
Kurz-Check: "Öffentliches Eigentum" - An allen Ecken geglättet
Die Mediensatire von Sam Peter Jackson liegt weit unter ihren Möglichkeiten. Dem konnte auch die betuliche Inszenierung des Schlosspark Theaters wenig entgegensetzen. So gerät das Stück stellenweise zu einem freundlichen Schlagaustausch zweier älterer Herren. Hier fehlte das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Amüsieren kann man sich trotzdem. Von Ula Brunner
Das Thema
Ein Promi in der Doppelkrise und sein gewiefter Pressesprecher - und zwischen den beiden Alpha-Tieren ein blutjunger Kerl: Drei schwule Männer treten in einem Stück auf, das Mediengeilheit, PR-Strategien und die dünne Trennlinie zwischen privater und öffentlicher Existenz verhandelt.
Die Inszenierung
Die Medienwelt ist hart, eitel und kalkulierbar: Kein Promi kann so tief fallen, dass ihn ein Auftritt in einer Reality-Show nicht wieder zurück in den strahlenden Zenit der Öffentlichkeit rücken kann. "Friss im Dschungel ein paar Ratten, und der Pöbel vergibt dir alles" - mit solchen Ratschlägen wartet jedenfalls Pressesprecher Larry auf, als sein ehemaliger Klient Geoffrey nachts verzweifelt vor seiner Haustür steht. Gerade wurde er von Presse und Fotografen mit dem 16-jährigen Jamie in einer Situation erwischt, die eindeutig kein gutes Licht auf die Seriösität von Englands bekanntestem Nachrichtengesicht wirft. Eigentlich hatte Geoffrey seinen Pressesprecher schon vor Wochen gefeuert, aber nun ist der mit allen Wassern gewaschene Larry seine letzte Rettung. Hin und her geht es zwischen den beiden, was nun zu tun ist, wie man die Wahrheit so zurechtbiegen kann, dass sich Geoffrey die Gunst seines Publikums nicht verscherzt.
Sam Peter Jackson's "Öffentliches Eigentum" ist, das sei vorangeschickt, ein schwaches Stück mit einem großartigen Potenzial: Medienschelte, Homophobie, der Bruch zwischen öffentlicher 'Persona' und Privatmensch - das sind Sujets, die sich zu einem scharfzüngingen Gesellschaftspsychogramm fügen könnten. Doch die Satire bleibt an an der Oberfläche der Möglichkeiten. Dem konnte auch Regisseur Michael Bogdanov im Schlosspark-Theater wenig entgegensetzen.
Im Gegenteil, möchte man sagen. Die Inszenierung kommt über weite Strecken ähnlich betulich daher, wie der behäbige Rainer Hunold ("Dr. Sommerfeld") in der Rolle des Geoffrey. Da fehlen Spritzigkeit und Biss, Kanten, Ecken und der Mut zur Bösartigkeit. Das Ganze wirkt so bieder und brav, dass selbst der sexuelle "Affront" des Nachrichtensprechers nur schwer glaubhaft wird. Auch die darstellerischen Leistungen überzeugen nicht immer - das Zuhören macht trotzdem Spaß wegen der treffenden Dialoge, in denen Jackson die Mediensprache mit viel Sprachwitz und einem klugen Blick für subtile Mehrdeutigkeiten auf's Korn nimmt.
Die Darsteller
Ganz unterschiedlich. Ulrich Gebauer als Larry war ein sicherer Griff in die Besetzungskiste. Ein schwuler Mephistoteles, knallhart, süffisant, intrigant - und durch und durch überzeugend.
Ganz im Gegensatz zu Rainer Hunold, der dem Fernsehpublikum hinreichend bekannt sein sollte aus "Ein Fall für Zwei" und "Dr. Sommerfeld". Sein Geoffrey ist so betulich, so väterlich und so kontrolliert, dass man ihm den innerlich aufgelösten Menschen, dessen Existenz gerade auf dem Spiel steht, einfach nicht glauben mag. Und schon gar nicht den geilen älteren Schwulen, der einem Sechzehnjährigen 100 Pfund zusteckt hat, damit der sich angemessen dafür "bedankt".
Ach ja, der junge Schwule. Arne Gottschling kiekst und kichert als Jamie wie ein naiver Hanswurst, und man fragt sich still, welcher Jugendlicher hier wohl Pate stand. Aus Berlin dürfte er wohl schwerlich gestammt haben.
Das Bühnenbild
Stühle, ein Tisch, ein Sofa, eine Drehbühne. Als Rückprojektionen eine Straßenansicht, einige Einspieler mit Hape Kerkeling und Dieter Hallervorden im nachgespielten Kommentar zu den Ereignissen auf der Theaterbühne. Einfach, sparsam, aber ausreichend.
Das Fazit
"Öffentliches Eigentum" ist eine behäbige, an allen Kanten geglättete Mediensatire, die nirgendwo anecken will, dank pointierter Dialoge aber in der Tat unterhaltsam ist.























































