Markus Zusaks gleichnamiger Jugendroman wurde weltweit in 30 Sprachen übersetzt und rund acht Millionen Mal verkauft. Bei so einem Erfolg ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die Geschichte verfilmt wird ...
Das Buch speiste sich aus Zeitzeugenberichten von den Großeltern des Autors, erzählt aber die fiktive Geschichte eines elfjährigen Mädchens, das versucht, sich einen Reim auf das Dritte Reich zu machen. Am Anfang des Films bricht die ganze Welt der elfjährigen Liesel auseinander. Ihre Mutter (Heike Makatsch), eine Kommunistin, muss die Kinder in die Sicherheit einer Pflegefamilie bringen, auf der Fahrt stirbt ihr kleiner Bruder, und dann kommt sie bei wildfremden Leuten in einer süddeutschen Kleinstadt an. Ihre neue Pflegemutter Rosa Hubermann (Emily Watson) ist ausgesprochen verbittert und entsprechend hartherzig und grantig, allein ihr Mann Hans gibt dem Kind ein bisschen Geborgenheit und Herzenswärme. Als er beginnt, ihr im Keller das Lesen beizubringen, eröffnet er ihr die Welt der Bücher als Alternative zur schrecklichen Realität des Nationalsozialismus.
Künstliche Szenerien
Eher unglücklich ist die Wahl des allenfalls von sechs Episoden der Fernsehserie Downton Abbey bekannten britischen Fernsehregisseurs Brian Percival. Während das Buch ein Gefühl für die Schrecken dieser Zeit vermittelte, mutet der Film immer wieder wie eine Märchenversion des Dritten Reiches an, in der Bücherverbrennung und Judendeportation Episoden bleiben und die Nazikinder wahlweise Streber oder Deppen sind. Ähnlich wie in George Clooneys ebenfalls in Babelsberg gedrehtem Film "The Monument's Men" hat man nie das Gefühl dem Leben zuzuschauen. Stattdessen blickt man durch das Fenster der Historie auf eine Kulissenwelt. Statt die kindliche Orientierungslosigkeit und Frische zu vermitteln, bleiben die Szenerien merkwürdig künstlich, geradezu kitschig.
Großartige Schauspieler
Gespielt wird das Ehepaar Hubermann von den Oscarpreisträgern Geoffrey Rush und Emily Watson. Rush, der sonst oft kapriziöse Figuren wie den Auktionator in "The Last Offer" oder auch den Captain Barbossa in der "Fluch der Karibik"-Serie verkörperte, spielt den Pflegevater ganz zurückhaltend und herzerwärmend liebenswert. Watson lässt hinter der abweisenden Haltung einer hart arbeitenden Frau zunehmend eine liebevolle Mutter aufschimmern. Die Kanadierin Sophie Nélisse mag als Liesel mit ihren wohlgeformten Löckchen vielleicht ein bisschen zu schön aussehen, vermittelt mit ihrer Präsenz und ihrem Charme aber mühelos den Wandel vom kleinen Mädchen zur jungen Frau. So bleibt es den großartigen Schauspielern überlassen, der sterilen Kulissenwelt echte Gefühle einzuhauchen.
Anke Sterneborg