Studenten der Schauspielschule "Ernst Busch" demonstrieren am Montag (07.05.2012) in Berlin wegen des Streits über die Schauspielschule. (Bild: dpa)

Campusneubau - Ernst-Busch-Hochschule: Die ewige Standortsuche

Eigentlich sollte nach den Protestaktionen im Mai dieses Jahres wieder Ruhe einkehren im Alltag der Studenten der Ernst-Busch-Hochschule. Der Senat hatte der Schauspielschule damals nach zähem Ringen einen zentralen Campusneubau in der Chausseestraße versprochen. Doch dieses Versprechen hielt gerade mal ein halbes Jahr, nun steht der Standort erneut auf dem Prüfstand.

Das Happy End erschien endlich in greifbarer Nähe: Wochenlange öffentliche Proteste der Studentenschaft und vieler prominenter Absolventen der Ernst-Busch-Hochschule - darunter Nina Hoss, Ulrich Matthes und Thomas Ostermeier - hatten bewirkt, dass das Parlament der Schauspielschule mit ihren maroden Institutsbauten nach Jahren der Planung 33 Millionen Euro für einen zentralen Neubau in Berlin-Mitte zugebilligt hat.

Nun droht sich jedoch fortzusetzen, was eigentlich bereits als überwunden galt: Es werden weiter Gelder ausgegeben, um zusätzliche Standorte zu prüfen. Und das, obwohl durch Gutachten bereits klar ist, dass sich der optimale Standort für den gemeinsamen Campus der Hochschule in der Chausseestraße auf dem Gelände der ehemaligen Opernwerkstätten befindet. Genau für diesen Ort haben sich die Studenten mit aufwändigen Aktionen stark gemacht.

Politische Rolle rückwärts – neue Standortprüfungen

Im letzten Hauptausschuss am 7. November wurde nun überraschend und aus unnachvollziehbaren Gründen der Aufforderung eines Abgeordneten zur Prüfung eines möglichen neuen Standorts in Berlin-Schöneweide stattgegeben. Nun soll untersucht werden, ob der Kauf eines Grundstücks in der Schnellerstraße möglich ist. Hier befindet sich bereits die Abteilung Schauspiel und das entsprechende Grundstück soll Platz für einen Erweiterungsbau bieten.

Diese Idee ist nicht nur ineffektiv, da das Gebäude der Abteilung Schauspiel äußerst marode und asbestverseucht ist und eine Sanierung ungeahnte Kosten mit sich bringen würde, auch ist diese Idee bereits sehr alt. Schon in den 1990er Jahren gab es die Überlegung, das entsprechende Grundstück für die Ernst-Busch-Schule zu kaufen. Zu dieser Zeit befand es sich noch in Bundesbesitz und wäre preiswert zu haben gewesen. Mittlerweile gehört es einem Privatunternehmer und ist dementsprechend teuer.

Zwar bekräftigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am 22. November im Berliner Abgeordnetenhaus, dass die ehemaligen Bühnenwerkstätten an der Chausseestraße "die am schnellsten zu realisierende und die wirtschaftlichste Lösung" seien. Aber dennoch soll auch der Standort Schnelle Straße noch einmal genauer geprüft werden.

Mit der neuerlichen Standortüberprüfung würde sich der Bau erneut um unbestimmte Zeit verzögern. "Angesichts einer solchen politischen Rolle rückwärts kann man doch nur noch von einer Farce sprechen", sagt ein enttäuschter Student der Schule. "Soll nun auf diese Art weiterhin Zeit geschunden und das Geld für Gutachten rausgeworfen werden? Es ist wieder genauso wie vor unseren Protesten."

Weitere Studentenproteste nicht ausgeschlossen

"Das kann doch nicht sein", sagt auch Prof. Dr. Wolfgang Engler, der Rektor der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst. Nach den langen und medienwirksamen Protesten im Mai habe sich räumlich gar nichts verändert. "Wir studieren und lehren immer noch in getrennten Quartieren, doch wir harren aus, weil wir hoffen - und zwar mit einiger Ungeduld - dass der Protest im Mai politisch ernst genommen wird und weitere Spielchen mit der Zukunft der Studenten unterbleiben."

Doch der Senat lässt lieber weiterhin die Kosten für die Bauplanung steigen. Allein bis zum Frühjahr 2012 lagen die Ausgaben für Standortprüfungen und den Architekturwettbewerb bereits bei rund vier Millionen Euro. Dieses Geld könnte die Schule gut gebrauchen, um endlich aus ihren baufälligen und in ganz Berlin verstreuten Institutsgebäuden in einen zentralen Neubau zu ziehen. Hier sollen endlich alle Fachrichtungen gut vernetzt unter einem Dach arbeiten. Eigentlich etwas ganz Normales für eine derart renommierte Hochschule.

Die Ernst-Busch-Studenten erwarten ja nichts Unmögliches, sie hoffen nur auf "eine sachlich begründete Entscheidung der politisch Verantwortlichen Berlins im Interesse der baldigen Überwindung der tagtäglichen Erschwernisse ihres Studiums", sagt Rektor Engler. Zur Not würden sie ihren Streik wiederholen, vor allem wenn der nächste Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses am 12. Dezember keine klare Aussage zugunsten der umgehenden Weiterarbeit am Projekt Campus Chausseestraße treffe. "Ich fürchte, manchen Politikern im Abgeordnetenhaus ist noch immer nicht bewusst, welchen Schaden sie bei jungen Leuten mit ihrem Taktieren anrichten."

Größe Enttäuschung und ein offenes Ende

"Ich bin echt enttäuscht", sagt Max, ein Regiestudent. "Ich war stark an der Organisation der Proteste im Mai beteiligt und war irgendwie richtig beeindruckt davon, was wir alles auf die Beine gestellt haben. Am Ende haben wir uns so viel mit dem politischen Kulturapparat beschäftigt, dass viele von uns überlegt haben, später selbst in die Politik zu gehen. Jetzt bin ich mehr als desillusioniert, ich bin einfach sauer."

Es hat den Anschein, als würde sich Sabine Bangerts Aussage von der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion zum Beschluss des Abgeordnetenhauses am 10. Mai bewahrheiten: Der Beschluss der SPD-Fraktion habe viel zu viel offen gelassen, als dass er der Ernst-Busch-Hochschule eine echte Perspektive für ihren Campus in der Chausseestraße biete.

Am Ende ist nun wieder alles offen. Immerhin ist der Bund nun im letzten Haushaltsausschuss für die Ernst-Busch-Schule in die Bresche gesprungen und hat zugesagt, sich mit 850.000 Euro am Neubau zu beteiligen.

Beitrag von Claudia Gerth