
Kurz-Check: "Berlin Alexanderplatz" - Mittendrin im Stimmengewirr
Rund 20 Darsteller erwecken Döblins "Berlin Alexanderplatz" im Theater an der Parkaue zum Leben. Franziska Weigelt war von der turbulenten Premiere am 12. April hingerissen.
Das Thema
"Berlin – Erst war es nichts als eine Pfütze, dann wurd‘ es größer über Nacht". - In "Berlin Alexanderplatz" spielt Franz Bieberkopf, der nach einer vierjährigen Haftstrafe ein geregeltes Leben in der Hauptstadt führen möchte, die Hauptrolle. Aber eigentlich ist es die Großstadt, die sein Schicksal und die Handlung des Stücks bestimmt. Die Stadt macht Bieberkopf zum Händler, Vergewaltiger und zum Verbrecher. "Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin war der erste und wohl erfolgreichste deutsche Großstadtroman. Er erzählt vom Berlin der 20er Jahre – von Menschen, die sich fernab traditioneller Muster in Affären stürzen, von Gewalt, Betrug und letztendlich von der Reizüberflutung, mit welcher die Stadt auf den Einzelnen herab prasselt. So steht Bieberkopf für den Einzelnen, der in der Masse seinen Kopf und Willen verliert.
Die Inszenierung
Schon von Anfang an wird klar: Die Dialoge stehen nicht immer in einem Sinnzusammenhang – was dem Montagestil des Romans „Berlin Alexanderplatz“ vollkommen gerecht wird. Der Zuschauer steht mittendrin im Stimmengewirr, das die rund 20 Darsteller produzieren. Dazu verändern die Schauspieler ständig ihre Position. Auch das Publikum bewegt sich während der Aufführung: Insgesamt fünf Mal wechselt es seinen Platz – mal ist es draußen, mal drinnen; mal steht es, mal sitzt es. Das mag verwirrend klingen, ist es aber nur zu Beginn des Stücks. Die 2,5-stündige Aufführung vergeht wie im Flug.
Die Darsteller
Bei der Inszenierung beteiligen sich Darsteller im Alter von 16 bis70 Jahren – die Hauptrollen sind jedoch hauptsächlich von Jungschauspielern besetzt. Die Hauptfigur des Franz Bieberkopfs ist zweifach besetzt: Hasan Tasgin und Arthur Romanowski teilen sich die Rolle. Im Stück wird der Rollenwechsel durch das Überreichen eines schwarzen Sakkos deutlich gemacht. Bis auf wenige Versprecher überzeugen die Schauspieler in ihren Rollen. Ihre Gesangseinlagen beeindrucken weniger durch die gesangliche Qualität, dafür aber umso mehr durch ihren Ausdruck.
Das Bühnenbild
Anstelle einer Bühne gibt es große rollbare Kisten, auf denen die Darsteller stehen und die sie während der Aufführung hin und her- schieben. Ebenso wenig gibt es eine Zuschauertribüne. Zu Beginn sitzen Zuschauer auf Campingstühlen, später auf Sitzkissen. Zwei kurze Pausen verhindern, dass dies zu unbequem wird.
Die Publikumsreaktionen
Manch einem mag das "Chaos" ein wenig zu viel sein. Aber dem Publikum schien es zu gefallen – die Zuschauer klatschten laut und gingen mit fröhlichen Gesichtern aus der Vorstellung.
Der Spaßfaktor
Regisseur Carlos Manuel und Bühnenbildner Fred Pommerehn haben den Roman erfolgreich auf die Bühne gebracht – von den bunten Perücken und den Neonstrumpfhosen bis hin zum humorvoll-animalisch dargestellten Geschlechtsverkehr stimmt einfach alles. Die Dramatik der Handlung mag vielleicht ein kleines Stück verloren gegangen sein. Dafür ist der Unterhaltungswert des Theaterstücks groß. Ein toller Abend ist garantiert!























































