
Kurz-Check: "Ohne Titel Nr. 1 // Eine Oper von Herbert Fritsch" - Knallkoppiaden im Takt des Klimbim
Herbert Fritsch hat wieder zugeschlagen. Der Meister des Bühnen-Gaga bezeichnet sein neues Stück an der Volksbühne als Oper. Doch anstatt neue Akzente zu setzen, wiederholt er das erfolgreiche Slapstick-Konzept seines Ein-Wort-Stücks "Murmel Murmel" - und schnallt sich am Ende nicht ganz zu Unrecht ein Brett vor den Kopf. Von Fabian Wallmeier
Das Thema
Das Thema? Das Thema. Das Thema? Pam. Pampampam. Pampampampampampampam. Thema? Padampampam. Nein, natürlich hat Herbert Fritschs Ausflug ins Opern-Fach kein Thema. Genau wie etwa schon "Murmel Murmel", mit dem er 2012 einen Sensationserfolg an der Volksbühne feierte. Aber muss immer alles ein Thema haben? Pam. Padampampampam.
Die Inszenierung
Natürlich ist Fritschs Oper keine wirkliche Oper. Allenfalls stellt er die Musik noch ein bisschen stärker heraus als etwa bei "Murmel Murmel". Sein Hofmusiker Ingo Günther, ebenfalls bei "Murmel Murmel" schon mit von der Partie, bekommt dieses Mal Verstärkung im Orchestergraben: Das gesamte Ensemble findet sich zu Beginn dort ein, kaspert aufgeregt vor sich hin und setzt dann zu einer Kakophonie zwischen Free Jazz, Chachacha und Glam Rock an. Dann wird auf der Bühne weiter gekaspert.
Die Nonsens-Revue steht in enger Korrespondenz mit der Musik und vor allem den Geräuschen, die Ingo Günther und die anderen beiden im Orchestergraben verbliebenen Musiker erzeugen. Im Takt des Klimbim wird gefurzt, gestolpert, gefallen, geklettert, gerutscht, gesprungen. Und jeder darf dabei einmal aus dem Glied treten und ein kleines Slapstick-Solo spielen, ein paar "Pampampam"-Töne singen, mit Hingabe krächzen oder sinnfreies dialektnahes Kauderwelsch brabbeln. Und so zieht Fritschs Knallkoppiade munter immer weiter. Wer darin einen Sinn sucht, ist selbst schuld.
Doch wer "Murmel Murmel" kennt, den überrascht hier im Grunde auch nichts. Nach deutlich zu langen 100 Minuten und einem Kostümwechsel von knallbunter Vielfalt auf golden schimmernden Einheitslook hat das nicht durchgehend rasante Spektakel ein Ende. Dann beginnt die fritsch-üblich durchgetaktete schräge Verbeugungs-Choreographie, an der auch der Meister selbst teilnimmt. Er trägt ein farblich zu den Kostümen der Darsteller passendes extralanges Brett vorm Kopf. Selbstironie? Nun ja. Padampampam.
Die Darsteller
Fritsch arbeitet wieder mit den landauf landab gecasteten Schauspielern, die er schon für frühere Arbeiten zusammengesammelt hat. Sie kennen ihren Regisseur, ihr Slapstick sitzt - genauso wie die verzerrten Dauergrinsegesichter und die betonierten Perücken. Das ist zweifellos handwerklich sehr gut gemacht. Aber man kennt es halt schon. Pampam.
Das Bühnenbild
Fritsch hat die Bühne ganz leer geräumt und ein überdimensioniertes Sofa in die Mitte gestellt, auf dem alle zwölf Darsteller nebeneinander Platz finden. Sie klettern darauf herum, balancieren über die Kopfstütze, lassen sich von der Lehne baumeln oder verstecken sich dahinter. Warum? Weil es lustig aussieht? Ach nein: Pam. Padampadampampam.
Das Fazit
Wieder gibt es eine durchgeknallte, sehr gut gespielte, aber eben auch vollkommen sinnfreie Slapstick-Parade. Auch wenn Fritsch das Ganze dieses Mal als Oper bezeichnet: Neu ist daran im Grunde nichts. Wer's mag: Padam.























































