"All is Lost" erzählt vom Überlebenskampf eines Mannes - ganz simpel und doch so existenziell. Unser Mann (Robert Redford), über dessen Herkunft wir nichts erfahren, dessen Namen wir noch nicht einmal wissen, erleidet mit seinem Einhandsegler mitten im Indischen Ozean Schiffbruch: Er rammt eines Morgens einen herrenlos im Meer treibenden Frachtcontainer und reißt dabei ein großes Loch in seinen Schiffsrumpf.
Fünf Minuten bis zur Katastrophe
Das Unglück ereignet sich weitab von den befahrenen Schifffahrtsrouten, und um die Sache noch schlimmer zu machen, gehen auch noch Navigationssystem und Funkgerät des Segelboots bei dem Aufprall zu Bruch. Das alles ereignet sich in den ersten fünf Minuten dieses Films - und von da an beginnt der verzweifelte Kampf um das nackte Überleben, der immerhin gut anderthalb Stunden in Anspruch nimmt. Ein schwerer Sturm kommt auf, immer mehr Wasser dringt in das Boot und es ereignen sich noch ein paar andere größere und kleinere Katastrophen - aber unser Mann gibt so schnell nicht auf. Mit dem Mut der Verzweiflung schafft er es immer wieder, dem Tod noch einmal von der Schippe zu springen.
Sprachlos
Regisseur JC Chandor ("The Margin Call") verzichtet weitgehend auf künstlichen Spannungsaufbau und dramaturgische Tricks. Er konzentriert sich ganz und gar auf seinen Protagonisten: "Der alte Mann und das Meer" hat "die Zeit" ein wenig spöttisch geschrieben. Es gibt keine Rückblenden, es gibt keine großartigen Actionszenen. Es gibt auch keine Suchtrupps: Männer, die irgendwo verzweifelt auf die Uhr schauen und die Stunden zählen, die der Schiffbrüchige noch zu leben hat. In den ganzen 106 Minuten, die der Film dauert, wird nicht ein einziger Satz gesprochen.
Redford mal anders
Für Robert Redford ist dieser Film eine Tour de Force - und doch hat man das Gefühl, er habe auf eine solche Herausforderung nur gewartet, um den Leuten ein für alle Mal zeigen, was in ihm steckt. Hier spielt Redford mal nicht den Sonnyboy, den Charmeur, der immer ein Witzchen auf den Lippen hat und nie die Fassung verliert. Unser Mann ist ein einsamer, verzweifelter, zu Tode verängstigter Mann, der aber trotzdem den Kampf gegen die Naturgewalten aufnimmt, und ihn bis zum Schluss nie aufgibt.
Spannend
Man kann diesen Film als Parabel auf die Menschheit im Allgemeinen verstehen, die ja im Grunde auch irgendwie ums Überleben kämpft und die sich nur durch allerlei Tricks und Hilfs-Konstruktionen über Wasser hält. Man kann es aber auch sein lassen und einfach nur diese spannende und gut gemachte Story genießen.
Carsten Beyer