Kurz-Check: "Gefährliche Liebschaften" -
Umstandslos in den Sand gesetzt
Sollte man "Gefährliche Liebschaften" im Stil eines Theaterstadls inszenieren? Nein, findet Fabian Wallmeier. Er war bei der Premiere in der Komödie am Kurfürstendamm dabei - und hat einen quälenden Abend hinter sich.
Bewertung
Das Thema
Die intrigante Marquise de Merteuil will es ihrem ehemaligen Liebhaber Bastide heimzahlen. Sie geht mit dem Viconte de Valmont, einem bekennenden Casanova, einen Pakt ein: Er soll Bastides junge Braut, Madame de Tourvel, noch vor der Hochzeit verführen. Kann Valmont das schriftlich beweisen, bekommt er eine Nacht mit der Marquise. Ausgehend von dieser Grundkonstellation spinnen die Figuren ein immer undurchdringlicheres Netz aus Intrigen und Machtspielen.
Die Inszenierung
Laclos' Briefroman ist ein komplexes Sittengemälde des Ancien Régime. In der Bearbeitung von Amina Gusner und Ruben Donsbach ist "Gefährliche Liebschaften" eine abstrus überzeichnete und zugleich in ihrer Biederkeit unendlich öde Posse. Ein platter Sketch reiht sich an den nächsten. Es mag ja durchaus ein vertretbarer, wenn auch alles andere als auf der Hand liegender Ansatz sein, "Gefährliche Liebschaften" als Lustspiel zu inszenieren. Aber was die Regisseurin Amina Gusner daraus gemacht hat, ist an Inkonsequenz und Plattheit kaum zu überbieten. Im ersten Teil des (inklusive Pause) weit mehr als zwei quälende Stunden langen Abends schafft sie es noch fast durchgängig, einen derben Theaterstadl-Stil durchzuziehen. Doch dann steht der Handlung zufolge eine Vergewaltigung an - und die lässt sich nun einmal nicht verwitzeln. Also wechselt sie schnell die Tonlage und entlässt ihre Zuschauer dann in die Pause. Im zweiten Teil kann sie sich dann gar nicht mehr entscheiden, ob ihre Inszenierung nun primär lustig oder doch auch noch irgendwie tragisch sein soll.
Diese Entscheidungsschwäche kumuliert in der bis dahin zweifellos ernst gemeinten Sterbeszene Valmonts: Kaum ist er dramatisch in sich zusammengesackt, richtet er sich wieder auf, sucht eine passendere Position und sackt so lange abermals in sich zusammen, bis er mit seinem Abgang zufrieden ist. Und so geht es die ganze Zeit an diesem Abend: Man fällt aus dem Bett, weil man sich so ausufernd schlaflos umherwälzt. Man wirft mit Trauben. Man fällt auf den Boden, weil in letzter Minute der Stuhl unter dem Hintern weggezogen wurde. Und dann wird man auf einmal wieder ganz doll ernst. Kurzum: Diese Inszenierung wirkt von vorne bis hinten schludrig, ungelenk und plump.
Die Darsteller
Man kann es natürlich auf die Inszenierung schieben, aber sagen muss man es trotzdem: Keiner der fünf Darsteller gibt an diesem Abend ein gutes Bild ab - und damit ist nur am Rande die ungewöhnliche Häufung von Versprechern und sonstigen Textunsicherheiten gemeint. Soll es dramatisch werden, werden die Schauspieler der Einfachheit halber laut. Soll es witzig werden, erzählen sie den Witz zur Sicherheit doppelt und dreifach. Birge Schade setzt die Marquise de Merteuil umstandslos in den Sand. Die feine, tiefe Boshaftigkeit ihrer Figur wird in ihrer Darstellung restlos verschüttet, übrig bleibt ein überpräsenter Auftritt, der brachial zwischen den Extremen hin und her springt. Oliver Stritzel gockelt seltsam desiniteressiert über die Bühne, schaut bedeutungsschwer und lässt noch nicht mal das für diese dralle Schwank-Inszenierung so wichtige komische Gespür erkennen.
Das Bühnenbild
Das Bühnenbild ist wenig einfallsreich, gibt aber keinen Grund zur Klage. Zwei gekippte Metallquader deuten Räume an. Drei Liegen bieten Platz zum Räkeln. Einige Stehlampen erleuchten das Geschehen spärlich. Auf die schwarze hintere Wand und halbtransparente Stoffe an den Quaderwänden werden in Anlehnung an Laclos' Romanvorlage handschriftliche Briefausschnitte projiziert.
