Ein bunter Trupp amerikanischer Kunsthistoriker unter Führung von Frank Stokes (George Clooney) will den Nazis geraubte Kunstgüter entreißen. Eine gefährliche Schatzsuche beginnt. "Monuments Men" beruht auf einer wahren Geschichte, auch wenn diese nach einem "Indiana-Jones"-Drehbuch klingt. Sie hätte zu einem spannenden Film werden können - mehr noch: werden müssen. Aber davon ist Clooneys Werk weit entfernt.
In den Endwirren des Zweiten Weltkriegs schicken die Alliierten eine Sondereinheit von "Kunstschutzoffizieren" los, um die von den Nazis geraubten Kunstschätze aufzuspüren und vor der Zerstörung durch Kriegsbomben oder die deutsche Armee zu bewahren. Sieben Männer sind es, ein bunter Trupp von Zivilisten, die man vorübergehend in Armeeuniformen gesteckt hat: Museumsdirektoren, Restauratoren, Kuratoren, Architekten, Kunsthistoriker. Die abenteuerliche Suche führt die „Monuments Men“ über Frankreich nach NS-Deutschland, denn die Meisterwerke befinden sich hinter den feindlichen Linien.
Gnadenlos pathetisch
Diese Geschichte klingt unglaublich, ist aber so – oder so ähnlich – wirklich passiert. Und was hätte sie für einen spannenden Film geben können! Einen Thriller, eine Abenteuergeschichte mit Tiefgang, eine Geschichte, die auch an die Opfer des Holocaust erinnert, denen die Nazis diese Kunstwerke entwendet haben.
Was uns Regisseur George Clooney hingegen präsentiert, ist ein vor Patriotismus und Pathos triefender Kriegsfilm, betulich und lehrmeisterhaft inszeniert. Und das von Anfang an. Da streift die Kamera langsam über die Gemälde alter Meister, während ein pompöser Soundtrack noch dem letzten Kulturbanausen einbläut, dass das, was hier zu sehen ist, wirklich und wahrhaftig große Kunst ist, die es um jeden Preis zu erhalten gilt. Wenig später steht Clooney als Professor Frank Stokes vor den widerstrebenden Offizieren und erteilt ihnen ebendiese Lektion. "Man kann Menschen töten, ihre Häuser niederbrennen, aber wenn man ihre Kultur zerstört, ist es, als ob sie nie existiert hätten." "Kunst gehört der Menschheit", heißt es später.
Patriotische Botschaften, tolles Ensemble
Damit hat er ja recht, niemand bezweifelt das wirklich. Wer möchte nicht, dass der Genter Altar oder die Brügger Madonna gerettet würde. Doch warum nur muss uns der Film seine Botschaften so gnadenlos um die Ohren hauen? Da wird die Kunst gepriesen, da werden Frontbriefe verlesen, in denen von Mut und Opferbereitschaft die Rede ist ("Ist es das Opfer wert?"), da werden kitschige Weihnachtslieder für tapfere US-Soldaten jenseits der Heimat gespielt, bis man sich am liebsten hinter Michelangelos Madonna verstecken und sich die Ohren zuhalten würde.
Authentizität oder Lebensechtheit erstarren in Plattitüden und Klischees, und über lange Strecken hinweg lässt die Handlung vergeblich auf Spannungsmomente hoffen. Zumal Clooney in seiner Dramaturgie unentschlossen zwischen Kriegsfilm, Heldenepos und Schurkenstück hin- und herschwankt und es – trotz Sepiafarben – mit den historischen Fakten nicht immer ganz genau nimmt.
Große Kunst und große Männer
Zum Glück hat der Film auch humorvolle, leichte Momente, die er in erster Linie seinem spielfreudigen Starensemble verdankt: George Clooney als Frank Stokes, Matt Damon in der Rolle seines Mitstreiters James, Cate Blanchett als Simone (eine Figur, die der realen Rose Valland nachempfunden ist), Widerstandskämpferin, Kuratorin – und kurzer Flirt von James.
Komplettiert wird das hochkarätige Herren-Septett von so herausragenden Schauspielern wie John Goodman, Jean Dujardin, Hugh Bonneville, Bob Balaban, Dimitri Leonidas und Bill Murray. Goodman als grummelnder Architekt, Jean Dujardin als Jean Claude, charmant und mit Baskenmütze – es macht Spaß, ihnen zuzuschauen, aber sie heben den Film nicht aus seiner Rührseligkeit.
Große Kunst, große Männer, ja auch die Größe Amerikas, das im kriegszerfressenen Europa nach dem Rechten schaut – ist Clooney etwa in Ehrfurcht vor seinen hehren Themen erstarrt?
Mit Filmen wie "Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind" oder "Good Night, and Good Luck" hat der Schauspieler, Regisseur und Produzent sein Faible für Fragen der Integrität und persönlichen Moral bewiesen, dabei aber auch gezeigt, dass er als Regisseur eine überraschend individuelle Handschrift entwickelt hat. Von Letzterer ist in "Monuments Men" wenig zu spüren. Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.
Von Ula Brunner