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Katja Lucker (Foto © Ralf Schuster / radioeins)

"Musicboard" soll Pop voranbringen

Katja Lucker wird Berlins erste Musikbeauftragte

Ab Januar 2013 wird Katja Lucker das geplante "Musicboard" aufbauen - eine Anlaufstelle für alle, die sich im Pop- und Rockmusikbusiness bewegen. Es soll für eine gute Infrastruktur zu fairen Bedingungen sorgen und die Zusammenarbeit zwischen Musikwirtschaft und Berliner Verwaltung verbessern.

Noch ist sie auf der Suche nach Büroräumen, am liebsten in Kreuzberg oder Neukölln. Doch selbst wenn es bis zum 1. Januar nicht klappen sollte, Katja Lucker braucht für ihren neuen Job eigentlich nicht viel mehr als ihr Handy. Kommunizieren, mit möglichst vielen Akteuren ins Gespräch kommen, Probleme und Ideen aufnehmen - das ist das A und O der ersten Musikbeauftragten Berlins.

Fachlich kompetent, leidenschaftlich und gut vernetzt

Katja Lucker hat sich in den letzten Jahren als selbständige Kulturmanagerin einen Namen in der Szene gemacht. Sie war an der Leitung der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg beteiligt und hat das Programm des dort angesiedelten Kesselhaus und des Karnevals der Kulturen verantwortet. Lucker mischte bei der Popkomm mit, hat die Clubcommission mit aufgebaut, ist Mitglied in Jurys der Berliner Musikförderung und hat das Bühnenprogramm für das Hoffest des Regierenden Bürgermeisters im Roten Rathaus organisiert.

So bescheinigt ihr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auch, dass sie "lange genug bewiesen hat, dass sie die Richtige ist". Sie sei eine Frau "mit Leidenschaft, fachlicher Kompetenz und den richtigen Kontakten in der Branche", so Wowereit weiter. Katja Lucker selbst findet, dass die Chancen nie so gut standen wie jetzt, "Musikförderung neu zu denken und Partner dafür zu finden". Dafür steht ihr eine Million Euro pro Jahr zur Verfügung, inklusive Personal- und Bürokosten. Diese Summe kommt zu den bereits bestehenden Förderprogrammen, wie die im Kulturetat ausgewiesen 300.000 Euro für populäre Musik, hinzu.

Kleiner Etat für große Ziele

Mit der Einrichtung des "Musicboard" werden drei Ziele angesteuert:

  1. Popmusiker zu unterstützen, indem das "Musicboard" professionelle Künstler an die richtigen Ansprechpartner in Verwaltung und Musikwirtschaft vermittelt und Transparenz der bestehenden Förderstrukturen herstellt.

  2. Die Berliner Musikinfrastruktur zu verbessern, indem das bestehende Angebot an Proberäumen, Studios und Technik, Auftrittsmöglichkeiten und Toursupport analysiert, aber nicht finanziert wird. Zur Aufbesserung der Finanzen sollen Kooperationspartner gefunden werden.

  3. Den Berliner Standort für Pop- und Rockmusik zu stärken, indem das Standortmarketing gemeinsam mit der Wirtschaftsverwaltung, dem Medienboard, BerlinPartner und visitBerlin erweitert wird.

Nachwuchsförderung ja, Einzelkünstlerförderung nein

"Wir werden in innovative Projekte investieren, durch die sich positive Effekte für die Popmusikszene und -wirtschaft insgesamt ergeben", verkündete Klaus Wowereit. Die Aussicht auf Geld hat bereits einige Musiker bewogen, Katja Lucker um Unterstützung zu bitten.

Doch eine Einzelkünstlerförderung wird es nicht geben: "Dafür ist eine Millionen Euro dann doch zu wenig Geld", sagt Katja Lucker. Es werde mehr darum gehen, "innovative Konzepte umzusetzen. Ich sehe das Musicboard als Potenzialentfalter."

Deshalb hat für Lucker die Nachwuchsförderung 2013 Priorität. Dem Nachwuchs will sie helfen, geeignete Proberäume oder Partner für gemeinsame Projekte zu finden, die Fördersystematik zu verstehen sowie Angebote für Aus- und Fortbildung zu vermitteln.

Lärmbelästigung durch Popmusik und Konzertbesucher

Streitschlichten dürfte ebenfalls zum Aufgaben-Portfolio der neuen Musikbeauftragten gehören. Stichwort: Lärmbelästigung. Immer mehr Berliner Clubs sehen ihren Betrieb durch Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft gefährdet. Alteingesessene Clubs wie das Magnet und das Knaack in Prenzlauer Berg mussten deshalb bereits schließen, auch der Betrieb in der Kulturbrauerei wird durch Anwohnerklagen bedroht.

Die Betreiber der Kalkscheune hinter dem Friedrichstadtpalast schauen mit Sorge auf den Neubau von Luxus-Wohnungen nebenan. Nachdem sie sich mit dem Bauherren nicht einigen konnten, haben sie gerichtlich durchgesetzt, dass das Gebiet als Kernmischgebiet eingestuft wird. Somit unterliegt die Gegend einem weniger strengen Lärmgrenzwert. "Dem Thema werde ich mich nicht verschließen", meint Katja Lucker. Sie sei bereits in Gesprächen mit Betroffenen, noch bevor sie ihr Amt offiziell angetreten habe.

Breit diskutiertes Konzept

Das Konzept des "Musicboard" ist ein Gemeinschaftswerk der Senatskanzlei und mehr als 300 Vertretern der Musikbranche. Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, hatte im März 2012 zu einem dreiteiligen Dialog geladen. Im April und Mai kamen öffentliche Anhörungen hinzu. Katja Lucker hat gemeinsam mit Tim Renner (Motor Entertaiment) schon damals die Diskussionsprozesse moderiert.

Der Senat beschloss im Oktober "die neuartige Fördersystematik für die Popmusik". Für Kenner der Szene war es somit keine wirklich große Überraschung mehr, als Klaus Wowereit im Dezember die Personalie Lucker verkündete.


Ilona Marenbach

Stand vom 27.12.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 27.12.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/musik/themen/katja_lucker_musikbeauftragte.html

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