Die Publikumsreaktionen
Man ist äußerst juchzbereit an diesem Premierenabend. Es gibt hier und da Szenenapplaus - und lang anhaltenden Beifall am Ende.
Der Spaßfaktor
Nein, Spaß macht dieser Abend nun wirklich nicht. Nicht im Geringsten. Es sei denn, man hat Spaß daran, sich etwas durch und durch Misslungenes anzusehen.
In Ödön von Horváths Version ist der Verführer Don Juan ein Kriegsheimkehrer, der viele Frauen bekommt, aber nur eine liebt. Und die ist schon lange tot. Luc Bondy inszeniert das Stück am Berliner Ensemble mit enttäuschender Unentschlossenheit und verschenkt damit letztlich auch seine Riege toller Schauspielerinnen. Von Fabian Wallmeier
Am 17. April hatte Robert Wilsons Inszenierung von "Peter Pan" mit der Musik der Schwestern CocoRosie am Berliner Ensemble Premiere. Leider schon zurück aus dem Neverland schildert Gunnar Krüger seine Eindrücke.
Ilona Marenbach hat bei der Premiere von "Rigoletto" an der Deutschen Oper einen der kuriosesten Opernabende miterlebt. Zwei von drei Hauptrollen wurden kurzfristig um- bzw. doppelbesetzt.
Warum fühlen, wenn man auch darüber reden kann? In Rebekka Kricheldorfers Stück "Alltag & Ekstase" reden die Protagonisten über sich und ihre Emotionen, und zwar so lange, bis sie eigentlich nichts mehr fühlen. Daniela Löffner hat die bösartig-komische Gesellschaftssatire um die dauerhafte Ich-Reflexion im Deutschen Theater auf die Bühne gebracht. Es darf gelacht und danach noch einmal ordentlich nachgedacht werden - natürlich über sich selbst. Von Ute Zauft
Der Tod des eigenen Kindes ist für Eltern ein unfassbar harter Schlag. Nachdem sein Sohn im Libanonkrieg fällt, beschwört der israelische Schriftsteller David Grossman seine Trauer in dem Stück "Aus der Zeit fallen". Friederike Steinberg hat sich die Uraufführung im Deutschen Theater angesehen.
Ein Mann und eine Frau treffen knapp zehn Jahre nach ihrer Trennung wieder aufeinander, um die Umbettung des Grabes ihres Kindes zu regeln - das ist die Grundkonstellation von "Gift", das nun am Deutschen Theater Premiere feierte. Das Stück mag manchmal ins Kitschige abdriften, die Inszenierung nicht die einfallsreichste sein - doch was Dagmar Manzel und Ulrich Matthes zeigen, ist zum Niederknien gut. Von Fabian Wallmeier
Ein Kriegsheimkehrer und der Vater seines gefallenen Kameraden treffen in dieser Uraufführung aufeinander. "Leerlauf" von Rick van den Bos ist ein ungemein hartes und unbedingt sehenswertes Stück über zwei seelisch Verwundete, das in der Box des Deutschen Theaters von zwei herausragenden Darstellern getragen wird. Von Fabian Wallmeier
Ein Mann tötet einen anderen und nimmt dessen Identität an. Darum geht es in Patricia Highsmiths Roman "Der talentierte Mr. Ripley" - und in den bekannten Verfilmungen. In den Kammerspielen des Deutschen Theaters zeigt Bastian Kraft diesen Mr. Ripley nun in einem neuen Licht - und bietet dabei packende Unterhaltung. Von Fabian Wallmeier
Eine vom Himmel fallende Kuh dient in der Box des Deutschen Theaters als Bindeglied zwischen der Revolution in Libyen und dem überregulierten Europa. Klingt bescheuert, ist auch bescheuert - und gerade deshalb ist die Komödie von Charlotte Roos und Juli Zeh ein ziemlich großer Spaß. Von Fabian Wallmeier
Stephan Kimmig eröffnet die Spielzeit am Deutschen Theater mit zwei Stücken über die Bedeutung der Macht: Er verknüpft die Uraufführung von Mario Salazars düsterer, aber nicht ganz stimmiger Zukunftsvison "Hieron. Vollkommene Welt" mit Schillers Dramenfragment "Demetrius" über einen falschen Zaren. Fabian Wallmeier über eine nicht gerade kurzweilige, aber anregende Premiere.
