Pressebild zu "Deeply Really Truly" in den Berliner Sophiensaelen (Copyright: Andre Wunstorf)

Kurz-Check: "Deeply Really Truly" - Das tut mir leid, im Herzen aufrichtig leid …

Präsidenten tun es, fehlbare Sportler-Ikonen und am häufigsten gefallene C-Promis – sich öffentlichkeitswirksam zu entschuldigen. Für die unbeabsichtigt Erschossenen, den Seitensprung oder den verbalen Fauxpas. Eine Produktion in den Sophiensälen über epochale Gesten, reuige Sünder und Heucheleien, dass sich die Balken biegen. Von Jörg Albinsky

Das Thema

Wie entschuldigt man sich dafür, dass bei dem Nato-Angriff auf Belgrad leider auch die chinesische Botschaft zerstört wurde? Was sagt man als Serienmörder vor Gericht Entlastendes in Richtung Angehörige? Und wie inszeniert man als verheirateter Golf-Profi  die öffentlich geforderte Reue und Scham wegen diverser Seitensprünge? Die Palette medial inszenierter Abbitten ist ein festes Ritual unserer TV-Gesellschaft. "Deeply Really Truly" seziert die zentralen Buße-Formeln solcher Auftritte und sortiert sie in Kategorien: Entschuldigungen mit dem Wort "aber", öffentliche Pardons Seit an Seit mit der Ehegattin oder Verteidigungen für etwas, das man eigentlich nicht im Mindesten einsieht. Ein wirklich spannendes Thema – mit großen Gesten, behaupteten und echten mea culpas und eigentlich intimen Eingeständnissen, die von dutzenden Kameras und Richtmikrofonen in die Weltöffentlichkeit geblasen werden.

Die Inszenierung

Als Performance bezeichnen die Initiatoren Lea Martini und Noha Ramadan ihr gut einstündiges Stück, das tatsächlich eher eine vorgetragene Idee ist, eine Etüde. Leider fällt den Macherinnen fast nichts ein, um die faszinierend platten und doch berührenden Zitate berühmter Politiker, Sportler oder Fernsehköchinnen auch optisch umzusetzen. Als Bühnenwerk fehlt es definitiv an Ideen. Besser, Martini und Ramadan hätten es gleich als szenische Lesung tituliert und sich konsequenterweise an Tischen platziert.

Die Darsteller

Dafür allerdings hätte es rhetorisch versierter Schauspielerinnen bedurft. Die drei Akteurinnen hier sind statisch und deklamieren mit einer Andeutung des Tonfalls von Bill Clinton, Julia Gillard oder Tiger Woods. Der Nabelschau der schönsten Pranger-Szenen fehlt leider der Kontrapunkt. 

Das Bühnenbild

Eine Bahn des raumlangen PVC-Belags führt über eine Schaukel in der Höhe und wieder hinunter auf den Boden und schlägt so eine große Welle. Es ist als sei der Boden in Wallung und mit ihm die Gewissheit. Als bögen sich die Balken unter den Beteuerungen, den geheuchelten wie den echten. Das ist klug und schlicht.

Die Publikumsreaktionen

Werkstatt-Atmosphäre. Das Entscheidende wird hinterher besprochen.

Der Spaßfaktor

Sehr gut geeignet für englischsprachige Blinde vor dem Besuch des Dunkelrestaurants. Alle anderen können ja hinterher in Wikipedia nachschlagen, von wem die einzelnen Zitate stammen.

Beitrag von Jörg Albinsky

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