Matthias Neukirch, Christoph Franken und Peter Jordan in "Wolf unter Wölfen" am Deutschen Theater (Quelle: imago)

Kurz-Check: "Wolf unter Wölfen" - Roggen-Getreide als Spekulationsware

Am 19. April hat am Deutschen Theater eine Bühnenfassung von Hans Falladas "Wolf unter Wölfen" Premiere gefeiert. Sabine Prieß war dabei - und ist hellauf begeistert von der taufrischen Bearbeitung des Stoffes.

Das Thema

Deutschland, genauer gesagt Berlin, 1923. Der Krieg ist längst vorbei, zu beißen gibt es nichts. Die Wirtschaft liegt am Boden. Hyperinflation. Münzgeld ist ausgestorben. Schon eine Tasse Kaffee kostet 5.000 Mark. Der junge Wolfgang, Soldat a.D., und seine Verlobte Petra, eine ehemalige Prostituierte, wollen heiraten. Doch Wolf verspielt jede Mark, die er in die Finger bekommt. Als selbst die Miete nicht mehr bezahlt werden kann, wird die Verlobte - schwanger wie sie ist - ins Zuchthaus gesteckt; der Ehemann in spe macht sich aus dem Staub. Denn zufällig trifft er auf seine ehemaligen Vorgesetzten aus Kriegstagen, den Rittmeister a.D., Joachim von Prackwitz, und Oberleutnant a.D. Studmann. Ihnen folgt er auf das Landgut von Prackwitz'. Dort sollen die Luft reiner und die Sitten besser sein - außerdem lockt das Geld. Doch auch hier ist nicht alles so wie es scheint und der Verfall bringt den jungen Pagel zum Umdenken, schließlich zur Rückkehr in die große Stadt und zurück in die Arme der Geliebten.

Die Inszenierung

Das Stück selbst, von Hans Fallada 1937 geschrieben, hat nichts an Aktualität verloren und wirkt in der Bühnenbearbeitung von John von Düffel und unter der Regie von Roger Vontobel tatsächlich taufrisch. Da wird der Preis von Roggen-Getreide zur Spekulationsware und wer sich nicht vorsieht, versinkt im Präkariat. Es regnet zwar Geldscheine vom Bühnenhimmel und hin und wieder wird geschossen, doch ohne ganz große Showeffekte gelingt es den Schauspielern samt Musikband, durchgängig großes Kino zu erzeugen.

Die Darsteller

Fürs Erste bleiben Wolf (Ole Lagerpusch) und Petra (Meike Droste), die ja die Hauptfiguren in Falladas Romanvorlage sind, unauffällig. Kleine Leute eben. Erst durch die moralische Wandlung, ihre Trennung und die vielfältigen Wendungen, die sie in ihrem Leben erfahren müssen, verlassen sie ihre blasse Präsenz und fangen an zu leuchten. Peter Jordan als Rittmeister von Prackwitz, Matthias Neukirch als Studmann und Katharina Marie Schubert, die in gleich vier starken Frauenrollen zu erleben ist, tun dies von Beginn an. Ihre Charaktere, zum Scheitern verurteilte Figuren, stürzen mit viel, aber nicht zu viel, Getöse ab. Beeindruckend in all seiner Körperlichkeit und seiner in jeder Hinsicht an den Sänger Meat Loaf erinnernden Darbietung ist auch Christoph Franken, der unter anderem als Groupier zu sehen ist.

Die Musik

Eine Live-Band, die stets Teil des Bühnenbildes ist, gibt vielen der Szenen Akzente. Die Musiker zeigen die große breite Bandbreite ihres Könnens, von sanften Tönen bis Bombastrock wird ihnen alles abverlangt. Auch die Schauspieler, allen voran Katharina Marie Schubert, wissen Gesangseinlagen stimmig einzusetzen.

Das Bühnenbild

Eine sowohl an ein an antikes römisches Theater als auch an eine Half-Pipe für Skater erinnernde dreh- und durchsehbare Bühne bestimmt das Bühnenbild. In der Mitte mitunter ein improvisiertes Bett, das in Würfel zerfetzt auch danach noch zur Geltung kommt, oder auch gelbe Papierfetzen, ein Roggenfeld simulierend, deuten die Situationen an, und werden vom Gehirn des Zuschauers perfektioniert. Schlichte, aber wirkungsvolle Kostüme vervollkommnen das Bild zusätzlich.

Die Publikumsreaktionen

Als auf dem Landgut nackt und mit Wasserfontänen gebadet wird, ertönt es nicht ganz unbeeindruckt aus dem Publikum: "Man kommt sich ja vor wie an der Volksbühne". Stimmt, hier wird nicht gezaudert und es ist nicht zuletzt dadurch eine Inszenierung, die es schafft, das Jahr 1923 als Parallelwelt zu 2013 auferstehen zu lassen.

Der Spaßfaktor

Großer, wenn auch nicht wirklich überschwänglicher, Applaus spricht dafür, dass nicht allen DT-Besuchern das Stück so ausnehmend gut gefiel wie der Rezensentin. Die jedoch kam voll auf ihre Kosten.

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