
Berliner Theaterszene - Shermin Langhoff übernimmt Leitung des Maxim Gorki Theaters
Das Rätselraten hat ein Ende: Shermin Langhoff wird 2013 die neue Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters. Sie wird die erste Türkischstämmige sein, die ein deutsches Staatstheater leitet.
Gutgelaunt empfing Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) die spontan geladene Presse im Foyer des Maxim Gorki Theaters. Zuvor hatte er der 160-köpfigen Belegschaft des Theaters die neue Intendantin vorgestellt: Ab der Spielzeit 2013/2014 wird Shermin Langhoff das Haus führen. Auch Langhoff, die bislang als künstlerische Leiterin das Ballhaus Naunynstraße führte, war sichtlich erleichtert, denn die Kolleginnen und Kollegen des Maxim Gorki Theaters haben sie positiv empfangen. Mit Shermin Langhoff wechselt auch Dramaturg Jens Hillje vom Ballhaus ans Gorki Theater. Er übernimmt die Funktion des Vize-Intendanten.
Erste postmigrantische Leiterin

Konzept keine Konkurrenz zum Ballhaus Naunynstraße
Zum Konzept ihrer Intendanz am Gorki Theater hält sich Langhoff noch zurück. Das Maxim Gorki Theater solle als Gegenwartstheater erhalten bleiben, etwas aufgefrischt durch eine weitere Öffnung zur Freien Szene, aus der sie selbst ja kommt. Ihr schwebt ein festes Ensemble vor, das nur zum Teil aus den "alten" Schauspielern bestehe und durch neue Talente ergänzt werde. Dem Gorki, so Langhoff, sei es gelungen, "Ost und West zusammen zu bringen, wir bringen die Anderen noch dazu". Die "Anderen", das sind vor allem Kollegen des postmigrantischen Theaters, mit denen sie das Ballhaus Naunynstraße binnen kurzer Zeit zu einem anerkannten Spielplatz aufgebaut hatte. Als Konkurrenz zum Ballhaus will sie ihr Konzept jedoch nicht verstanden wissen. Während sie im Ballhaus oft am Eingang stand und das Publikum persönlich begrüßte, das zu 36 Prozent aus Kreuzberg selbst kommt, wird sie im Gorki Theater auf eine breitere Zielgruppe treffen. Die jedoch sei, so eine Erhebung, die das Theater Anfang Juni veröffentlichen wird, sehr aufgeschlossen und wandlungsbereit.

"Kurz vor den Toren Wiens" ins Gorki Theater geholt
Wechselnde Regisseure, ein neu durchmischtes Ensemble, die Öffnung zur Freien Szene und der feste Wille, sich als Stadttheater (politisch) relevanten Diskursen zu stellen sind die Überschriften für ein Konzept, das noch im Werden ist. "Fünf, sechs Regisseure" hätten bereits ihr Interesse an Inszenierungen signalisiert - neben Armin Petras, der zwar zum Württembergischen Staatstheater Stuttgart wechselt, aber auch weiterhin am Gorki Theater inszenieren wolle.
Vize-Intendant Jens Hillje, der die Erfahrung als Chefdramaturg eines großen Hauses, der Schaubühne mitbringt, "wollte schon immer ins Maxim Gorki Theater".
Eigentlich aber wollten beide zum Jahreswechsel nach Wien ziehen, denn dort hatte man Langhoff den Posten der stellvertretenden Leiterin der Wiener Festspiele angeboten. "Kurz vor den Toren Wiens", so André Schmitz sei es ihm gelungen, Shermin Langhoff zurückzuholen. In Wien wurde spekuliert, dass die Chemie zwischen ihr und Markus Hinterhäuser, dem Leiter der Festspiele, nicht gestimmt habe. Langhoff bestreitet dies. Es seien rein private, persönliche Gründe gewesen, die zur Absage geführt hätten.
Ilona Marenbach
