Eine junge Frau wird im Jahr 1765 gegen ihren Willen ins Kloster geschickt und kämpft nun gegen brutalen Widerstand um ihre Freiheit. Guillaume Nicloux' Neuverfilmung des Romans von Denis Diderot gerät fade.
Suzanne Simonin (Pauline Étienne) will nicht ins Kloster. Sie ist zwar eine gläubige Katholikin, aber so gläubig, dass sie ihr ganzes Leben Jesus Christus widmen möchte, dann auch wieder nicht. Doch ihre Eltern zwingen sie dazu. Sie geben finanzielle Gründe an, schließlich seien ihre älteren beiden Schwestern schon so teuer und überhaupt seien die Zeiten schwer. Doch es gibt noch einen anderen Grund, wie die Mutter (Martina Gedeck) ausrichten lässt: Suzanne ist das Produkt einer Affäre – mit einem Mann, den die Mutter im Gegensatz zum Vater sehr geliebt hat.
Eine gnädige Mutter Oberin (Françoise Lebrun) nimmt sich der jungen Frau und ihrer Sorgen an. Sie zeigt Verständnis für die junge Frau. Doch das ändert letztlich nichts daran, dass Suzanne im Kloster bleiben muss. Als die mütterliche Klostervorsteherin stirbt, wird alles schlimmer. Ihre Nachfolgerin (Louise Boignon) stellt sich als harte Sadistin heraus.
Suzannes Nöten und erst recht ihrem offiziellen Antrag an den Vatikan, sie aus dem Klosterleben zu entlassen, begegnet sie mit drastischen Mitteln: Suzanne wird in den Kerker gesperrt, darf sich nicht waschen und nicht einmal beten, bekommt fast nichts zu essen und muss im Büßerhemd über Scherben durch das Kloster laufen.
Nüchterne Bilder, fades Thema
Auch als Suzanne endlich in ein anderes Kloster versetzt wird, hat die Tortur kein Ende: Ihre neue Mutter Oberin (Isabelle Huppert) wird nämlich mit der Zeit etwas zu nett und drängt die junge Nonne zu körperlicher Nähe. Guillaume Nicloux zeigt Suzannes Leidensweg in nüchternen Bildern und bleibt nah bei seiner Hauptdarstellerin, die in diesem Film sehr oft weinen oder verschüchtert und ängstlich gucken muss. Dabei erzielt sie eine beachtliche Intensität. Dennoch bleibt der Film fad und uninspiriert.
Das hat sicher auch mit dem Thema des Films zu tun. Die Sorgen einer Nonne im späten 18. Jahrhundert gehören sicher nicht zu den dringlichsten Stoffen, die Zuschauer von heute sehen wollen. Nicloux beteuerte auf der Pressekonferenz zum Film, das Thema religiöser Fanatismus sei von aktueller Bedeutung. Das ist sicher richtig – doch sein Film greift an keiner Stelle grundlegende Fragen auf. Er zeigt ein armes Opfer, das sich wehrt, und eine Reihe von verkommenen Menschen, die sie unterdrücken. Dass es ausgerechnet Nonnen sind, ist auf der einen Seite nicht wichtig – und macht den Film auf der anderen Seite nicht gerade aufregender.
"Die Welt wartet auf dich, Suzanne"
Eine weitere Schwachstelle des Films ist ausgerechnet die große Isabelle Huppert. Die sich mit jenseitigem Blick an eine junge Frau heranwanzende Irre ist bei ihr so grob überzeichnet, dass sie eher komisch als bedrohlich wirkt. Ärgerlich wird es am Ende, wenn Nicloux, von Diderots Roman abweichend, Suzanne aus den Fesseln des Radikalkatholizismus in die Freiheit entlässt. "Die Welt wartet auf dich, Suzanne. Sie braucht Menschen wie dich" - da hat auch der letzte Depp verstanden, was die Moral von der Geschichte sein soll: Wehr dich und du wirst siegen.
Fabian Wallmeier