Pressebild zu "Villa Verdi" an der Volksbühne (Foto: Thomas Aurin)

Kurz-Check: "Villa Verdi" - Der Provokateur ist friedlich geworden

Johann Kresnik ist zurück an der Volksbühne. In "Villa Verdi" wehren sich die Bewohner eines Altenheims für Bühnenstars gegen die Schließung des Hauses. Fabian Wallmeier war bei der Premiere dabei - und hat eine für Kresniks Verhältnisse sehr betuliche Nummernrevue gesehen.

Das Thema

Die Villa Verdi ist ein Altenheim für ehemalige Opernsänger, Musiker, Schauspieler und Tänzer. Sie steht vor dem Aus – die staatliche Förderung steht auf der Kippe. Anlässlich des Geburtstags von Giusppe Verdi dem Namensgebern ihrer Villa, und um für den Fortbestand der Einrichtung zu kämpfen, proben sie einen Galaabend.

Die Inszenierung

"Villa Verdi" ist eine Nummernrevue. Reihum präsentiert man sich den anderen: mit den über die Jahre hinweg gepflegten Marotten, mit dem Wissen um das Schwinden der eigenen Kräfte, mit Gags und kleinen Spitzen gegen die anderen – und vor allem mit wohlbalancierter Würde. Ausgespielt wird fast keiner dieser Kurzauftritte - die Zeit drängt, denn es steht nicht nur die Zukunft der Villa auf dem Spiel. Kresnik prangert das Problem der Altersarmut von Künstlern an. Und er stellt reichlich pathetisch die vermeintlichen Kontraste zwischen alter und neuer (Opern-, Sanges-, Tanz- und Schauspiel-) Kunst zur Schau.
Johann Kresnik galt einmal als Provokateur – an diesem Abend ist er weit davon entfernt. Zugegeben: An einer Stelle wird zu Wagnermusik ein Hakenkreuzfähnchen geschwenkt, später fährt eine nackte Gekreuzigte mit Blut zwischen den Beinen aus dem Bühnenboden empor, und dann wäre da noch die Szene mit dem abgesägten Fuß – doch diese kleinen Schockmomente sind nur Beiwerk. Unterm Strich bleibt "Villa Verdi" eine sehr friedliche, harmonische, betuliche Angelegenheit. Daran ändert auch das einigermaßen grimmige Ende nichts.

Die Sänger und Darsteller

Kresnik hat einige Legenden für seine Inszenierung gewinnen können: Opernstar Jutta Vulpius etwa, die Thomas-Bernhard-Schauspielerin Ilse Ritter oder auch den Countertenor Jochen Kowalski. Es macht über weite Strecken Spaß, ihnen zuzuschauen, wie sie noch einmal daran erinnern, warum sie zu solchen Größen geworden sind - und wie sie ihre vorgefertigten Rollen immer wieder sanft ironisch brechen. Dass dabei vieles etwas unperfekt läuft, wirkt unterm Strich eher sympathisch.

Das Bühnenbild

Eine bewegliche hölzerne Showtreppe steht im Hintergrund. Davon abgesehen ist auf der Bühne vor allem sehr viel Platz. Den braucht es auch, denn wenn alle auf der Bühne stehen, ist die Bühne so gut wie voll: Neben den Haupt- und den vielen Nebendarstellern treten noch ein Streichquartett, ein Pianist und vier Tänzer auf.

Die Publikumsreaktionen

Einer tritt auf, die anderen klatschen – so läuft der Abend auf der Bühne ab. Und das überträgt sich auf die Zuschauer: Alle paar Minuten ist Szenenapplaus fällig. Am Ende der Vorstellung kommen dann noch vermehrte Bravo-Rufe für die alten Stars dazu. Nur ein Zuschauer nutzt beim Fallen des Vorhangs die Gunst der Stunde und buht in die Stille vor dem Sturm des Schlussapplauses hinein.

Der Spaßfaktor

Das Gute an einer Nummernrevue: Gefällt einem die eine Nummer nicht, kommt ja zum Glück gleich die nächste. Langweilig wird der Abend jedenfalls nicht. Mit vom Schenkelklopfen wunden Beinen verlässt man die Volksbühne an diesem Abend aber auch nicht gerade.

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