
Kurz-Check: "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" - Alles eine Frage der Perspektive
Nicht nur der Titel ist verzwickt: In Carlos Manuels "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" ist Mitdenken angesagt. Friederike Steinberg hat bei der Premiere im Theater an der Parkaue mitgeknobelt.
Das Thema
Was uns Menschen wie Wirklichkeit erscheint, ist demnach nur ein Bild oder ein Konstrukt in unserem Kopf. Aus Sinnesempfindungen entwickeln wir Vorstellungen und erheben diese zu einer Wahrheit.
Ein Beispiel: Es gilt als wahr, dass die Sonne immer im Westen untergeht. Doch gibt es einen Nachweis, dass sie auch morgen im Westen untergeht? Haben wir nicht eigentlich nur bisher die visuelle Erfahrung gesammelt, dass mehrfach ein heller Himmelskörper aus einer bestimmten Richtung leuchtete?
Foerster sieht in scheinbar logischen Erklärungen nur von uns eigenmächtig verknüpfte Erfahrungsbilder: Es wird etwas erzeugt, was nicht wirklich da sein muss. Und diese neue gedankliche Dimension will das Stück im Theater an der Parkaue vermitteln.
Die Inszenierung
Doch der Regisseur überrennt die Zuschauer nicht, das Stück nimmt erst nach und nach an Fahrt auf. Die Eröffnung übernimmt Bernhard (Franziska Ritter) - ein lustiges Männchen, ganz im Hier und Jetzt, das den Theatergästen die Hand schüttelt und über Alltägliches schwadroniert.
Den Gegenpart übernimmt der bald hinzukommende Skeptiker Heinz (Denis Pöpping). Dazu gesellen sich nach und nach Heinz Nummer 2 (Helmut Geffke) und ein namenloses Ich (Franziska Krol).
Ihr Gespräch offenbart schon bald das ganze Dilemma: Bernhard will nicht wahrhaben, dass es nichts Echtes im Leben gibt. Doch Heinz widerlegt, bringt Beispiele über Beispiele: Es wird gerechnet, Möbel werden gerückt und Tassen begutachtet.
Der Regisseur hat seine Sache gut gemacht. Er visualisiert eindrucksvoll, dass alles eine Sache der Perspektive ist und es keine bleibende Wirklichkeit gibt. Anschaulich schafft er es, die trockene Theorie zum Leben zu erwecken.
Die Theorie ganz zu verbannen, gelingt Manuel leider nicht: Phasenweise fallen viele Fremdwörter, Bernhard und die Heinze werfen mit "Konstrukt", "Objekt" und "Stabilität" um sich, teils sogar in schnellem Wortwechsel. Hier hängt der Zuschauer ab, und besonders für jüngere wird es schwer verständlich. Das ist unglücklich, denn das Stück richtet sich laut Theater auch an Jugendliche ab 11 Jahren.
Doch die Entschädigung lässt nicht lange auf sich warten: Immer wieder gibt es lustige Einlagen, manchmal fast schon clownshafte Komik, Zauberkunststückchen oder Gesang.
Die Darsteller
Einen klassische Handlungsstrang gibt es im Stück nicht. Stattdessen geleiten Franziska Ritter als Bernhard und Denis Pöpping als Heinz 1 durch das Stück - zuerst als gegensätzliche Pole, später auch gemeinsam. Sie spielen überzeugend und schlüpfen gekonnt in neue Rollen. Besonders amüsieren sie die Zuschauer in der Rolle als wissenschaftskritische Tiere.
Gegen Ende des Stücks ändert sich die Gewichtung. Auch Franziska Krol als Ich und Helmut Geffke als Heinz 2 kommen zum Zug. Ritter und Pöpping können sie jedoch nicht das Wasser reichen.
Das Bühnenbild
Doch schon bald entpuppt sich das Mobiliar als erstaunlich vielfältig und gut geeignet, die Perspektivenwechsel und das Nichts-ist-wie-es-scheint bildhaft zu machen. Im Finale verwandeln sich die schon vorher mehrfach verschobenen Türen schließlich sogar in ein Spiegelkabinett.























































