
Kurz-Check: "Die letzte Kommune" - Zusammenprall der Generationen in der WG-Küche
Was passiert, wenn ein alter 68er ein sehr alter 68er wird und nicht mehr gut allein leben kann? Er gründet eine Kommune. Das Grips-Theater erzählt in einem rasanten "Schauspiel mit Musik" von einer generationenübergreifenden WG - und stolpert dabei etwas abrupt dem Ende entgegen. Von Fabian Wallmeier
Das Thema
Opa Friedrich, in die Jahre gekommener Alt-68er und emeritierter Professor, hat einen kleinen Brand verursacht. Die Tochter und vor allem der Schwiegersohn wollen ihn ins Heim stecken. Doch Friedrich will nicht - und gründet statt dessen mit seinem alten Freund Hannes eine Kommune. Ganz wie früher. Oder zumindest so ähnlich. Denn die Rekrutierung der Mitbewohner mit Hilfe des alten streng ideologischen Fragebogens gestaltet sich als schwierig, weil nicht mehr ganz zeitgemäß. Und so wird die WG ein bisschen anders, als die beiden sich das vorgestellt haben. Der verschuldete junge Obdachlose Atze, die aus einem Seniorenheim getürmte Josi und Hannes' sozial übereifrige Enkeltochter Lotte ziehen ein. Doch vieles ist noch immer so wie früher: Man stellt Putz- und Einkaufpläne auf, man diskutiert, man säuft, man streitet sich. Und auch die freie Liebe und ihre natürlichen Grenzen finden ihren Eingang ins 21. Jahrhundert: Hannes und Friedrich scharwenzeln um Josi herum - und sowohl Friedrichs von der Welt dauergenervter Neffe Philipp als auch Atze hätten gern was mit Lotte. Nicht nur wegen dieses doppelten Liebesdreiecks wird es gegen Ende der inklusive Pause gut dreistündigen Uraufführung etwas unübersichtlich. Auch weil im Verlauf des Stücks ein paar Handlungsfäden zu viel aufgenommen worden sind, wirkt das letzte Drittel des Abends ein wenig fahrig und abrupt.
Die Inszenierung
Peter Lund und Thomas Zaufke haben dieses Mal kein Musical geschrieben, sondern ein "Schauspiel mit Musik", wie sie "Die letzte Kommune" selbst nennen. Entsprechend ist das Stück nicht durchkomponiert, sondern wird hier und da von Songs durchzogen, die von einer vierköpfigen Liveband begleitet werden und das Geschehen mal vorantreiben und mal kommentieren. Und oft schalten sie ganz einfach einen Gang runter. Regisseurin Franziska Steiof hat den stellenweise etwas moralinsauren, dann aber wieder ironisch mit Klischees spielenden Zusammenprall der Generationen und Weltanschauungen ziemlich rasant inszeniert.
Die Darsteller
Das neunköpfige Ensemble ist ausnahmslos überzeugend. Drei Darsteller aber stechen deutlich hervor: Kilian Ponert spielt den zwielichtigen Sozialverlierer Atze, der vordergründig das System für seine Lage verantwortlich macht, mit ausdauernder Hinterhältigkeit. Regina Lemnitz verleiht der gewitzten, lebensklugen Josi, die sich mit dem Beginn einer Demenzerkrankung konfrontiert sieht, eine fein ausbalancierte Würde. Doch am meisten Spaß macht es, Paul Jumin Hoffmann dabei zuzusehen, wie er sich als Teenager Philipp zwischen brutalst cooler Gleichgültigkeit, durch und durch verklemmter Verliebtheit und sarkastisch ätzender Wut bewegt.
Das Bühnenbild
WG-Küchen sind oft mit aus diversen Altbeständen zusammengesuchtem Mobiliar eingerichtet - nicht schön, aber funktional. Heimeligkeit kann da erst durch das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Mitbewohner-Egos aufkommen. Und dieser Devise folgt auch das spärliche Bühnenbild.
Die Publikumsreaktionen
Es gibt Zwischenapplaus für fast alle Songs - und am Ende braust stürmischer Jubel auf. Sogar ein paar Standing Ovations sind zu sehen.
Der Spaßfaktor
Schade, dass dem Stück im letzten Drittel der Rhythmus abhanden kommt. Doch davon abgesehen: ein spaßiger Abend, an dem viele Gags zünden und nur wenige verpuffen.
Fabian Wallmeier























































