
Kurz-Check: "Kebab Connection" - Hektik auf der Bühne ersetzt filmisches Tempo
Anno Sauls Filmadaption am Berliner Grips-Theater ist gedacht für Jugendliche ab 15 Jahren. Gunnar Krüger, deutlich älter, war bei der Premiere am 2. Februar dabei - und fragt sich, ob die diese "Kebab Connection" wirklich cool finden werden.
Das Thema
Boy meets Girl, Girl wird schwanger, Boy ist Berliner Türke, Girl Berliner Berlinerin. Culture Clash. Problem. Boy namens Ibo und Girl namens Titzi sind obendrein, wen wundert's, erst auf dem Weg ins Leben: Ibo als Regisseur mit Ambitionen auf den ersten deutschen KungFu-Film, der seine Sporen vorerst noch als Werbefilmer für die Dönerbude seines Onkel verdient. Titzi als begabte Nachwuchsschauspielerin, die für die Aufnahme an der Schauspielschule die Rolle der Julia büffelt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Titzi will das Kind und die Karriere, Ibo fliegt zu Hause raus und hadert mit der kommenden Rolle als Vater. Freunde, Verwandte und Bekannte liefern Rat und Tat, Ibo und Titzi sich eine emotionale Achterbahnfahrt nach der anderen. Doch am Ende tanzen alle auf der Hochzeit der beiden. Selbst der Grieche von gegenüber.
Die Inszenierung
Anno Saul, eigentlich Filmregisseur, adaptiert hier seinen Kinoerfolg von 2005 fürs Theater und das geht insgesamt ganz gut. Kluge Einfälle, wie die ironisierte Darstellung von Martial Arts Szenen oder Slowmotion, werden indes durch so manches Klischee wieder entwertet: Türkische Väter schieben keine Kinderwagen und gehorchen dem Imam, Türken an sich mögen keine Griechen und Jungs kiffen erstmal, wenn sie sich in schweren Zeiten beistehen. Till Schweiger lässt grüßen. Man fragt sich, ob das Jugendliche über 15 tatsächlich hinter dem Ofen hervorlocken wird. Zudem verwechselt Saul bisweilen filmisches Tempo mit einer Hektik, die der Bühne den Atem nimmt. Das man das Stück dennoch empfehlen kann, liegt an den klugen Einfällen, siehe oben.
Die Darsteller
Das Grips lebt vom Ensemble und nicht von den Einzeldarstellern. Oder doch? Die Darsteller von Boy und Girl, Robert Neumann und Nina Reithmeier, sind mehr als glaubhaft, witzig, funkenreich und voller Energie. Das gilt auch für das gesamte Ensemble. Wie immer spielen (fast) alle mehrere Rollen, und das erzeugt diesen ganz eigenen Charme, der Generationen fasziniert. Mit wenig Ausstattung auskommen, sich ganz auf seinen Körper verlassen, die Stimme, die Leidenschaft - das funktioniert auch an diesem Abend. A propos Körper: die Martial Arts Elemente sind sehenswert. Und so summt und brummt das Grips-Ensemble und zeigt, wie das (immer noch) gehen kann: Theater für junge Leute.
Die Musik
Es wird zwar fast nicht gesungen in diesem Stück, die Musik verdient aber dennoch ein lobendes Wort. Mit pointiert gesetzten Zitaten aus vielerlei Kulturen illustriert, ironisiert und intoniert eine Drei-Mann-Kapelle die Handlung und ist somit integraler Bestandteil des Spielflusses.
Das Bühnenbild
Sparsam, Berlin-Neukölln, Moabit oder Wedding, Grips eben.
Die Publikumsreaktionen
Dem Premierenpublikum hat's gefallen. Lange anhaltender Applaus und begeistertes Gejohle. Die angepeilte Altersgruppe der Jugendlichen ab 15 war indes nur punktuell vertreten. Bleibt abzuwarten, wie die das Stück annehmen. Hingehen, eigene Meinung bilden.
Der Spaßfaktor
Leicht gebremst. Es gibt wirklich lustige Szenen und Dialoge. Aber auch Vieles, das wenig überrascht und mitnimmt. Unterhaltsam, aber nicht durchgängig. Manchmal klug, oft aber klamaukig.















































