
Kurz-Check: "Wie im Himmel" - Befreiung durch den Kirchenchor
Die Theateradaption des für den Oscar nominierten Films von Kay Pollak "Wie im Himmel", die am Potsdamer Hans Otto Theater Premiere feierte, enthält nahezu alle Elemente, die den Film sehenswert machen. Die Inszenierung mit dem Ensemble und drei Chören dreht sich um einen Dirigenten, der "hören lernen will" und sich dabei in einen Kirchenchor verliebt. Schon lange hat sich Franziska Weigelt nicht mehr so gut im Theater amüsiert.
Das Thema
Nach einem Herzinfarkt kehrt der international gefeierte Dirigent Daniel Daréus zurück in das Dorf seiner Kindheit. Seine Illusion, die "Musik in allen Dingen" in der Einsamkeit in vollen Zügen in sich aufzunehmen, verpufft schnell. Stattdessen gewinnen die Mitglieder des Kirchenchors Daniel als neuen Chorleiter. Der sensible Dirigent, der die Laiensänger nicht auslacht, ("Vieles war sehr gut") sondern mit philosophischem Gedankengut (z.B. Proust) konfrontiert, verändert schließlich ihr aller Leben. Der weinerliche Holmfrid traut sich plötzlich, sich gegen die Hänseleien von Arne zu behaupten, und Inger will ihren sexuellen Bedürfnissen mit ihrem Ehemann, dem Pfarrer, endlich freien Lauf lassen. Ihrem Helden verfallen, werden die Dörfler zu Daniels Familie, die ihm schließlich das lang ersehnte Mittel schenkt, das "seine" himmlische Musik erklingen lässt. Es ist Liebe.
Die Inszenierung
Zuschauer, die den Kay-Pollak-Film kennen, können sich beruhigt die Theaterinszenierung in Potsdam ansehen: Sie werden beinahe alle Elemente, die den Pollak-Film sehenswert machen, im Stück (wenn auch an manchen Stellen verdichtet) wiederfinden. Sei es der Gesang, Schnee oder der erwachsene Daniel, der versucht, Fahrrad fahren zu lernen, - es ist einfach unglaublich, dass gerade diese Szenen auf der Theaterbühne in Potsdam intensiver und komischer wirken als im Film selbst. Daniel, der mit seinem Fahrrad durch die Zuschauerreihen fährt, oder Conny, der plötzlich am Rand der Zuschauertribüne steht, gestalten die Inszenierung publikumsnah und lebendig, ohne die Zuschauer zu bedrängen. Dieses Prinzip gilt insbesondere für das Finale, über das hier aber nichts verraten werden soll.
Die Darsteller
Profis und Chormitglieder stehen gemeinsam auf der Bühne und präsentieren eine Show, die einmalig ist. Besonders hervorzuheben ist Raphael Rubino, bei dem die Rolle des Daniel Daréus wie die Faust aufs Auge passt: Keiner könnte den Dirigentenstab leidenschaftlicher schwingen als er. Ähnlich verhält es sich auch mit Melanie Straub, die während ihres Tanzsolos ganz in der Rolle der sich emanzipierenden Pfarrer-Gattin aufzugehen scheint. Ein heller Stern unter den rund ein Dutzend Nebenrollen ist Alexander Finkenwirth als geistig behinderter Tore. Beeindruckend ist "Gabriella" (Zora Klostermann) und ihr Lied, das mit der Unterstützung des "Chor International Potsdam", "pro Musica" und "Gospellight Babelsberg" mit Gänsehaut-Potenzial daher kommt.
Das Bühnenbild
Drei Elemente bestimmen das Bühnenbild: Links das Klavier (Daniels Terrain), in der Mitte die Kulisse eines Kirchenraums mit Kruzifix (der öffentliche Raum), rechts erhöht ein Kasten, der das Haus des Pfarrer-Ehepaars darstellt. Das Bühnenbild taugt dazu, die vielen (Film-) Schauplätze auf einer Bühne zu realisieren.
Die Publikumsreaktionen
Beifall, der länger als fünf Minuten andauerte, lachende und amüsierte Gesichter. Obwohl die Inszenierung rund eine Stunde länger dauert als der Film, hat sie das Publikum vom Anfang bis zum Ende bestens unterhalten.
Der Spaßfaktor
Eine Zuschauerin brachte es während der Pause auf den Punkt: "Es ist so schön, ich will gar nicht, dass es zu Ende geht." Auf keinen Fall zögern. An diesem Stück ist nicht nur vieles, sondern quasi alles gut. Hingehen!















































