
Kurz-Check: "Wellen" - Sommergeschichte mit geistreichen Brechungen
Keyserlings Roman "Wellen" von 1911 ist über hundert Jahre später auf der Bühne gelandet. Geistreiche Angelegenheit, findet Gunnar Krüger. Ihn hat das Auf und Ab bei der Potsdamer Premiere am 22. März bestens unterhalten.
Das Thema
Keyserlings Sommergeschichte mit psychologischem Tiefgang berichtet von der Gräfin Doralice, die ihrem Grafen mit dem Maler Hans Grill an die Ostsee durchgebrannt ist. Hier trifft das Paar auf den Familenclan der von Buttlärs. Dessen anfänglich selbst verordnete Nichtachtung dieser unschicklichen Mesalliance weicht schnell auf: Baron, Sohn, Verlobter der Tochter und die Tochter selbst erliegen dem Charme der schönen Gräfin. Die lässt sich's zunächst gefallen, geht ihr doch der Maler-Geliebte mit bodenständiger Biederkeit auf den gräflichen Sender. Auf dem Geburtstagsfest eines weiteren Sommerfrischlers, dem verkrüppelten Geheimrat Knospelius, lässt Frau Gräfin die Puppen tanzen. Als jedoch echte Dramen sich am Horizont des heiteren Treibens abzeichnen, greift die Familieneminenz in Person der Mutter des Barons, Generalin Palikow, ordnend ein. Man reist ab. Zurück bleiben Gräfin, Geheimrat und Maler, der obendrein beim Ostseeangeln im Sturm ertrinkt. Wellen, Tal und Kamm.
Die Inszenierung
Regisseurin Barbara Bürk lässt sich was einfallen. Romanfragmente werden rund um die Theaterfassung gesprochen, eingespielt, von Darsteller zu Darsteller gereicht, immer wieder neu angeboten. So entsteht ein nahezu filmisches Erleben der Handlung am Ostseestrand. Der ironisch-komische Gehalt des aus dem Roman von 1911 neu entstandenen Stücks wird durch eine gelungene Verzahnung von Musik, Gesang, sparsam eingesetzter Requisite und effektvolle Beleuchtung untermalt. Man lacht und das eben nicht nur wegen des Spiels, sondern gerade wegen dieser geistreichen Brechungen aus der Regie.
Die Darsteller
Ein gut aufgelegtes Ensemble meistert die anspruchsvolle Gesamtpartitur insgesamt bestens. Es wird ja einiges von den Mimen verlangt: Singen, in die eigene Rolle finden, die Rahmentexte sprechen. Das funktioniert, übrigens auch das Timing, das in einer so vielfältig angelegten Inszenierung von essentieller Bedeutung ist. Die Einzelleistungen sind indes unterschiedlich: Rita Feldmeier als Generalin und Christoph Hohmann als Geheimrat geben das Niveau vor. Und die eigentlichen Hauptakteure, Melanie Straub als Gräfin und Hans Grill als Maler kommen leider nicht immer mit. Zu schrill, zu laut bisweilen. Das gilt nicht für Bernd Geiling als hochgestochenen Baron oder Elzemarieke de Vos, die als dramatisierende Tochter engagiert und punktgenau agiert. Auch die Besetzung des nöligen Sohns ist mit Philipp Buder gelungen. Etwas übers Ziel hinaus ist Dennis Herrmann als Leutnant von dem Hamm geschossen, der große Momente in Bewegung und Gesang mit seinen Sprechpassagen nicht immer gebunden bekommt.
Das Bühnenbild
Eine schräg in den Raum ragende Spielfläche, flankiert von Garderobenständern, an denen man den Darstellern beim Umkleiden zusehen kann. Karge aber treffsichere Requisite mit schönen, ironischen Details.
Die Musik
Markus Reschtnefki sei gelobt. Er zeichnet für die treffsichere Musikauswahl verantwortlich und spielt obendrein als Fräulein Malwine Bork den Sidekick der Generalin, wie man heute sagen würde. Zudem perlt sein feines Klavierspiel, zu dem gesungen und getanzt wird, durch die gesamte Inszenierung. Nicht zuletzt seien die hübschen choralen Arrangements, vorgetragen vom Ensemble, erwähnt, die immer wieder für Kurzweil und dramaturgische Wendungen sorgen.
Die Publikumsreaktionen
Lang anhaltender Applaus, was willste mehr? Es ist eine runde Sache, die noch runder werden kann, wenn das Ensemble insgesamt sein Tempo findet und es sich in dem Nest aus Text, Musik und Szene gemütlich macht.
Der Spaßfaktor
Spaß, ein etwas abgestandenes Wort für Vergnügen. Und das hat dieses Stück gemacht. Großes.















































