Das Roadmovie feierte auf der Berlinale 2013 seine Premiere. Es erzählt die rührselige Geschichte einer Frau kurz vor dem Rentenalter, die eines Tages einfach wegfährt. "Madame empfiehlt sich" ist wegen Catherine Deneuve in der Hauptrolle interessant, wegen der klischeebeladenen Geschichte eher nicht.
Bettie (Catherine Deneuve) war 1969 die Miss Bretagne. Jetzt ist sie um die 60, und bei ihr läuft es gerade nicht gut. Sie lebt immer noch mit ihrer Mutter zusammen und betreibt im selben Haus ein finanziell angeschlagenes Restaurant in ihrem Heimatort. Abends sitzt sie allein vorm Hummerbecken und trinkt Cognac. Da erfährt sie, dass ihr ehemaliger Liebhaber seine Frau verlassen hat - aber nicht für sie als seine langjährige Geliebte, sondern für eine 25-Jährige.
Da hat Bettie die Nase voll. Sie steigt in ihren goldfarbenen Mercedes und fährt los, einfach weg, ganz ohne Ziel. Sie hält in einem Dorf und lässt sich von einem alten Mann mit schmutzigen zittrigen Fingern eine Zigarette drehen. Später wird sie in einer Bar von einem 30-Jährigen aufgerissen und wacht am nächsten Morgen eher schockiert als zufrieden auf.
Großfamilienmassenversöhnung
Ihre Tochter ruft an. Seit Jahren haben die beiden sich nicht gesehen - doch jetzt soll Bettie ihren kleinen Sohn Charly (Nemo Schiffman) quer durch Frankreich zu seinem Großvater väterlicherseits fahren. Bettie willigt zur Überraschung der Tochter ein und macht sich weiter auf den Weg - dieses Mal mit einem Ziel.
Charly stellt sich zunächst als schwieriges Kind heraus, der seiner Großmutter ausgesprochen feindselig begegnet. Doch wie es sich für ein klassisches Roadmovie gehört, finden sie dann natürlich doch zusammen. So weit so gut - doch am Ende steht eine Großfamilienmassenversöhnug, bei der sogar eine mögliche Liebe für Bettie abfallen könnte. Hier dreht der Film die Wohlfühlschraube zu weit und suhlt sich in Klischees und Unglaubwürdigkeiten.
Catherine Deneuve rettet den Film
Dabei räumt der Film für einen Roadmovie dem auffälligem Mercedes von Bettie und der Straße ziemlich wenig Platz ein. Den füllt Regisseurin Emmanuelle Bercot lieber mit Rührseligkeiten. Dabei hätte mehr meditative Stille und Bilder von schweigenden Menschen im Auto gut getan.
Doch Catherine Deneuve dabei zuzusehen, wie sie sich eine Strähne aus dem Gesicht streicht, wie sie genüsslich Zigaretten raucht, ihr dabei zuzuhören, wie sie mit trockenem Witz aufkommendes Pathos zurechtstutzt, wie sie angesichts all der unerwarteten Dinge, die ihr passieren, in ein geradezu kindliches Gelächter ausbricht - das macht den Film dann doch sehenswert.
Und so wenig neu die Frage nach Schönheit und Würde alternder Frauen auch sein mag: Selten hat sie ein Film so eindeutig positiv beantwortet. Das mag zwar für Frauen und auch Männer, die nicht so toll aussehen wie Catherine Deneuve, wenig tröstlich sein, taugt aber dennoch als Statement gegen den Jugendwahn.
Fabian Wallmeier