traf das Sammlerehepaar Ulla und Heiner Pietzsch den surrealistischen Maler Max Ernst in Hannover. Ulla Pietzsch erinnert sich: "Er hatte eine tolle Ausstrahlung, diese blauen Augen und der markante Kopf. Einfach die ganze Haltung." Und Heiner Pietzsch ergänzt: "Ich sage immer: "Anscheinend lernten wir beide Max Ernst kennen." Das stimmt aber gar nicht, er hat nur meine Frau gesehen."
Nach dem Treffen begannen die Berliner Sammler, die damals noch bezahlbaren Gemälde des deutschen Malers zu kaufen. Heute ist die große Werkgruppe von Max Ernst ein wertvoller Besitz in der Kunstsammlung von Ulla und Heiner Pietzsch, die weltweit als eine der herausragenden Privatkollektionen zur Kunst des Surrealismus gilt. Dass die "geheimnisvolle Sammlung", die bislang in der Grunewald-Villa des Ehepaares hing, noch nicht in Berlin gezeigt wurde, hat sich erst 2009 geändert. Noch bis zum 22. November werden rund 180 Werke aus der Privatsammlung unter dem Titel "Bilderträume" in der Neuen Nationalgalerie gezeigt.
Abschied vom röhrenden Hirsch
Ulla und Heiner Pietzsch haben ihre Sammlung in den vergangenen vier Jahrzehnten aufgebaut. Am Anfang kauften sie Kunst "zur Dekoration, als Verabschiedung vom röhrenden Hirsch", wie Heiner Pietzsch erzählt. Doch mit der Zeit fanden beide Gefallen am ernsthaften Sammeln, mit dem Ziel eine Kollektion aufzubauen. Sie mit einer Vorliebe für die europäischen Surrealisten, er als Fan des amerikanischen Abstrakten Expressionismus. Inzwischen umfasst die Kollektion der Pietzschs bedeutende Gemälde und Skulpturen des Surrealismus aus den 1920er und 1930er Jahren von Salvador Dalí, René Magritte und Joan Miró.
Eine Besonderheit in der Sammlung ist das Selbstporträt der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Der amerikanische Abstrakte Expressionismus ist mit Frühwerken von Jackson Pollock, Barnett Newman und Mark Rothko aus den 1940er Jahren vertreten.
Reise durch die Kunstgeschichte
Die Ausstellung ist eine Reise durch die Kunst der Klassischen Moderne, die bei den Surrealisten in Europa beginnt und mit deren Exil nach Nordamerika führt, wo die Kunst des 20. Jahrhunderts entstand. Durch das Malverbot der Nationalsozialisten kam es ab den dreißiger Jahren zu einer reihenweisen Emigration europäischer Künstler in die USA, was es mit sich brachte, dass New York an die Stelle von Paris als internationales Kunstzentrum trat. In der Biografie des 1941 in die USA emigrierten Max Ernst schlug sich diese Entwicklung nieder. In einem seiner Bilder, dem "Gemälde für junge Leute" von 1943, hat Max Ernst wie in einem gemalten Tagebucheintrag sämtliche Motive zusammengebracht, die ihn von Europa bis nach Amerika begleitet haben. "Ein wichtiges Bild für die Sammlung und für die Kunstgeschichte", wie Ulla Pietzsch findet.
Neben Max Ernst gilt Salvador Dalí als ein Könner der mysteriösen, surrealen Scheinwelten, in denen die Tiefen des Unbewussten nach oben dringen. Der spanische Künstler ist mit mehreren seiner faszinierend schönen, alp-traumhaften Szenerien in der Sammlung Pietzsch vertreten. Die aus Europa emigrierten Surrealisten hatten mit ihren Ausdrucksformen großen Einfluss auf die neue Generation ihrer amerikanischen Kollegen und trugen so zum Entstehen des Abstrakten Expressionismus bei. Schließlich wollten die Abstrakten Expressionisten wie schon die Surrealisten das Bewusstsein im kreativen Akt ausschalten und sich ausschließlich vom Unterbewusstsein lenken lassen. Aber in der Nachkriegszeit waren es dann die amerikanischen Künstler, wie Jackson Pollock, die bestimmten was Trend war in der Kunstwelt und damit die Kunstgeschichte weiterführten.
Mit Youtube ins Museum
In ihrem Sammlerleben haben die Pietzschs viel erlebt mit der Kunst. Einige ihrer Insider-Geschichten wurden für die Ausstellung auf dem Videoportal Youtube eingestellt. In einem Video erzählt der über 80-jährige Heiner Pietzsch von seiner Begegnung mit Max Ernst, in einem anderen berichtet das Ehepaar, warum sie den Schwerpunkt auf den Surrealismus gelegt haben. Neben den Videos wird eine MySpace-Webseite bereitgestellt, es wird getwittert und eine Ausstellungswebseite macht das Multimediapaket komplett.
Es ist das erste Mal, dass die Staatlichen Museen die modernen Informationskanäle so intensiv nutzen, um eine Ausstellung zu bewerben. Die Idee kommt vom neuen Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, der seit Ende 2008 im Amt und für seine Innovationsfreude bekannt ist. Was Kittelmann mit der Aktion gewinnen kann, sind nicht nur mehr junge Besucher, sondern auch eine neue Sammlung. Die fünfmonatige Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie könnte nämlich der Testlauf für eine dauerhafte Bindung der Kollektion von Ulla und Heiner Pietzsch an die Staatlichen Museen sein. Immerhin ist eine Sammlungsausstellung ideal, um herauszufinden, wie die Inhalte beim Publikum ankommen und wie die Zusammenarbeit zwischen Museum und Sammlern verläuft.
Jana Hyner
Stand vom 24.11.2009
Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 24.11.2009 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
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