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Romy Schneider und ihr Ehemann Harry Meyen / Ein Mann betrachtet ein Plakat in der Ausstellung 'Romy Schneider' in Bonn (Quelle: dpa; Montage: rbb online)

29. Mai 2012

Der Blick bleibt hängen: Zum 30. Todestag von Romy Schneider

Vor 30 Jahren, am 29. Mai 1982, starb die Filmdiva Romy Schneider. In Frankreich gelang ihr der Durchbruch zum Weltstar, ihre wohl glücklichsten Jahre verbrachte die Schauspielerin aber in Berlin.

Ein Hauch von Tragik liegt über den Biografien von Schauspielern, die bereits in sehr jungen Jahren einen derart überwältigenden Erfolg in einer Rolle gefeiert haben, dass sie danach für den Rest ihrer Karriere mit ebendieser Figur assoziiert werden. Bei Rosemarie Magdalena Albach war das nicht anders, seit sie 1955, siebzehnjährig, einen phänomenalen Kinoerfolg in der Rolle der österreichischen Kaiserin Elisabeth erlebt hatte. Der Name des Films: "Sissi". Der Name, unter dem die Schauspielerin berühmt werden sollte: Romy Schneider.

Am 23. September 1938 in Wien in eine Schauspielerdynastie hineingeboren, träumt das Mädchen von einer Karriere beim Film. Nach Abschluss der mittleren Reife rückt diese in greifbare Nähe, als sie über einen Kontakt ihrer Mutter Magda, selbst Schauspielerin, an eine Rolle in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (Regie: Hans Deppe) gelangt. Bald folgen erste Hauptrollen, etwa in Ernst Marischkas "Die Deutschmeister".

Vom Fluch, eine Kaiserin sein zu müssen

Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth (M) und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph von Österreich (2.v.r.) in einer Szene der 'Sissi'-Filmtrilogie (Quelle: dpa)

Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth (M) und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph von Österreich (2.v.r.) in einer Szene der "Sissi"-Filmtrilogie 

Von Marischka wird sie dann auch für "Sissi" gecastet, wo sie an der Seite von Karlheinz Böhm die junge Kaiserin spielen soll. Im Sommer 1955 beginnen die Dreharbeiten, und als der Film Ende des Jahres in den deutschen Kinos anläuft, ist Romy Schneider plötzlich ein Star, der von den Titelseiten der Magazine strahlt. Also wird nachgelegt: zunächst ein zweiter "Sissi"-Teil, bald darauf ein dritter. Nur widerwillig lässt sich die junge Schauspielerin darauf ein – schnell ist sie der Rolle des Prinzesschens überdrüssig geworden. Romy Schneider will Charakterrollen. Die Deutschen wollen Sissi.

Zwar dreht sie 1958 in Berlin noch "Mädchen in Uniform", doch als sie bald darauf an der Seite von Alain Delon in der Schnitzler-Verfilmung "Christine" mitspielt und sich die beiden verlieben, nutzt Romy Schneider die Gelegenheit zur Flucht nach Paris. Romy Schneider hat nie eine Schauspielausbildung genossen, dafür aber hat sie genügend Glück und Talent, um in den nächsten Jahren mit einigen der ganz großen Regisseure zusammenzuarbeiten: 1962 dreht sie mit Luchino Visconti, im selben Jahr spielt sie gemeinsam mit Anthony Perkins in Orson Welles´ Kafka-Verfilmung "Der Prozess".

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Berlin: "die schönsten, glücklichsten Jahre" in Romy Schneiders Leben

Als sie sich im April 1965 anlässlich einer Restauranteröffnung ihres Stiefvaters Hans Herbert Blatzheim zu einem Besuch in Berlin überreden lässt, lernt sie den Regisseur Harry Meyen kennen. Die beiden verlieben sich, eine heftige Romanze beginnt. Meyen trennt sich von seiner Frau, Romy zieht zu ihm nach Berlin. Im Sommer 1966 wird geheiratet, im Winter kommt im Virchow-Klinikum Sohn David Christopher zur Welt. Romy Schneider kann sich plötzlich wieder vorstellen, in Deutschland zu arbeiten. Gemeinsam mit Meyen verfolgt sie Pläne, in Berlin Theater zu spielen. Doch irgendwie wird nichts daraus, zwar gibt es Angebote, doch im letzten Moment zerschlagen sie sich.

Auch wenn Romy Schneider während dieser Zeit vom Boulevard immer wieder zur Glamour-Ikone stilisiert wird, sie auf Partys oder auf der Pferderennbahn gesichtet wird: Ihre Berliner Jahre verlaufen eher ruhig. Sie geht in ihrer Mutterrolle auf, wirkt ausgeglichen, man sieht sie kinderwagenschiebend im Grunewald. Romy Schneider dreht wenig, gemeinsam mit Mann und Sohn lebt sie in einer eleganten, weitläufigen Wohnung in der Winkler Straße. Später wird sie die Zeit in Berlin als die "schönsten, glücklichsten Jahre" ihres Lebens bezeichnen.

Undatiertes Archivfoto von Romy Schneider (Quelle: dpa)

Undatiertes Archivfoto von Romy Schneider 

Dennoch kehrt Romy Schneider Anfang der Siebziger nach Paris zurück. Es folgt eine intensive Zusammenarbeit mit dem französischen Regisseur Claude Sautet. Ganz besonders in Erinnerung bleibt eine Szene aus dem Film "Das Mädchen und der Kommissar" (1971), in der Michel Piccoli als Polizist durch ein Fernrohr beobachtet, wie die Prostituierte Lili, gespielt von Romy Schneider, aus einem Auto steigt – vielleicht auch, weil dieser Moment etwas von dem einfängt, was die Wahrnehmung der Ikone Romy Schneider kennzeichnet. Piccolis Blick sucht eigentlich nach etwas anderem, bleibt jedoch unweigerlich an ihr hängen und lässt sie für den Rest des Films nicht mehr los. Die Beobachtete wird zum Ausgangspunkt allen Unglücks, zu einem Kristallisationspunkt der Leidenschaften.

Private Tragödien

1973 trennt sich Romy Schneider von Harry Meyen, von dem sie 1975 geschieden wird. Im selben Jahr heiratet sie im Berliner Hotel Gerhus Daniel Biasini. Zwei Jahre später wird die gemeinsame Tochter Sarah geboren. Während es beruflich weiterhin gut läuft, wird Romy Schneiders Privatleben immer mehr zur Tragödie. 1979 nimmt sich Harry Meyen das Leben. 1981 ereilt Romy Schneider ein weiterer Schicksalsschlag: Ihr Sohn David Christopher kommt bei einem Unfall ums Leben. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – nimmt sie eine Rolle in "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" an, ihr letzter Filmauftritt. Gedreht wird in Berlin, in jener Stadt also, wo auch ihre ersten Probeaufnahmen zu Beginn ihrer Karriere in den ehemaligen UFA-Studios entstanden waren. Die deutsche Kinopremiere jedoch wird sie nicht mehr erleben. Am 29. Mai 1982, vor dreißig Jahren, ist Romy Schneider in Paris verstorben.

Andreas Resch

Stand vom 25.05.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 25.05.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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