London, in einer Neujahrsnacht auf dem Dach eines Hochhauses: Hier treffen vier sehr unterschiedliche Menschen aufeinander, die alle unabhängig voneinander zu dem Entschluss gekommen sind, ihrem Leben ein Ende zu setzen: Die junge Jess (Imogen Poots) hat Liebeskummer, Maureen (Toni Collette) ist eine Hausfrau mit einem behinderten Sohn, die die Monotonie ihres Alltags nicht mehr ertragen kann, JJ (Aaron Paul) ein gescheiterter Rockmusiker mit Sinnkrise und Martin (Pierce Brosnan) ein ehemals ziemlich erfolgreicher Fernsehmoderator, den der Seitensprung mit einer 15-Jährigen seine berufliche und gesellschaftliche Existenz gekostet hat.
Ein Pakt
Alle vier hätten einen guten Grund, vom Dach zuspringen, glauben sie jedenfalls. Weil sie sich aber nicht einigen können, in welcher Reihenfolge, entschließen sie sich, ihre Selbstmordpläne erstmal zu verschieben - und sie schließen einen Pakt: Wenn sich bis zum Valentinstag in sechs Wochen nichts in ihrem Leben gebessert hat, so lautet das Abkommen, auf der Rückseite von Maureens Abschiedsbrief entworfen, dann wollen sich die Vier wieder auf dem Hochhausdach treffen und das Ganze zu Ende bringen.
Ironie, Situationskomik und schwarzer Humor
Die Romane des britischen Autors Nick Hornby sind garantierte Bestseller: Egal ob "Fever Pitch", "High Fidelity" oder "About a Boy" - alle landeten sie innerhalb kürzester Zeit ganz oben auf den Bestsellerlisten, wurden in zig Sprachen übersetzt, und viele von ihnen wurden später verfilmt oder für das Theater adaptiert. Das Erfolgsgeheimnis von Hornby besteht darin, dass er sich ernste Themen vornimmt - ungewollte Schwangerschaften, Ehe-Probleme, Job-Verlust - und ihnen dann eine unterhaltsame Seite abgewinnt - durch Ironie, Situationskomik und seine besondere Art von schwarzem Humor.
Eng an der Vorlage
Das funktioniert auch auf der Leinwand, vor allem weil Regisseur Pascal Chaumeil sich eng an die Buch-Vorlage gehalten hat. Lediglich die Erzählperspektive hat sich geändert: Während sie im Roman ständig wechselt, hat er seinen Film in vier Kapitel eingeteilt, die den vier Hauptfiguren zugeordnet sind. Dabei überzeugen die Frauen deutlich mehr als die Männer. Während Ex-Bond Pierce Brosnan und Breaking-Bad-Jungstar Aaron Paul blass bleiben, drehen Imogen Poots als überkandidelte Kindfrau Jess und Toni Collette als verhärmtes Mauerblümchen Maureen richtig auf.
Im Grunde hat Pascal Chaumeil den Ton von Nick Hornby genau getroffen: Leicht, aber nicht zu leicht, lustig, aber nicht albern, Mainstream im besten Sinne. Wer nicht das ganz große Kino oder den ganz großen Seelen-Striptease erwartet, ist mit "A Long Way Down" gut bedient.
Carsten Beyer