Stefan Pucher hat Ibsens "Hedda Gabler" am Deutschen Theater mit Nina Hoss in der Titelrolle als Komödie inszeniert. Diese unerwartete Herangehensweise funktioniert erstaunlich gut, findet Fabian Wallmeier, der bei der Berliner Premiere dabei war.
Am Samstag feierte in den Kammerspielen des Deutschen Theater Simon Stephens' "Wastwater" in der Regie von Ensemble-Mitglied Ulrich Matthes seine Premiere. Karin Losert erlebte ein Stück ohne klare Höhepunkte.
Am 19. April hat am Deutschen Theater eine Bühnenfassung von Hans Falladas "Wolf unter Wölfen" Premiere gefeiert. Sabine Prieß war dabei - und ist hellauf begeistert von der taufrischen Bearbeitung des Stoffes.
Ein Alien jagt ein Mädchen, ein junger Mann masturbiert sich in die Zukunft und eine Jugendliche durchrast ein Wurmloch. Dazwischen wird gesungen, gehofft und übersprühend gelacht. Am 11. April hatte am Deutschen Theater in Berlin "2035 oder Mit 40 eröffne ich ein Hotel auf dem Mond" Premiere. Jörg Albinsky hat sich mit dem Jungen DT ins Jahr 2035 beamen lassen.
Um Latino-Frauen mit viel Sexappeal und Leidenschaft geht es in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, dem oscarnominierten Film von Pedro Alomodóvar. Der New Yorker Broadway adaptierte ihn im Jahr 2010 als Musical, jetzt feierte es seine Premiere in Potsdam. Am Hans-Otto-Theater überzeugten witzige Dialoge, schrille Kostüme und eine tolle Hauptdarstellerin. Weniger mitreißend: der Gesang der Schauspieler. Von Franziska Weigelt.
Die Theateradaption des für den Oscar nominierten Films von Kay Pollak "Wie im Himmel", die am Potsdamer Hans Otto Theater Premiere feierte, enthält nahezu alle Elemente, die den Film sehenswert machen. Die Inszenierung mit dem Ensemble und drei Chören dreht sich um einen Dirigenten, der "hören lernen will" und sich dabei in einen Kirchenchor verliebt. Schon lange hat sich Franziska Weigelt nicht mehr so gut im Theater amüsiert.
Keyserlings Roman "Wellen" von 1911 ist über hundert Jahre später auf der Bühne gelandet. Geistreiche Angelegenheit, findet Gunnar Krüger. Ihn hat das Auf und Ab bei der Potsdamer Premiere am 22. März bestens unterhalten.
Was bedeutet es nach dem Balkankrieg, ein Serbe, Bosnier oder Kroate zu sein - und was verbindet sie? Auf einer gemeinsamen Reise nach Bosnien haben sich Yael Ronen und ihr Ensemble, das größtenteils aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt, mit Fragen wie dieser befasst. Am Maxim Gorki Theater haben sie daraus ein eindringliches Stück erarbeitet - und doch wäre ein Dokumentarfilm vielleicht die spannendere Lösung gewesen. Von Fabian Wallmeier
Kein einziges Wort Russisch fällt auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters – dafür ein Schuss, und es gibt türkisches Liedgut zu hören. Während draußen die Cholera wütet, pflegt drinnen ein Biochemiker anstelle seiner Ehe verkümmerte Basilikumpflänzchen. Nurkan Erpulats Versuch, Gorkis vorrevolutonäres Drama in Bezug zur Gegenwart zu setzen, holpert zwar an einigen Stellen. Doch unterhaltsamer als jede Soap ist "Kinder der Sonne" allemal. Von Karo Krämer
Drei sehr unterschiedliche Miniaturen sind im Maxim Gorki Theater zu einem Teil des Abschluss-Spektakels verwoben worden. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und war mal irritiert, mal prächtig amüsiert.
