
Kurz-Check: "Viel Lärm um Nichts" - Wenn King Kong und Elvis Shakespeare spielen
Marius von Mayenburg hat Shakespeares Komödienklassiker "Viel Lärm und Nichts" mit Horror-Trash und Screwballkomödie gekreuzt. Das grelle Ergebnis seiner Arbeit gab es jetzt an der Berliner Schaubühne zu bestaunen. Fabian Wallmeier haben an der Premiere nur ein paar Bremsklötze gestört.
Das Thema
Don Pedro ist zusammen mit seinen Offizieren Claudio und Benedick aus dem Krieg zurück. Er hat ihn gewonnen - sein Bruder Don John hat verloren. Don Pedro und seine Gefolgschaft sind für einen Monat Gäste bei Leonato in Messina. Claudio hat es auf Leonatos Tochter Hero abgesehen. Benedick liefert sich hingegen sarkastische Wortgefechte mit Leonatos Nichte Beatrice. Intrigen werden geschmiedet, um Hero und Claudio zusammen und wieder auseinander zu bringen - und um das widerspenstige Paar Benedick und Beatrice zu vereinen.
Die Inszenierung
Marius von Mayenburg hat Shakespeares Komödienklassiker "Viel Lärm um Nichts" teils sehr frei neu übersetzt und inszeniert ihn nun als knallige Farce. Sie scheint angesiedelt zu sein im Amerika der 1950er Jahre: King Kong, Elvis Presley und The Munsters treten unter anderem in Erscheinung. Andere (pop)kulturelle Referenzen reichen aber bis in unser Jahrzehnt. Das gilt vor allem für die Musikauswahl. Von Leonard Cohen bis Bright Eyes wird viel und lang gesungen - vielleicht ein wenig zu viel und zu lang. Denn so witzig die Songs auch gesungen und in die Handlung integriert werden: Sie bremsen das Stück. Und erst recht bremst die einzige nicht zum geistreichen Quatsch aufgeblasene, sondern (wenn auch wohlgemerkt in albernen Horrorfilmkostümen gespielte) explizit tragische Sequenz, in der Hero aufgrund finsterer Intrigen von Claudio der Untreue beschuldigt und von ihrem Vater angegriffen wird. Vielleicht liegt es auch an diesen Bremsklötzen, dass nicht jeder Gag zündet und sich vor allem das letzte Drittel der rund zweieinviertelstündigen Inszenierung etwas zieht. Dennoch ist die Fülle an verblüffenden, hintersinnigen oder auch hemmungslos zotigen Einfällen beachtlich.
Die Darsteller
Dass Mayenburgs buntes Programm weitgehend so gut funkioniert, hat er zu großen Stücken seinen Darstellern zu verdanken. Allen voran das herumzickende widerspenstige Liebespaar: Sebastian Schwarz als Benedick und Eva Meckbach als Beatrice attackieren und umtänzeln einander im Stil amerikanischer Screwballkomödien, dass es eine Freude ist. Robert Breyer spielt hingebungsvoll dick aufgetragen das ungleiche Brüderpaar Pedro/John. Und Moritz Gottwald stellt den schmachtenden Jüngling Claudio genüsslich als hibbelig-skrupelloses Kleinkind bloß.
Das Bühnenbild
Einen Teil der Bühne bildet eine zweite Bühne: Hinter einer Showtreppe geht immer wieder Goldvorhang auf. Die Rückwand dieser zweiten Bühne bietet vor allem Platz für die vielen Projektionen teils von Live-Aufnahmen, teils von lustvoll überzeichneten vorproduzierten Szenen, die von Horror- und Kitschfilmen inspiriert sind. Ein großer Teil der Handlung findet derweil vor der Showtreppe statt. Am linken und am rechten Rand steht jeweils eine ringförmige gepolsterte Bank.
Die Publikumsreaktionen
Es gibt viel Szenenapplaus, vor allem nach den Songs. Am Ende wird ausgiebig geklatscht - und ein einzelner Zuschauer wird nicht müde, "Bravo" zu rufen.
Der Spaßfaktor
Überdreht wie der Abend ist, macht er großen Spaß. Es kann sich allerdings auch eine gewisse Sättigung einstellen.















































