Pressebild zu "Unter Drei" im Ballhaus Ost (Foto: Marcus Lieberenz)
Kurz-Check: "Unter Drei" -
Wir wollen die Nazis sehen
Darf man das Thema Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auf unterhaltsame Weise auf die Bühne bringen? Ja, findet Karin Losert, wenn es so entlarvend geschieht wie im Stück "Unter Drei" von Olivia Wenzel und Mareike Mikat, das im Ballhaus Ost Premiere feierte.
Bewertung
Das Thema
Sagen Ihnen die Namen Halit Yozgat, Mehmet Turgut oder Theodoros Boulgarides was? Nicht unbedingt? Aber Sie wissen natürlich, wer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sind. Sie wissen, wie die drei, die als "NSU-Trio" Schlagzeilen machten, lebten (unauffällig und Nachbarn gegenüber hilfsbereit), wo sie ihre Ferien verbrachten (im Caravan auf Fehmann) und wie ihre beiden Katzen hießen (Heidi und Lilly). Und vielleicht grübeln sie noch immer insgeheim darüber nach, wer von den dreien da eigentlich mit wem ins Bett ging? Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben: Eine Frau und zwei Männer, die über Jahre hinweg im Untergrund lebten - das regt nun mal die Fantasie an. Auf jeden Fall mehr als die Vorstellung, wie es den Familien der Opfer in all den Jahren voller Ermittlungspannen, falschen Verdächtigungen und halbherzigen Beileidsbekundungen ergangen sein mag. "Sie wollen die Nazis sehen", heißt es an einer Stelle im Stück. Und das ist es, was sie an dem Abend im Ballhaus Ost erwartet: ein halb fiktiver, halb dokumentarischer Blick auf das Innenleben der Terrorzelle.
Die Inszenierung
Nach dem Bekanntwerden der mörderischen Verbrechen machte sich alle Welt auf die Suche nach der Wahrheit - Justiz, Journalisten, Polizei und Politik. Aber was ist in diesem Fall die Wahrheit und will man überhaupt, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt? Das was wir täglich in den Medien zum Nationalsozialistischen Untergrund vorgesetzt bekommen, sind Fetzen einer aufbereiteten Wahrheit, "mundgerecht und konsumierbar, aber ohne Nährwert". Regisseurin Mareike Mikat bedient sich aus diesem riesigen Topf an scheinbar unerschöpflichen Fakten und bildet daraus ein mal banales, mal ungeheuerliches Kaleidoskop, das noch einmal deutlich macht, was die Gesellschaft und die Medien an diesem Fall so interessiert - und vor allem auch was nicht.
Die Darsteller
Wie verkörpert man am besten ein Terror-Trio? Um von vornherein Vergleiche mit toten und noch lebenden Personen auszuschließen, hat man die Geschlechter in der Rollenbesetzung einfach ausgetauscht. Andrej Kaminsky spielt Beate Zschäpe, die im Stück als treusorgende Seele ins Zentrum des Trios gerückt wird. Um sie/ihn herum agieren Eva Bay und Gina Henkel als eher stereotyp gezeichnete Nazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Zwischenzeitlich schlüpfen letztere auch in die Rollen der Opfer, rotgeschminkte Einschusslöcher prangern den ganzen Abend über unübersehbar auf ihrer Stirn. Aus dem Jenseits kommentieren sie die aktuelle Situation, in diesem Fall nur als Schatten hinter einer Leinwand. Die Getöteten bleiben unsichtbar, die Täter sind es, die im Mittelpunkt stehen.
Das Bühnenbild
Wir befinden uns in der Wohnung des Terror-Trios. Im langgezogenen Dachgeschoss des Ballhaus Ost befindet sich auf der einen Seite das Wohnzimmer mit der Ledercouch, auf der anderen Seite liegt das Esszimmer. Verbunden sind die beiden "Räume" durch einen Gang, an dem aufgereiht - wie entlang eines Catwalks - die Zuschauer sitzen. Mittendrin ein funktionierender Herd, an dem Andrej alias Beate Kartoffeln bruzzelt. Zentrales Element des Bühnenbilds ist eine Leinwand, auf die immer wieder das bekannte Fahndungsfoto von Zschäpe, Mundlos und Böhnhard, aber auch abwechselnd Bilder der Opfer, Urlaubsimpressionen oder Katzenmotive projiziert werden. Hinter ihr finden auch die oben genannten Schattenspiele statt.
Die Publikumsreaktionen
Die rund 60 Zuschauer hingen zeitweise etwas apathisch in ihren Sitzen. Was allerdings weniger an der Inszenierung als an den gefühlten 40 Grad lag, denen man in der stickigen Dachgeschossbühne ausgesetzt war. Die Aufführung sorgte trotz des ernsten Themas für Heiterkeit im Publikum, am Ende gab es verdienterweise langanhaltenden Applaus.