Nina Hoss hat mit Lilian Hellmans "Die kleinen Füchse" ihren Einstand im Ensemble der Schaubühne gegeben. Die etwas größere darstellerische Sensation des Abends ist aber Ursina Lardi. Doch beide haben ein Problem - und das liegt nicht nur im unzeitgemäßen Stück, sondern auch in Thomas Ostermeiers nicht gerade frischer Inszenierung. Von Fabian Wallmeier
Michael Thalheimer macht an der Berliner Schaubühne aus Molières Komödie "Tartuffe" fast eine Tragödie. Doch dann gönnt er seinem erstklassigen Ensemble doch noch ein wenig Gaga-Sprech und findet einen überzeugenden Tonfall zwischen den beiden Polen. Die eigentliche Attraktion ist aber nicht die Inszenierung, und auch nicht Lokalmatador Lars Eidinger in der Titelrolle. Von Fabian Wallmeier
Marius von Mayenburg hat Shakespeares Komödienklassiker "Viel Lärm und Nichts" mit Horror-Trash und Screwballkomödie gekreuzt. Das grelle Ergebnis seiner Arbeit gab es jetzt an der Berliner Schaubühne zu bestaunen. Fabian Wallmeier haben an der Premiere nur ein paar Bremsklötze gestört.
Am Samstag, den 10. August eröffnete die Schaubühne die neue Spielsaison im Müggelwald, 30 Kilometer von der eigentlichen Spielfläche entfernt. Ilona Marenbach hat sich mit Taschenlampe bewaffnet ins Unterholz begeben.
Falk Richter hat sein größenwahnsinnig anmutendes Projekt "For the Disconnected Child" uraufgeführt. Fabian Wallmeier ist im Anschluss an die Kooperation von Schaubühne und Staatsoper beglückt, beseelt und inspiriert auf den Kudamm getorkelt.
Philipp Stölzls Basler Inszenierung von Wagners "Der Fliegende Holländer" ist in Berlin angekommen. Ilona Marenbach hat die Premiere in der Staatsoper im Schiller Theater gesehen - und war vor allem vom Bühnenbild begeistert.
Herbert Fritsch hat wieder zugeschlagen. Der Meister des Bühnen-Gaga bezeichnet sein neues Stück an der Volksbühne als Oper. Doch anstatt neue Akzente zu setzen, wiederholt er das erfolgreiche Slapstick-Konzept seines Ein-Wort-Stücks "Murmel Murmel" - und schnallt sich am Ende nicht ganz zu Unrecht ein Brett vor den Kopf. Von Fabian Wallmeier
Eine der blutigsten Shakespeare-Tragödien - und eine der verworrensten: Auf der Probebühne der Berliner Volksbühne hat Sebastian Klink mit Schauspielstudenten "Titus Andronicus" inszeniert - und ist damit gescheitert. Statt einer klaren Linie gibt es ein ermüdendes Hin und Her zwischen Ernsthaftigkeit und Farce. Von Fabian Wallmeier
René Pollesch hat sich an der Volksbühne Balzacs Roman "Glanz und Elend der Kurtisanen" vorgenommen - und nicht viel davon übrig gelassen. Statt dessen lässt er seine fünf Schauspieler über Fiktion und Authentizität sinnieren und den Verlust des "Glanzes der Öffentlichkeit" lamentieren. Fabian Wallmeier über eine etwas widersprüchliche Premiere, die aber große Kraft aus ihrem sensationellen Hauptdarsteller zieht.
Ein Haufen Ideen, die sich wie bei einer Fuge ineinander verdrillen: Am 23. Mai hatte René Polleschs "Der General" an der Volksbühne Premiere. Jörg Albinsky über sehr viel Adorno, wenig Theater und einen Panzer als Brummkreisel im leeren Raum.
Johann Kresnik ist zurück an der Volksbühne. In "Villa Verdi" wehren sich die Bewohner eines Altenheims für Bühnenstars gegen die Schließung des Hauses. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und hat eine für Kresniks Verhältnisse sehr betuliche Nummernrevue gesehen.
