
Größte Open-Air-Galerie der Welt - Kleine Geschichte der East Side Gallery
Wie kein anderes Kunstwerk erinnert sie an den Fall der Mauer und das langsame Zusammenwachsen von Ost und West: die East Side Gallery (ESG) zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof. Hervorgegangen ist die ESG aus einer Initiative ost- und westdeutscher Künstler. Mit über 1300 Metern ist sie das längste Wandbild der Welt.
Schon früh wurden Stimmen laut, die einen Erhalt von Mauerabschnitten forderten, um damit spätere Generationen an die Teilung Berlins erinnern zu können. Von den rund 50 Kilometern Mauer sind heute nur noch wenige Teile erhalten - mit einer Länge von über 1,3 Kilometern Länge stellt die East Side Gallery den längsten bis heute erhaltenen Abschnitt dar.
Ursprung als deutsch-deutsches Kunstprojekt
Im Frühjahr 1990 begannen Künstler aus aller Welt, die östliche Seite des über 1,3 Kilometer langen Mauerstücks nach und nach zu bemalen. In den folgenden Wochen und Monaten beteiligten sich insgesamt 118 Künstler aus 21 Nationen an der Aktion.

Einweihung mit Zustimmung des DDR-Ministerrats
Mit unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln thematisierten sie die Situation unmittelbar nach dem Mauerfall und die politischen Veränderungen der Jahre 1989/90. Zugleich schauten die Künstler aber auch zurück und griffen Motive aus dem Kalten Krieg und den 28 Jahren der deutsch-deutschen Teilung auf.
Gleichzeitig verhandelte der bereits wiedervereinigte gesamtdeutsche Künstlerverband mit den DDR-Behörden über die Genehmigung des Projekts, die der Ministerrat der DDR schließlich erteilte. So wurde die East Side Gallery (kurz "ESG") am 28. September 1990 offiziell eröffnet.
Im Jahr 1990 wurde der fertig bemalte Mauerstreifen unter Denkmalschutz gestellt. Spätere Veränderungen, wie der jetzt erfolgte Durchbruch, bedürfen daher der Zustimmung der Berliner Denkmalbehörde.
Probleme mit Wind und Wetter
Bereits im Jahr 2000 erzielte der Verein einen Teilerfolg, wobei 40 der stark angegriffenen Bilder restauriert werden konnten. Die Betonflächen wurden dazu geglättet und die noch vorhandenen Kunstwerke mit einem Speziallack versehen, der eine leichte Entfernung von Graffiti möglich macht. Ein Großteil der Gemälde blieb dennoch sanierungsbedürftig.
Die Künstler erhielten für die Wiederherstellung ein Aufwandsentschädigung in Höhe von 3000 Euro. Da einige der Künstler dies als zu wenig empfanden, entstand ein Streit um Urheber- und Verwertungsrechte. So verweigerten einzelne Künstler, wie zum Beispiel Jim Avignon, ihre Mitarbeit. Einer der Vorwürfe bezog sich auf die Kommerzialisierung der ESG, an deren Gewinnen die Künstler nicht beteiligt würden. So würden vor allem Verlage profitieren, die die East Side Gallery in Printpublikationen darstellten, hieß es.

Komplette Sanierung im Jahr 2009
Im Jahr 2009 wurde die East Side Gallery mit Hilfe von Senats- und Lottogeldern komplett saniert. Dafür standen 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Kulturstaatssekretär André Schmitz bezeichnete die ESG damals als "Teil des Gesamtkonzepts zur Erinnerung an die Mauer und zum Gedenken an deren Opfer". Die Wiedereröffnung der sanierten Galerie fand am 6. November 2009 statt.
Da der Mauerabschnitt zur dauerhaften Erhaltung komplett instandgesetzt werden musste, wurden viele Bilder im Laufe der Arbeiten abgestrahlt. Laut Angaben der Künstlerinitiative konnten im Anschluss von den usrprünglich erstellten 106 Bildern 100 durch die Künstler wiederhergestellt werden.

Streit um Mediaspree und neuen ESG-Durchbruch
So wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Veranstaltungshalle O2World die East Side Gallery bereits auf einem 45 Meter breiten Stück unterbrochen, um so einen Zugang zur Spree zu schaffen. Ein weiterer Durchbruch findet seit dem 28. Februar 2013 statt. Grund ist der geplante Bau eines Luxushochhauses und die Errichtung einer neuen Spreebrücke.
Die ESG-Künstlerinitiative und ihr Vorsitzender Kani Alavi haben daher den Berliner Senat aufgefordert, sich klar zum Erhalt der Open-Air-Gallery zu bekennen. Zudem müsse der Senat schnellstmöglich alle Schritte einleiten, um das Denkmal und das Kunstwerk zu schützen, sagte Alavi.

