
Kurz-Check: "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" - Spanisches Temperament mischt märkische Bühne auf
Um Latino-Frauen mit viel Sexappeal und Leidenschaft geht es in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, dem oscarnominierten Film von Pedro Alomodóvar. Der New Yorker Broadway adaptierte ihn im Jahr 2010 als Musical, jetzt feierte es seine Premiere in Potsdam. Am Hans-Otto-Theater überzeugten witzige Dialoge, schrille Kostüme und eine tolle Hauptdarstellerin. Weniger mitreißend: der Gesang der Schauspieler. Von Franziska Weigelt.
Das Thema
Pepa, eine schöne und erfolgreiche Frau, wird ganz plötzlich aus ihrem Leben gerissen: Mitten in der Nacht hinterlässt ihr Geliebter Ivan eine Abschiedsbotschaft auf dem Anrufbeantworter („Ich habe dich nicht verdient. Mir fehlen die Worte“). Verletzt, aber entschlossen, ihn ohne eine Erklärung ziehen zu lassen, macht sich Pepa auf die Suche nach Ivan. Dabei entlarvt sie schließlich sein Doppelleben, das unter anderem eine aus der Nervenanstalt entlassene Ehefrau und einen erwachsenen Sohn mit einschließt. Außerdem gibt es da noch Pepas Freundin, die sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einem Terroristen gestürzt hat – und deswegen dringend ihre Hilfe benötigt. Die Hauptcharaktere, allesamt "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" im spanischen Madrid, haben Angst, eine geliebte Person zu verlieren und letztendlich Angst davor, alleine zu sein.
Die Inszenierung
Nach seiner Premiere am Broadway wurde das Musical von David Yazbek und Jeffrey Lane prompt für drei Tony Awards nominiert. Im Potsdamer Hans-Otto-Theater aber erreicht das Musical leider nicht die Bestnote der Rezensentin. Das liegt weder an deutschen Liedtexten noch an den gespielten Latino-Rhythmen des Orchesters, sondern an der fehlenden Stimmkraft der meisten Darsteller. Abgesehen davon verfügt die Potsdamer Aufführung über viele Eigenschaften, die das Genre Musical so unterhaltsam machen. Es besticht mit schlagfertigen und humorvollen Wortwechseln („Ich warte auf jemanden.“ – „Tun wir das nicht alle?“), schrägen Charakteren und einem spektakulären Bühnenbild. Stefan Huber hat mit seiner ersten Arbeit am Hans-Otto-Theater Erstaunliches geleistet: Die Koordination der 14 Darsteller läuft perfekt, trotz Rollschuhen und durch die Luft fliegender Telefone.
Die Darsteller
Für viel Bewegung und Dynamik während des Stücks sorgt das von einem riesigen "M" (wie "Madrid") dominierte, drehbare Bühnenbild. Es ist bunt wie eine Leuchtreklame, erinnert in seiner Ausstattung an spanische Telenovelas und ist reich an Details. Unter anderem stellt es Pepas Wohnung inklusive Bett, Küche, Balkon und Wohnzimmer dar. Neben der Kulisse sorgen zwei Fahrzeuge, ein Motorroller und ein Rikscha-Taxi, für ständige Bewegung. Selbst vor Feuer und (Zigaretten-) Rauch sind die Macher nicht zurückgeschreckt: Irgendwann steht sogar ein Bett in Flammen. Für einen hohen Unterhaltungswert sorgen außerdem die schrillen Kostüme im Stil der 1980er Jahre. Dazu gehören natürlich Sportanzüge in Neonfarben und Stirnbänder, aber auch Schulterpolster.
Das Bühnenbild
Beinahe Broadway-reif ist die Leistung von Christiana Hagedorn (Pepa): In ihrem roten Kostüm und mit den rot geschminkten Lippen wirkt sie wie eine deutsche Version des Hollywoodstars Penelope Cruz. Trotz zahlreicher Gefühlsausbrüche verfügt sie über reichlich Sexappeal und Gesangstalent. Während ihre gesanglichen Einlagen überzeugen, beweisen sich die anderen Darsteller allenfalls als gute Schauspieler, nicht aber als Musicaldarsteller. Kein Wunder, schließlich gehört der größte Teil von ihnen zum Hans-Otto-Theaterensemble. Sympathisch und überzeugend in ihrer Rolle ist auch Franziska Melzer (Candela), die voll spanischer Leidenschaft und Tempo während des Schlussapplauses beinahe über ihre eigenen Füße stolperte.
Die Publikumsreaktionen
Sehr freundlichen Applaus bekommen Stefan Huber und sein Team, noch freundlicheren die Darsteller und den lautesten Christiane Hagedorn (Pepa), Philipp Mauritz (Taxifahrer) und Dennis Herrmann (Carlos). Ganz vergessen wurde das Orchester, das ganze zweieinhalb Stunden lang in seinem Graben für die musikalische Begleitung sorgte.
Das Fazit
Ein amerikanisch-spanisches Musical mischt das märkische Theater auf – das macht Spaß, aber fesseln und mitreißen kann es leider nicht. "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" in Potsdam unterhält, aber wird Zuschauern nicht lang im Gedächtnis bleiben.























































