
Kurz-Check: "Schwarz tragen" - Sie sprechen aber gut Deutsch!
Fünf Schwarze teilen sich eine WG. Fünf Menschen, die zwar höchst verschieden sind, aber eine Erfahrung teilen: die Schwierigkeit, Deutsche mit schwarzer Hautfarbe zu sein. Doch dann ist plötzlich einer von ihnen tot. Die Uraufführung von Elizabeth Blonzens Stück im Ballhaus Naunynstraße hat zwar deutliche Schwächen, bietet aber spannende Einblicke. Von Fabian Wallmeier
Das Thema
Fünf Menschen wohnen zusammen: der Aufreißer Eric, die Karrierefrau Viktoria, die naive Joy, der Ruhepol Cyrus. Und Frank. Doch der liegt eines Morgens auf einmal tot in seinem Bett. Es muss trotzdem weiter gehen, ein neuer Mitbewohner muss er. Einzige zwingende Voraussetzung: Schwarz muss er sein. Denn Cyrus und Frank haben die Gemeinschaft als "Schwarzen-WG" gegründet. Ein Zufluchtsort, sagt Cyrus. Ein Ghetto, kritisiert Viktoria. Ein Weißer in der WG, sagt Joy, würde ihr nur jeden Tag schon vor dem ersten Kaffee bewusst machen, dass sie nicht weiß ist. Alle Bewohner haben den ganz alltäglichen Rassismus erlebt, der sie wegen ihrer Hautfarbe begleitet. Von beleidigenden Sprüchen wie "Sie sprechen aber gut Deutsch" über abstrusen Unsinn wie "Ist dein Sperma eigentlich weiß?" bis hin zu Bedrohung und Gewalt. Und nun debattieren sie, wie man das in einer zur Ersatzfamilie gereiften Wohngemeinschaft nun einmal macht: hitzig, liebevoll, ungerecht, mitfühlend. Und dann gibt es da noch ein Geheimnis, das Frank vor seinem Tod eigentlich noch mit der Gruppe hatte teilen wollen.
Die Inszenierung
Eigentümlich grundlos verzögert kommt Branwen Okpakos Inszenierung phasenweise daher. Wenn Cyrus etwa an einer Stelle zwischen zwei Szenen in Zeitlupe die Requisiten hinter den Vorhang schiebt, kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, hier müsse Zeit geschunden werden für einen Kostümwechsel hinter der Bühne. Denn aus sich heraus wirkt die Langsamkeit nicht. Ansonsten überzeugt aber das gut ausbalancierte Verhältnis von Ernsthaftigkeit und Witz, mit der sie an diese Uraufführung von Elisabeth Blonzens Stück gegangen ist. Der schwächste, weil unfreiwillig komische Einfall des Abends: Der tote Frank flüstert Cyrus per Videoprojektion den Mut ein, seine sehr vorhersehbare Geschichte zu erzählen. Doch es gibt auch einige starke Momente. In der eindrücklichsten Szene des Abends, deren Sinn sich erst später komplett erschließt, lässt sie die vier Darsteller bei gedämpftem Licht und in schwarzer Kleidung eine Art textloses Klagelied singen und dabei Porträtfotos auf den Boden werfen. Es sind - wenn den Rezensenten nicht alles täuscht - die Porträts von schwarzen Deutschen, die auch im Kellergeschoss des Ballhauses in einer Ausstellung "Homestory Deutschland" zu sehen sind.
Die Darsteller
Thelma Buabeng hat als naive dauerkichernd laut träumende Joy leichtes Spiel - und füllt die Rolle mit Wärme aus, anstatt sie ins Lächerliche zu ziehen. Sheri Hagen hat mit der mal zynischen, mal engagierten, ambitionierten Juristin Viktoria die komplexeste Figur des Stücks abbekommen - und staffiert diese in alle Richtungen plastisch aus, driftet aber leider manchmal ins unangenehm Pathetische ab. Thomas B. Hoffmann stattet seinen Cyrus, den väterlich-verschlossenen Mittelpunkt der WG mit dem richtige Maß an Zerrissenheit aus. Und Ernest Allan Hausmann schafft es, aus dem eindimensionalen Draufgänger Eric eine dreidimensionale Figur zu machen.
Das Bühnenbild
Ein Sofa steht, dem Publikum abgewandt, vor den Stuhlreihen. Links ein Rechteck auf Rollen, das sich beim Drehen als Duschkabine entpuppt. Ebenso auf Rollen und damit schnell wieder hinter dem Vorhang verstaut: eine Küchenzeile und ein Tisch mit Bänken.
Die Publikumsreaktionen
Sehr freundlicher Applaus für alle Beteiligten.
Das Fazit
Der Abend bietet spannende Antworten auf die Frage, wie sich Rassismus anfühlt. Und gleichzeitig hat er eine angenehme Leichtigkeit - und leider auch eine Reihe von Schwächen. Doch unterm Strich lohnend sind die knapp 90 Minuten,die der Abend dauert, allemal.
Fabian Wallmeier






















































