
Kurz-Check: "Die kleinen Füchse" - Reiche Charakterschweine im Neurosenmuff
Nina Hoss hat mit Lilian Hellmans "Die kleinen Füchse" ihren Einstand im Ensemble der Schaubühne gegeben. Die etwas größere darstellerische Sensation des Abends ist aber Ursina Lardi. Doch beide haben ein Problem - und das liegt nicht nur im unzeitgemäßen Stück, sondern auch in Thomas Ostermeiers nicht gerade frischer Inszenierung. Von Fabian Wallmeier
Das Thema
Die wohlsituierten Geschwister Regina, Oscar und Ben wollen sich an einem Auslandsgeschäft beteiligen. Doch dafür reicht ihr Geld nicht ganz. Also soll Reginas Mann Horace ran. Der aber, ein schwer kranker Mann, der monatelang im Krankenhaus gelegen hat, weigert sich - aus tiefer Verachtung den Brüdern und auch seiner Frau gegenüber. Doch damit wollen sich weder Ben noch Oscar noch dessen Sohn Leo zufrieden geben. Und Regina erst recht nicht. Erbarmungslos versucht jeder von ihnen, seine Interessen durchzuprügeln - mit fatalen Konsequenzen.
Die Inszenierung
Das Stück der Amerikanerin Lilian Hellman stammt aus dem Jahr 1939 - und dort bleibt größtenteils auch Thomas Ostermeiers Inszenierung stecken. Das ist mitunter ein Problem, lässt es den Abend doch bei aller darstellerischen Frische hier und da etwas muffig wirken. Manches wirkt ausgestellt. Das vorherrschende Rollenbild, das den Grundgedanken einer intriganten bösen machtvollen Frau wie Regina überhaupt erst zur Besonderheit werden lässt, wirkt etwa aus heutiger Sicht so antiquiert, dass auch vieles von dieser Besonderheit verpufft. Und die Neurosen reicher Charakterschweine bloßzustellen, mutet nun auch nicht gerade als die frischeste Idee an. Sicher, Ostermeier fügt dem Stück einige zeitgenössische Aspekte hinzu: Einrichtung und Kleidungsstil sind klar modern geprägt, Sohn Leo daddelt auf einem iPhone herum. Doch das reicht nicht ganz aus, um dem Stück durchgängig eine aktuelle Relevanz einzuhauchen.
Die Darsteller
Nina Hoss, die nach ihrem Wechsel vom Deutschen Theater ihren Einstand im Ensemble der Schaubühne gibt, spielt Regina als stark unterkühlte Manipulatorin. Ausbrüche sind selten, selbst wenn sie allein auf der Bühne ist, ringt ihre Figur um Selbstkontrolle. Das ist beachtlich und genau gespielt, doch der Star des Abends ist Ursina Lardi. Die hat allerdings auch die dankbarere Rolle: Oscars Frau Birdie hat die Kontrolle längst aufgegeben, daran ändern auch die Schläge ihres Mannes nichts. Im Nachthemd kommt sie in Reginas Haus gestürmt, bei jeder Gelegenheit lässt sie sich volllaufen - und auch die unbequemen Wahrheiten wie die, dass sie ihren Sohn nicht leiden kann, lässt sie nur so aus sich heraussprudeln. Lardi lässt diese Figur immer wieder haarscharf an der Lächerlichkeit vorbeischrammen - und bekommt für ihren hochkomischen Auftritt zurecht den einzigen Szenenapplaus des Abends.
Das Bühnenbild
Das gesamte Stück ist im Haus von Regina und Horace angesiedelt. Das Speisezimmer, an dem zu Beginn diniert wird, ist hinter einen Schiebetür verbannt - eine geschickt die Erwartungshaltung der Zuschauer durchkreuzende Entscheidung. 90 Prozent des Stücks spielen sich davor ab: in der schwarzen Eingangshalle des Hauses. Eine freischwingende Treppe mit Absatz führt ins Off des Obergeschosses, darunter sind auf einer Drehbühne eine schwarze lederbespannte Sitzecke und ein ebenfalls schwarzer Flügel platziert. Für Farbe sorgt neben dem meist verschlossenen Speisezimmer nur die Kleider der Frauen.
Das Fazit
Ursina Lardi und Nina Hoss sind ja eigentlich immer Grund genug, ins Theater zu gehen. Und das ist bei den "Kleinen Füchsen" nicht anders - auch wenn das nicht gerade frische Stück und die nicht viel frischere Inszenierung eigentlich eher dagegen sprechen.























































