Gunter Gabriel als Johnny Cash bei einer Fotoprobe, Quelle: dpa

Kurz-Check: "Ich, Gunter Gabriel" - Theatervorstellung wird zum Kneipenkonzert

Am Donnerstag, den 23. August feierte "Ich, Gunter Gabriel"  im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Franziska Weigelt war der Deutsch-Country-Sänger Gabriel nicht bekannt, bevor sie sich ins Publikum setzte. Sie erlebte einen befremdenden Theaterabend.

Das Thema

Bis nach ganz oben und schließlich im freien Fall nach unten - der Sänger und Liedermacher Gunter Gabriel hat es mit seiner Gitarre immerhin in die deutschen Hitparaden geschafft. Allerdings, wie er jetzt meint, nur durch Glück. Ebenso waren es erneut "die anderen", die ihn nach unten brachten: Frauen, Drogen, Suff und falsche Freunde. Seinem Durchhaltevermögen, seiner Hartnäckigkeit und seiner Musik verdankt er es, dass er jetzt mit beiden Beinen wieder im Leben steht – und auch wieder auftritt. Mit seinen Liedern erzählt er nun dem Publikum - scheinbar ohne Hemmungen und ganz ungeniert – von seinem lasterhaften Leben.

Die Inszenierung

"Ich bin das Chaos" – so beschreibt sich der Sänger, und so beginnt auch das Stück. Blitzlicht und laute Sirenen, ein dröhnend wummernder Herzschlag, Gunter Gabriel liegt auf einer Bahre. Da erscheint ein Engel, der verlangt, mehr über sein Leben zu erfahren. Und da Gabriel gern erzählt, fängt er an zu berichten: Kindheit = Hölle, Musik = Rettung. Man nimmt es ihm ab, dem Seebären mit rauer Stimme. Etwa 45 Minuten später ist die Handlung quasi vorbei. Gunter Gabriel ist Gunter Gabriel – kein Schauspieler, sondern ein Sänger. Gabriel wiederholt sich mehrfach, Jonny Cash sei sein großes Vorbild. Spätestens gegen Ende des Stücks weiß das jeder, auch diejenigen, die Gabriels erfolgreiches Bühnendebut "Hello, I’m Jonny Cash" vor zwei Jahren im Renaissance-Theater verpasst haben.

Das Bühnenbild

Einfach und spärlich ist das Bühnenbild; etwas anderes hätte zum "einfachen Mann" auch nicht gepasst. Ein paar Autoreifen in der Ecke, auf der anderen Seite ein Felsblock, der (leider nur) zu Beginn des Stücks als Projektionsfläche für  Bilder des jungen Gabriels dient. Während der gesamten Spielzeit steht die vierköpfige Band auf der Bühne.

Die Darsteller

Schauspielerin Barbara Felsenstein, die mithilfe ihrer Tanz- und Gesangseinlagen für Abwechslung in der One-Man-Show sorgt, ist ein Segen. Es wäre schön, mehr von ihr zu sehen und zu hören. Abgesehen der beiden Hauptdarsteller spielen vier weitere Männer eine wichtige Rolle. Die Rede ist von der Band, natürlich! Schlagzeug, Keyboard, Mundharmonika, Gitarre, Bass und sogar eine Pedal Steel Guitar  – ein Instrument, das im Theater nur selten zu hören ist. Die Band macht ihre Sache gut. Gunter Gabriel leistet sich eine Handvoll Versprecher, wirkt allerdings authentisch in seiner Rolle, bis er es nicht mehr aushält und die Rampensau mit lang andauernden Rockstarposen heraus lässt.

Die Publikumsreaktionen

Zur Premiere hat Gabriel seine Fans eingeladen, die nicht mit Zwischenrufen geizten und das restliche Theaterpublikum mit ihrer Euphorie teils mitrissen, teils ihnen auf den Geist gingen. Die Enttäuschung der Genervten bezeugten einige leere Theatersitze nach der Pause. Der Großteil des Publikums applaudiert nach jedem Song, sei es "Love me Tender" von Gabriels Vorbild Elvis, Cash‘s Megahit "Ring of Fire" oder Gabriels selbstkomponiertes Lied "Komm unter meine Decke". Wie bei einem Musikkonzert konnte man auch einige Handyfilmer im Theaterpublikum entdecken.

Der Spaßfaktor

Sie fanden Gunter Gabriel und Countrymusik schon immer toll? - Dann los! Für Musical- und Theaterfans ist das Stück aber nicht zu empfehlen: Auch wenn Regisseur Volker Kühn mit Barbara Felsenstein in der Hauptrolle keine One-Man-Show konzipiert hat, bleibt es ein Gunter-Gabriel-Stück. Pardon, ein Gunter-Gabriel-Konzert.

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