
Kurz-Check: "Der Seiltänzer" und zwei andere Miniaturen - Genet im Tutu, Baudrillard im Labor, Kollegen im Abschiedsstress
Drei sehr unterschiedliche Miniaturen sind im Maxim Gorki Theater zu einem Teil des Abschluss-Spektakels verwoben worden. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und war mal irritiert, mal prächtig amüsiert.
Das Thema
Die Inszenierung
In "Warum ist nicht alles schon verschwunden?" (Regie: Sebastian Hartmann) macht Andreas Leupold ein Foto vom Publikum. Anschließend macht er sich an die verschiedenen Schritte, die für die Entwicklung nötig sind. Minutenlang schüttelt er langsam einen Becher mit einer Flüssigkeit, gießt den Inhalt in einen Bottich, geht wieder schütteln - und am Ende hängt das trocknende Schwarz-Weiß-Foto an einer Leine. Die knapp halbstündige Szene bei spärlichem Dunkelkammerlicht kommt ohne ein einziges Wort aus. Was diese in ihrer Zähigkeit provozierende, und dennoch nicht langweilende Szene soll, kann man erahnen, für Klarheit sorgt aber erst der Blick in die Programmankündigung: Bei dem Mann handelt es sich um den Philosophen und Hobbyfotografen Jean Baudrillard, für den der Prozess von der Fotoaufnahme bis zur fertigen Fotografie "eine Art Aufstand gegen das Verschwinden in der digitalen Beliebigkeit" war.
Der dritte, von Hausregisseurein Jorinde Dröse inszenierte Teil, "I ♥ Aufstand", ist mit einer knappen Dreivierstelstunde nicht nur deutlich der längste, sondern auch der mit Abstand am leichtesten konsumierbare. Die Schauspieler Roland Kukulies und Sabine Waibel spielen sich selbst. Sie treten am Ende der Intendanz von Armin Petras an das Publikum heran um sich zu verabschieden. Eigentlich wollen sie ihre liebsten gemeinsamen Szenen der vergangenen Jahre spielen - aus "Sein oder Nichtsein" oder "Ein Volksfeind" etwa. Doch sie versteigen sich in Kommentaren zum fehlenden Bühnenbild und den schon eingemotteten Originalkostümen - und vor allem in Zwistigkeiten. Wer verdient mehr Geld? Wessen Name wird zuerst genannt? Der pointierte Schlagabtausch macht großen Spaß - und setzt nach den beiden schwierigeren Teilen einen unerwartet leichten Schlusspunkt.
Die Darsteller
Das Bühnenbild
Die Publikumsreaktionen
Der Spaßfaktor
Großen Spaß machen der komplexe lyrische erste Teil und der karge zweite natürlich nicht. Aber auch wer Spaß für das Maß aller Dinge beim Theaterbesuch hält, wird nicht enttäuscht: Der dritte Teil ist wirklich hochkomisch. Wer den Abend noch sehen will, muss sich allerdings beeilen: Er ist nur noch zweimal zu sehen: am 14. und am 15. Juni. Dann verschwindet er für immer vom Spielplan. Intendant Armin Petras verlässt Berlin in Richtung Stuttgart - und auch ansonsten wird personell am Gorki Theater kaum etwas sein wie es war.























