Der Spaßfaktor
Eigentlich ist das ganze Phänomen NSU nun wirklich nicht zum Lachen. Zu grausam die Verbrechen, nicht zu fassen die zahlreichen Ermittlungspannen von Justiz und Polizei, kaum erträglich die Schicksale der Opfer und ihrer Familien. Und doch schafft es Regisseurin Meike Mikat basierend auf dem Text "Weißes Mädchen, warme Pistole" den Umgang unserer Gesellschaft und der Medien mit dem Thema in all seiner Groteskheit äußerst unterhaltsam auf die Bühne zu bringen. Dabei ist das Stück vor allem eins: ungeheuer entlarvend.
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Am 17. April hatte Robert Wilsons Inszenierung von "Peter Pan" mit der Musik der Schwestern CocoRosie am Berliner Ensemble Premiere. Leider schon zurück aus dem Neverland schildert Gunnar Krüger seine Eindrücke.
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Ein Alien jagt ein Mädchen, ein junger Mann masturbiert sich in die Zukunft und eine Jugendliche durchrast ein Wurmloch. Dazwischen wird gesungen, gehofft und übersprühend gelacht. Am 11. April hatte am Deutschen Theater in Berlin "2035 oder Mit 40 eröffne ich ein Hotel auf dem Mond" Premiere. Jörg Albinsky hat sich mit dem Jungen DT ins Jahr 2035 beamen lassen.
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Keyserlings Roman "Wellen" von 1911 ist über hundert Jahre später auf der Bühne gelandet. Geistreiche Angelegenheit, findet Gunnar Krüger. Ihn hat das Auf und Ab bei der Potsdamer Premiere am 22. März bestens unterhalten.
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Drei sehr unterschiedliche Miniaturen sind im Maxim Gorki Theater zu einem Teil des Abschluss-Spektakels verwoben worden. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und war mal irritiert, mal prächtig amüsiert.
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Marius von Mayenburg hat Shakespeares Komödienklassiker "Viel Lärm und Nichts" mit Horror-Trash und Screwballkomödie gekreuzt. Das grelle Ergebnis seiner Arbeit gab es jetzt an der Berliner Schaubühne zu bestaunen. Fabian Wallmeier haben an der Premiere nur ein paar Bremsklötze gestört.
Am Samstag, den 10. August eröffnete die Schaubühne die neue Spielsaison im Müggelwald, 30 Kilometer von der eigentlichen Spielfläche entfernt. Ilona Marenbach hat sich mit Taschenlampe bewaffnet ins Unterholz begeben.
Falk Richter hat sein größenwahnsinnig anmutendes Projekt "For the Disconnected Child" uraufgeführt. Fabian Wallmeier ist im Anschluss an die Kooperation von Schaubühne und Staatsoper beglückt, beseelt und inspiriert auf den Kudamm getorkelt.
Philipp Stölzls Basler Inszenierung von Wagners "Der Fliegende Holländer" ist in Berlin angekommen. Ilona Marenbach hat die Premiere in der Staatsoper im Schiller Theater gesehen - und war vor allem vom Bühnenbild begeistert.
Herbert Fritsch hat wieder zugeschlagen. Der Meister des Bühnen-Gaga bezeichnet sein neues Stück an der Volksbühne als Oper. Doch anstatt neue Akzente zu setzen, wiederholt er das erfolgreiche Slapstick-Konzept seines Ein-Wort-Stücks "Murmel Murmel" - und schnallt sich am Ende nicht ganz zu Unrecht ein Brett vor den Kopf. Von Fabian Wallmeier
Eine der blutigsten Shakespeare-Tragödien - und eine der verworrensten: Auf der Probebühne der Berliner Volksbühne hat Sebastian Klink mit Schauspielstudenten "Titus Andronicus" inszeniert - und ist damit gescheitert. Statt einer klaren Linie gibt es ein ermüdendes Hin und Her zwischen Ernsthaftigkeit und Farce. Von Fabian Wallmeier
René Pollesch hat sich an der Volksbühne Balzacs Roman "Glanz und Elend der Kurtisanen" vorgenommen - und nicht viel davon übrig gelassen. Statt dessen lässt er seine fünf Schauspieler über Fiktion und Authentizität sinnieren und den Verlust des "Glanzes der Öffentlichkeit" lamentieren. Fabian Wallmeier über eine etwas widersprüchliche Premiere, die aber große Kraft aus ihrem sensationellen Hauptdarsteller zieht.
Ein Haufen Ideen, die sich wie bei einer Fuge ineinander verdrillen: Am 23. Mai hatte René Polleschs "Der General" an der Volksbühne Premiere. Jörg Albinsky über sehr viel Adorno, wenig Theater und einen Panzer als Brummkreisel im leeren Raum.
Johann Kresnik ist zurück an der Volksbühne. In "Villa Verdi" wehren sich die Bewohner eines Altenheims für Bühnenstars gegen die Schließung des Hauses. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und hat eine für Kresniks Verhältnisse sehr betuliche Nummernrevue gesehen.
