
Kurz-Check: "Titus Andronicus" - Schreien, meucheln, morden, sterben
Eine der blutigsten Shakespeare-Tragödien - und eine der verworrensten: Auf der Probebühne der Berliner Volksbühne hat Sebastian Klink mit Schauspielstudenten "Titus Andronicus" inszeniert - und ist damit gescheitert. Statt einer klaren Linie gibt es ein ermüdendes Hin und Her zwischen Ernsthaftigkeit und Farce. Von Fabian Wallmeier
Das Thema
Einmal tief durchatmen, bitte: Titus Andronicus kommt nach einem erfolgreichen Feldzug gegen die Goten zurück nach Rom. Er lässt im Sinne der Tradition den erstgeborenen Sohn der gotischen Königin Tamora ermorden - und die sinnt zusammen mit ihren verbliebenen Söhnen und ihrem Liebhaber Aarron auf Rache. Eigentlich soll Titus Andronicus nun Kaiser werden, doch er lehnt ab, lässt Saturninus den Vorzug und gibt ihm seine Tochter Lavinia zur Frau. Die aber ist schon... nun... also..... An dieser Stelle streckt der Rezensent dezent die Segel. Am Ende jedenfalls sind so gut wie alle tot. "Titus Andronicus" ist eines der verworrensten Shakespeare-Dramen und mit Sicherheit das blutigste: In kaum einer Szene wird nicht verstümmelt, ermordet oder vergewaltigt. Der amerikanisch-britische Dichter T.S. Eliot bezeichnete die Tragödie einst als "eines der dümmsten und uninspiriertesten Stücke, die je geschrieben wurden". Es auf die Bühne zu bringen, ist jedenfalls eine echte Herausforderung.
Die Inszenierung
Natürlich fließt das Theaterblut in Strömen, auch Stümpfe und Gedärme gibt es zu sehen. Leider kann sich aber Regisseur Sebastian Klink - nach "Der Sandmann", seinem ersten Ausflug auf die Hauptbühne, zurück an der Probebühne der Volksbühne, offenkundig nicht entscheiden: Will er den harten Stoff zur Farce aufblasen - oder will er ihn doch irgendwie auch ernst nehmen? Ein wildes und schon bald sehr ermüdendes Durcheinander ist die Folge: Der Text etwa wird hier und da mit umgangssprachlichen Mätzchen versehen, dann wird er wieder staatstragend. Pfiffig hingegen ist die Idee, die Verwirrung der Handlung noch deutlich zu erhöhen, indem die Rollen ständig die Darsteller wechseln. Doch weil Klink die Tragödie zwischendurch eben doch wieder todernst inszeniert, schöpft er das komödiantische Potenzial dieser Idee nicht aus.
Die Darsteller
Schreien, was das Zeug hält, morden, meucheln und dramatisch sterben: "Titus Andronicus" ist ein Fest für die acht Studenten der Schauspielschule "Ernst Busch", mit denen Klink hier gearbeitet hat. Es macht Spaß, ihnen beim Austoben zuzusehen. Nur leider sind sie von all den Rollen- und Stimmlagenwechseln, die Klink ihnen zumutet, auch manchmal sichtlich überfordert.
Das Bühnenbild
Das Bühnenbild ist spärlich. Man sitzt als Zuschauer mitten drin im Geschehen: Ein breiter Laufsteg durchtrennt den Zuschauerraum in der Mitte - und die Darsteller steigen immer wieder von der Bühne herab, um direkt vor den Füßen des Publikums zu spielen. In der Bühnenmitte steht ein weißer Verschlag, links und rechts davon sind freie Spielflächen.
Die Publikumsreaktionen
Zwischendurch viel Gelächter, am Ende stürmischer Applaus.
Das Fazit
Sebastian Klinks unentschlossene Inszenierung sorgt für einen wenig erfreulichen Theaterabend. Die knapp zwei Stunden lohnen sich allenfalls wegen der spielfreudigen Darsteller.























































