Ein Film über zweite Anläufe in Liebesdingen weit ab vom weichgespülten Hollywood-Einerlei.
Die Helden der Filme von Nicole Holofcener sind auf erfrischende Weise ganz irdisch und weder besonders reich, noch besonders erfolgreich. In Filmen wie Please Give (der auf der vorletzten Berlinale im Wettbewerb lief) oder Friends with Money erzählt sie ebenso wahrhaftig wie komisch von ganz normalen Menschen und ihren kleinen Alltagsnöten. Selbst 53 hat sie jetzt mit Genug gesagt einen Film über zweite Anläufe in Liebesdingen gemacht, der weit entfernt ist, von den handelsüblich weichgespülten romantischen Komödien Hollywoods. Spürbar destilliert Nicole Holofcener ihre Geschichten aus dem wirklichen Leben, aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.
Gefühl und Geborgenheit
Im Zentrum steht die Masseuse Eva, deren fast erwachsene Tochter im Begriff ist, auszuziehen. Auf einer Party lernt sie Albert kennen, ein Bär von einem Mann, korpulent, mit Halbglatze (Soprano-Star James Gandolfini), entwaffnend offen und empfindsam, mit einem schlagfertig ironischen Humor. Wie sie ist auch er geschieden und entsprechend ernüchtert von der Liebe, die beiden sind realistisch genug, um zu wissen, dass man um Kompromisse nicht herumkommt. So geht es weniger um Flugzeuge im Bauch, als um ein Gefühl der Geborgenheit, um eine Liebe, die zugleich eine Freundschaft ist.
Wie schon in ihren früheren Filmen arbeitet Holofcener auch hier mit dem Trick, ihrer Heldin einen Beruf zu geben, der intime Nähe zu im Grunde fremden Menschen herstellt, nach der Kosmetikerin in Please Give und dem Zimmermädchen in Friends with Money kommt Eva ihren Kunden als Masseuse nah. Gespielt wird sie nicht von einem großen Star, sondern von der ganz irdischen Fernsehschauspielerin Julia Louis Dreyfuss. Der charmante Fluss der Erzählung wird durch einen Kunstgriff aufgepeppt, denn auf besagter Party lernt Eva auch eine neue Kundin kennen, die erfolgreiche Dichterin Marianne (Catherine Keener ), die unablässig über ihren geschiedenen Ex-Mann herzieht, bis Eva begreift, dass sie von ihrem Albert spricht. Statt reinen Tisch zu machen, nutzt sie die Situation aus und riskiert damit den ganzen Zauber der jungen Liebe zu zerstören, eine pikante Konstellation, die so ähnlich eben auch in dem deutschen Film Am Hang durchgespielt wurde.
Bittersüß
Der ohnehin bittersüße Tonfall dieser aus dem wirklichen Leben gegriffenen Geschichte verstärkt sich durch das Wissen um den frühen Tod von Soprano-Star James Gandolfini, der hier in einem seiner letzten Filme sehr viel verletzlichere, leisere Nuancen als gewohnt zeigen darf. "For Jim" lautet die diskrete Widmung der Regisseurin.
Anke Sterneborg