Die Mediensatire von Sam Peter Jackson liegt weit unter ihren Möglichkeiten. Dem konnte auch die betuliche Inszenierung des Schlosspark Theaters wenig entgegensetzen. So gerät das Stück stellenweise zu einem freundlichen Schlagaustausch zweier älterer Herren. Hier fehlte das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Amüsieren kann man sich trotzdem. Von Ula Brunner
Reicht Tanz als Mittel zum politischen Protest aus? Dieser Frage nähern sich Choreograph Christoph Winkler und seine vier Tänzer mit einem sehr unterhaltsamen Abend im Ballhaus Ost, der mündliche Debatten mit körperlichem Ausdruck verbindet und nur gegen Ende etwas beliebig wird. Von Fabian Wallmeier
Japan hat sich nach der Erdbebenkatastrophe von 2011 verändert. Der Autor und Regisseur Toshiki Okada verknüpft den Seelenzustand einer erschütterten Gesellschaft mit seiner minmalistischen Vorstellung von Musiktheater. Jetzt hat seine internationale Koproduktion im Berliner HAU2 Deutschland-Premiere gefeiert. Harte Kost, die aber atmosphärisch eindrucksvoll inszeniert - und an manchen Stellen überraschend einfach gestrickt ist. Von Fabian Wallmeier
Fünf Schwarze teilen sich eine WG. Fünf Menschen, die zwar höchst verschieden sind, aber eine Erfahrung teilen: die Schwierigkeit, Deutsche mit schwarzer Hautfarbe zu sein. Doch dann ist plötzlich einer von ihnen tot. Die Uraufführung von Elizabeth Blonzens Stück im Ballhaus Naunynstraße hat zwar deutliche Schwächen, bietet aber spannende Einblicke. Von Fabian Wallmeier
Was passiert, wenn ein alter 68er ein sehr alter 68er wird und nicht mehr gut allein leben kann? Er gründet eine Kommune. Das Grips-Theater erzählt in einem rasanten "Schauspiel mit Musik" von einer generationenübergreifenden WG - und stolpert dabei etwas abrupt dem Ende entgegen. Von Fabian Wallmeier
Präsidenten tun es, fehlbare Sportler-Ikonen und am häufigsten gefallene C-Promis – sich öffentlichkeitswirksam zu entschuldigen. Für die unbeabsichtigt Erschossenen, den Seitensprung oder den verbalen Fauxpas. Eine Produktion in den Sophiensälen über epochale Gesten, reuige Sünder und Heucheleien, dass sich die Balken biegen. Von Jörg Albinsky
Es ist ja oft vom versteckten Humor in den Texten von Franz Kafka die Rede. Bei der Umdeutung seiner "Verwandlung" im Heimathafen Neukölln kann von versteckt keine Rede mehr sein: Mit Hilfe von deftigem Trash wird hier der über Nacht zum Käfer mutierte Gregor Samsa zum Sozialschmarotzer. Am Mittwoch hat die grundsympathische Inszenierung Premiere gefeiert. Von Fabian Wallmeier
Am Donnerstag, den 23. August feierte "Ich, Gunter Gabriel" im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Franziska Weigelt war der Deutsch-Country-Sänger Gabriel nicht bekannt, bevor sie sich ins Publikum setzte. Sie erlebte einen befremdenden Theaterabend.
Darf man das Thema Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auf unterhaltsame Weise auf die Bühne bringen? Ja, findet Karin Losert, wenn es so entlarvend geschieht wie im Stück "Unter Drei" von Olivia Wenzel und Mareike Mikat, das im Ballhaus Ost Premiere feierte.
Sollte man "Gefährliche Liebschaften" im Stil eines Theaterstadls inszenieren? Nein, findet Fabian Wallmeier. Er war bei der Premiere in der Komödie am Kurfürstendamm dabei - und hat einen quälenden Abend hinter sich.
In "AIRossini" wird Rossinis Oper "Il viaggio a Reims" auf das Debakel um den BER-Flughafen umgemünzt. Am 6. Juni 2013 wurde die Fassung in der Neuköllner Oper uraufgeführt. Jörg Albinsky kam als Mitläufer und ging als Revolutionär.
Nicht nur der Titel ist verzwickt: In Carlos Manuels "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" ist Mitdenken angesagt. Friederike Steinberg hat bei der Premiere im Theater an der Parkaue mitgeknobelt.
Ein langjähriges Ehepaar bekommt Besuch von einem anderen Paar. So weit, so unspektakulär. Doch das Ehepaar in spe sorgt für diverse Enthüllungen. Am 14. April hatte in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin "Paarungen" von Eric Assous Premiere. Sabine Prieß war dabei, als auf der Bühne schmutzige Wäsche gewaschen wurde.
Rund 20 Darsteller erwecken Döblins "Berlin Alexanderplatz" im Theater an der Parkaue zum Leben. Franziska Weigelt war von der turbulenten Premiere am 12. April hingerissen.
Anno Sauls Filmadaption am Berliner Grips-Theater ist gedacht für Jugendliche ab 15 Jahren. Gunnar Krüger, deutlich älter, war bei der Premiere am 2. Februar dabei - und fragt sich, ob die diese "Kebab Connection" wirklich cool finden werden.