Artur Brauner (Foto: dpa)

Artur Brauners 95. Geburtstag - "Vor Freude fast in Ohnmacht gefallen"

Am 1. August feierte der Filmproduzent Artur "Atze" Brauner seinen 95. Geburtstag. Große Freude machte ihm ein Geschenk seiner Familie: ein umfassender Werkkatalog, der die über 500 Filme dokumentiert, die Brauner mit seiner Spandauer Firma CCC produziert hat. Doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Ihr Vater sei "vor Freude fast in Ohnmacht gefallen", sagt Alice Brauner, Tochter und Co-Produzentin des Berliner Filmproduzenten. Und ihr Vater haben schmunzelnd gesagt: "Theoretisch kann ich ja jetzt abtreten, hier ist alles drin, was ich jemals gemacht habe."

Mit seiner Berliner Filmfirma "Central Cinema Company" hat Artur Brauner mehr als 500 Filme herausgebracht, darunter viele, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, so zum Beiispiel "Morituri" (1948), "Hitlerjunge Salomon" (1989) und "Der letzte Zug" (2006).

1918 geboren, habe er mit 24 Jahren vor einem Massengrab gestanden und in die offenen Augen eines zehnjährigen Jungen gesehen, sagte Brauner der "Bild"-Zeitung. Damals habe er sich das Versprechen abgenommen, "niemals die Opfer vergessen zu lassen". Dieser Aufgabe werde er sich hundertprozentig bis zu seinem Lebensende widmen.

Artur Brauner in seiner Berliner Wohnung (Quelle: imago)
Artur Brauner in seiner Berliner Wohnung

Einmischen und unbequem sein

Auch wenn er mittlerweile nicht mehr auf jeder Party und bei jedem gesellschaftlichen Ereignis in Berlin dabei ist, ist es noch längst nicht ruhig geworden um Artur Brauner.

Er muss sich einfach einmischen und will unbequem sein, gerade wenn die Nazi-Zeit und deren Verbrechen verharmlost oder relativiert werden. Gerade erst hat Brauner Götz George vorgeworfen, seinen Vater Heinrich im ARD-Film "George" zu "glorifizieren".

Sohn eines jüdischen Holzhändlers

Die Verbrechen der Nazizeit treiben Artur Brauner um und an, ihn einen Überlebenden des Holocaust. 50 Verwandte Brauners haben die Nazis in den Lagern und Ghettos umgebracht. Brauner, der Sohn eines jüdischen Holzhändlers aus Lodz, überlebte weil er sich in den Wäldern versteckte und kurz vor Kriegsende aus einem Lager in Russland fliehen konnte.

Damals schon schwor sich Brauner den Opfern des Holocaust ein Denkmal zu setzen, sie nicht vergessen sein zu lassen. Und das tat er als Filmproduzente in vielen Filmen, die sich mit der NS-Zeit auseinandersetzen.

Anti-NS-Filme und Edgar-Wallace-Verfilmungen

Nach dem Krieg ging Brauner nach Berlin, lernt seine spätere Frau Maria kennen, gründete 1946 in Berlin seine Central-Cinema-Compagnie-GmbH, besser bekannt als CCC-Film. Schon gleich mit seinem zweiten Film als Produzent, "Morituri" (1947/47) löste er sein Versprechen ein. "Morituri" erzählt vom Schicksal einer Gruppe von KZ-Häftlingen, die nach der Flucht in einem Wald an der russisch-polnischen Grenzen zu überleben versuchen. Im Laufe der Jahrzehnte folgten noch weitere Filme zu NS-Zeit und Holocaust: "Sie sind frei, Dr. Korzak", "Die weiße Rose", "Bittere Ernte", "Hitlerjunge Salomon" oder "Babij Jar - das vergessene Verbrechen".

Aber Artur Brauner produzierte auch Filme, die Kasse machten: Mit Karl May-Filmen, der Edgar-Wallace-Serie, Heimatschnulzen, Schlager- und Erotikfilmen wurde er seinerzeit zu einem der wichtigsten Filmproduzenten Deutschlands. Zeitweise arbeiteten 500 Mitarbeiter für die CCC-Film. Und es entstanden deutsche Filmklassiker wie "Die Frühreifen", "Mädchen in Uniform", "Das indische Grabmal" oder "Der brave Soldat Schweijk". Seine in den 1970er Jahren veröffentlichte Biografie trägt den Titel "Mich gibt's nur einmal".

Wenn Filme Geld an der Kinokasse versprachen, war Brauner thematisch nicht zimperlich und seicht durfte es dabei auch zugehen. Andererseits war er der erste deutsche Produzent der mit dem seinerzeit noch kommunistischen Polen Filme in Koproduktion drehte. Und Brauner beschäftigte aus der Emigration heimgekehrte Regisseure wie Fritz Lang oder Robert Siodmak; dessen Hauptmann-Adaption "Die Ratten" aus dem Jahr 1955, ein Meisterwerk der Adenauer-Zeit ist.

Artur-Brauner-Mediathek der Gedenkstätte Yad Vashem

1970 schließt Brauner seine Studios in Eiswerder, als Koproduktionen entstehen aber weiterhin Filme. An die 300 dürften es inzwischen sein, darunter immer wieder Filme zur NS-Zeit. Im März 2010 wurde deshalb Artur Brauner auch eine besondere Ehre zu Teil. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eröffnete die Artur Brauner-Mediathek. Dort werden 21 Filme gezeigt, die Brauner über die Opfer des Holocaust produziert oder co-produziert hat. Gezeigt werden etwa der Oscar-prämierte Film "Der Garten der Fini Contini" oder der Golden Globe-Preisträger "Hitlerjunge Salomon".

Brauners Rat an alle Männer: "Durcharbeiten"

Parallel zu seiner Produzententätigkeit war Artur Brauner in Berlin auch als Immobilienunternehmer groß im Geschäft, wenn auch in den letzten Jahrzehnten mit deutlich weniger Fortune und nicht immer zur Freude der Mieter, die in den bisweilen stark vernachlässigten Immobilien wohnen.

Aufhören zu arbeiten will Brauner noch lange nicht.  In der Rente oder im Urlaub hätte er hingegen genügend Zeit, um nachzudenken, "dann wird's mir mulmig". "Wenn ich in Rente ginge, würde ich sterben!", betont Brauner in der "Bild". Er könne nur allen Männern im Rentenalter raten, dass sie "durcharbeiten" sollten. Er selber arbeite noch sieben Tage in der Woche, im Durchschnitt zwölf bis 14 Stunden am Tag.

Beitrag von Reiner Veit / mit Informationen von rbb-online

Mehr zum Thema

Götz George wird 75 - Kontroverse zum Geburtstag

Mit Rollen wie dem "Tatort"-Ermittler Schimanski und dem Massenmörder in "Der Totmacher" wurde er berühmt. Am Dienstag wurde der Berliner Schauspieler Götz George 75 Jahre alt. Sein neuester Film "George", in dem er seinen Vater spielt, hat eine heftige Kontroverse ausgelöst.