Ein gezeichnetes Porträt von Carl Philipp Emanuel Bach (Bild: Bach-Archiv Leipzig)

Vom Studenten zum Hofmusiker - Carl Philipp Emanuel Bachs Jahre in Berlin und Brandenburg

Drei der sechs Städte, die 1914  das Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Jahr begehen, liegen in der Region: Potsdam, Berlin und Frankfurt (Oder). Fast die Hälfte seines Lebens verbrachte der Komponist hier. Vor allem am Hof Friedrichs des Großen fand er ein anregendes künstlerisches Umfeld. Zunächst zumindest, denn schon früh wollte der "Berliner Bach" dem Hof den Rücken kehren. Ein Blick auf Bachs 33 Jahre in Berlin und Brandenburg.

Berlin und Brandenburg können sich weder als Geburtsstadt Carl Philipp Emanuel Bachs schmücken noch als seine Todesstadt. Der bis heute bekannteste Sohn Johann Sebastian Bachs wurde 1714 in Weimar geboren und starb 1788 im Alter von 74 Jahren in Hamburg. Doch dazwischen hinterließ er auch wesentliche Spuren in Berlin und Brandenburg.

Studienzeit in Frankfurt (Oder)

Bach verbrachte mehr als 33 Jahre seines Lebens in der Region: von September 1734 bis Ostern 1768. Zunächst kam er zum Studium nach Frankfurt (Oder). Bach war damals 20 Jahre alt und hatte bereits erste Jahre als Jurastudent in Leipzig hinter sich. Dort hatte ihn sein Vater musikalisch ausgebildet, der dort seit 1723 als Thomaskantor beschäftigt war. Der Sohn hatte sich sogar mit nur 19 Jahren auf die Organistenstelle der Naumburger Wenzelksirche beworben, hatte sie aber nicht bekommen.

In Frankfurt setzte Carl Philipp Emanuel beides fort: das Jura-Studium und die Musik. Er gab Cembalo-Unterricht und komponierte: Konzerte, Kammermusik und mehr als 15 Sonaten. Der berühmte Vater spielte wieder eine entscheidende Rolle: Mit einer musikalischen Akademie führte er auch Werke von Bach senior auf.

Büste Friedrichs des Großen

Bach schloss sein Studium in Frankfurt ab und entschloss sich gegen eine Laufbahn als Akademiker - und für die Musik. Ein entscheidender Karriereschritt kam 1938: Bach wurde vom damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich als Cembalist in dessen Kapelle nach Ruppin berufen. Aus dem Kronprinzen wurde zwei Jahre darauf König Friedrich II., bekannt als Friedrich der Große - und Bach stieg zum Konzertcembalisten an der Hofkapelle in Rheinsberg auf.

Friedrich der Große, der vornehmlich in Potsdam, aber auch in Berlin residierte, war musikalisch außergewöhnlich interessiert: Er spielte Querflöte und komponierte - beides auf einem Niveau, das deutlich über ein reines Hobby hinaus reichte. Kein Wunder also, dass ihm ein anregendes künstlerisches Umfeld wichtig war: Seine überdurchschnittlich große Hofkapelle unter der Leitung von Carl Heinrich Graun genoss in ganz Deutschland einen ausgezeichneten Ruf. Von diesem Umfeld profitierte auch Bach, der sich hier kompositorisch entfalten konnte. Und er zeigte sich, den Gepflogenheiten entsprechend, seinem König dankbar. 1742 etwa widmete er ihm seine "Preußischen Sonaten".

Fehlende Anerkennung des Königs

1744 heiratete Bach Johanna Maria Dannemann, Tochter eines Berliner Weinhändlers. Das Paar bekam in schneller Folge drei Kinder: Johann Adam kam 1745 zur Welt, 1747 folgte Anna Carolina Philippina und 1748 Johann Sebastian.

Bach wurde derweil als Komponist immer bekannter. Bald nannte man ihn, in Abgrenzung zum Vater in Leipzig, den "Berliner Bach". 1749 beendete er sein bis dahin umfangreichstes Werk, das "Magnificat", das noch im Beisein des berühmten Vaters aufgeführt wurde, kurz bevor dieser starb. Dennoch wuchs in Bach junior die Unzufriedenheit. Der König ließ ihn am Hof nicht so aufsteigen, wie er sich das gewünscht hätte. So spielte er immer stärker mit dem Gedanken, Berlin zu verlassen.

Doch es sollten noch viele Jahre ins Land gehen, bis er dem Preußenhof tatsächlich den Rücken kehrte. Von 1860 an komponierte er mehr denn je - und suchte auch außerhalb von Berlin vermehrt den Austausch mit anderen Musikern. In Berlin, wo er zeitweise das Haus seines Verlegers George Ludewig Winter in der Friedrichstraße bewohnte, verkehrte er zunehmend in privaten Zirkeln von Musikern und Intellektuellen. Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges kamen ihm diese Verbindungen zugute: Am Hof kam das künstlerische Leben nahezu zum Erliegen, doch im Privaten ging es weiter.

Wichig wurde derweil auch die Beziehung zu Prinzessin Anna Amalie von Preußen, der musikbegeisterten Schwester Friedrichs des Großen. Ihr widmete Bach seine Orgelsonaten. Und sie ernannte ihn schließlich, zu Ehren seines Abschieds aus Berlin, zum Kapellmeister.

Der Abschied zeichnete sich erst 1767 ernsthaft ab. In Hamburg starb Georg Philipp Telemann - und Bach bewarb sich um dessen Stelle als Musikdirektor und Kantor. Er bekam die Stelle - und musste sich nun gegen den Widerstand des Königs durchsetzen, der ihn zunächst nicht gehen lassen wollte. Nachdem noch ein besonders harter Winter seine Abreise verzögert hatte, konnte Bach schließlich an Ostern 1768 Berlin endlich den Rücken kehren und sein neues Amt in Hamburg antreten.