Die Mediensatire von Sam Peter Jackson liegt weit unter ihren Möglichkeiten. Dem konnte auch die betuliche Inszenierung des Schlosspark Theaters wenig entgegensetzen. So gerät das Stück stellenweise zu einem freundlichen Schlagaustausch zweier älterer Herren. Hier fehlte das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Amüsieren kann man sich trotzdem. Von Ula Brunner
Reicht Tanz als Mittel zum politischen Protest aus? Dieser Frage nähern sich Choreograph Christoph Winkler und seine vier Tänzer mit einem sehr unterhaltsamen Abend im Ballhaus Ost, der mündliche Debatten mit körperlichem Ausdruck verbindet und nur gegen Ende etwas beliebig wird. Von Fabian Wallmeier
Japan hat sich nach der Erdbebenkatastrophe von 2011 verändert. Der Autor und Regisseur Toshiki Okada verknüpft den Seelenzustand einer erschütterten Gesellschaft mit seiner minmalistischen Vorstellung von Musiktheater. Jetzt hat seine internationale Koproduktion im Berliner HAU2 Deutschland-Premiere gefeiert. Harte Kost, die aber atmosphärisch eindrucksvoll inszeniert - und an manchen Stellen überraschend einfach gestrickt ist. Von Fabian Wallmeier
Fünf Schwarze teilen sich eine WG. Fünf Menschen, die zwar höchst verschieden sind, aber eine Erfahrung teilen: die Schwierigkeit, Deutsche mit schwarzer Hautfarbe zu sein. Doch dann ist plötzlich einer von ihnen tot. Die Uraufführung von Elizabeth Blonzens Stück im Ballhaus Naunynstraße hat zwar deutliche Schwächen, bietet aber spannende Einblicke. Von Fabian Wallmeier
Was passiert, wenn ein alter 68er ein sehr alter 68er wird und nicht mehr gut allein leben kann? Er gründet eine Kommune. Das Grips-Theater erzählt in einem rasanten "Schauspiel mit Musik" von einer generationenübergreifenden WG - und stolpert dabei etwas abrupt dem Ende entgegen. Von Fabian Wallmeier
Präsidenten tun es, fehlbare Sportler-Ikonen und am häufigsten gefallene C-Promis – sich öffentlichkeitswirksam zu entschuldigen. Für die unbeabsichtigt Erschossenen, den Seitensprung oder den verbalen Fauxpas. Eine Produktion in den Sophiensälen über epochale Gesten, reuige Sünder und Heucheleien, dass sich die Balken biegen. Von Jörg Albinsky
Es ist ja oft vom versteckten Humor in den Texten von Franz Kafka die Rede. Bei der Umdeutung seiner "Verwandlung" im Heimathafen Neukölln kann von versteckt keine Rede mehr sein: Mit Hilfe von deftigem Trash wird hier der über Nacht zum Käfer mutierte Gregor Samsa zum Sozialschmarotzer. Am Mittwoch hat die grundsympathische Inszenierung Premiere gefeiert. Von Fabian Wallmeier
Am Donnerstag, den 23. August feierte "Ich, Gunter Gabriel" im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Franziska Weigelt war der Deutsch-Country-Sänger Gabriel nicht bekannt, bevor sie sich ins Publikum setzte. Sie erlebte einen befremdenden Theaterabend.
Darf man das Thema Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auf unterhaltsame Weise auf die Bühne bringen? Ja, findet Karin Losert, wenn es so entlarvend geschieht wie im Stück "Unter Drei" von Olivia Wenzel und Mareike Mikat, das im Ballhaus Ost Premiere feierte.
Sollte man "Gefährliche Liebschaften" im Stil eines Theaterstadls inszenieren? Nein, findet Fabian Wallmeier. Er war bei der Premiere in der Komödie am Kurfürstendamm dabei - und hat einen quälenden Abend hinter sich.
In "AIRossini" wird Rossinis Oper "Il viaggio a Reims" auf das Debakel um den BER-Flughafen umgemünzt. Am 6. Juni 2013 wurde die Fassung in der Neuköllner Oper uraufgeführt. Jörg Albinsky kam als Mitläufer und ging als Revolutionär.
Nicht nur der Titel ist verzwickt: In Carlos Manuels "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" ist Mitdenken angesagt. Friederike Steinberg hat bei der Premiere im Theater an der Parkaue mitgeknobelt.
Ein langjähriges Ehepaar bekommt Besuch von einem anderen Paar. So weit, so unspektakulär. Doch das Ehepaar in spe sorgt für diverse Enthüllungen. Am 14. April hatte in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin "Paarungen" von Eric Assous Premiere. Sabine Prieß war dabei, als auf der Bühne schmutzige Wäsche gewaschen wurde.
Rund 20 Darsteller erwecken Döblins "Berlin Alexanderplatz" im Theater an der Parkaue zum Leben. Franziska Weigelt war von der turbulenten Premiere am 12. April hingerissen.
Anno Sauls Filmadaption am Berliner Grips-Theater ist gedacht für Jugendliche ab 15 Jahren. Gunnar Krüger, deutlich älter, war bei der Premiere am 2. Februar dabei - und fragt sich, ob die diese "Kebab Connection" wirklich cool finden werden.