Kräne stehen am 28.05.2014 auf der Baustelle des Berliner Schlosses - Humboldtforum in Berlin. (Bild: dpa)
Audio: Inforadio | 23.07.2014 | Annette Miersch

Baufortschritt am Berliner Stadtschloss - Stiftung sieht Humboldt-Forum wunderbar im Plan

Hier stand einst das Berliner Stadtschloss - und hier wird es in jahrelanger Arbeit wieder aufgebaut. Bis 2019 soll mitten in der Stadt mit dem neuen alten Schloss das Humboldt-Forum entstehen. Doch wie geht es voran mit dem "wahrscheinlich wichtigsten Kulturprojekt Deutschlands in diesem Jahrhundert"?

Seit Juni 2012 wird auf der Schlossplatzwiese in Berlin-Mitte gebaut - das sogenannte Humboldtforum soll das Stadtschloss beherbergen - mit Museen, Bibliotheken, Veranstaltungsräumen. Von außen soll das Gebäude dem alten Schloss gleichen – zumindest von drei Seiten. Auf der östlichen Seite Richtung Spree und Alexanderplatz wird die Fassade schlicht und modern.

Innen wird es eher modern zugehen: Rekonstruiert werden nur drei barocke Fassaden einer der beiden Innenhöfe, dem Schlüterhof. Doch was genau soll im Gebäude zu sehen sein? Bei Berlin-Besuchern herrscht Unwissenheit vor, wie rbb-Reporterin Annete Miersch bei ihrer Umfrage vor Ort herausfand. An bundesweiter Popularität könnte das Projekt Humboldt-Forum also durchaus noch zulegen.

Richtfest im Frühjahr 2015 möglich

"Wunderbar im Plan" ist man dagegen beim Kosten- und Zeitrahmen, wie der Chef der Stiftung Humboldt-Forum, Manfred Rettig, bestätigte - und der die rbb-Reporterin mit den Worten "Willkommen auf einer funktionierenden Baustelle!" begrüßte. Schon Ende des Jahres soll der Rohbau "sichtbar fertig" sein, so dass im Frühjahr 2015 Richtfest gefeiert werden könne. Ende 2017/Anfang 2018 soll das Gebäude dann "baufertig" sein, danach könne man mit der Einrichtung beginnen. Ab der zweiten Hälfte 2019 werde dann sukzessive die Eröffnung erfolgen.

Eine Menge nacharbeiten müsse das Land Berlin jedoch noch bei der Gestaltung der Schloss-Umgebung. Diese müsse sich dem repräsentativen Charakter des Forums anpassen, forderte Rettig. So sollte der Neptunbrunnen an seinen historischen Standort an der Breiten Straße zurückkehren - dann würde eine Sichtachse zum Granitbrunnen im Lustgarten entstehen.

"Das Spannende ist die Software"

Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zukunft Berlin, glaubt an das Humboldt-Forum. Es sei nicht nur ein Gebäude, sondern "das wahrscheinlich wichtigste Kulturprojekt Deutschlands in diesem Jahrhundert", sagte er dem rbb. Doch auch wenn das Schloss steht, werde der Bau "ein großes Projekt in Entwicklung" sein. Man müsse sich auch weiterhin mit der inhaltlichen Ausrichtung beschäftigen.

Mit den geplanen Ausstellungen, die in das Schloss ziehen werden, seien die wesentlichen Rahmenbedingungen gesetzt, "die Hardware". "Das Spannende ist aber die Software", betonte Hassemer. Das Haus solle nicht nur an die Kulturen der Welt erinnern, sondern auch mit ihnen Kontakt aufnehmen. Sie könnten sich in Berlin zeigen, damit man sie besser verstehe. Das müsse der Anspruch des Humboldt-Forums sein, hier dürfe man nicht zu kurz springen. "Wir haben uns entschieden, diesen Ort, die Mitte Berlins, den Kulturen der Welt zur Verfügung zu stellen".

Fast 600 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum ist Bauherrin des Humboldt-Forums, sie wird später auch Eigentümerin des neuen Schlosses sein. Im 14-köpfigen Stiftungsrat stellen Vertreter des Bundestags und der Bundesregierung mit acht Sitzen die Mehrheit, hinzu kommen zwei Vertreter des Landes Berlin und jeweils die vier Entscheider der zukünftigen Nutzer, wie etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Beschlossen hatte den Wiederaufbau der Bundestag bereits im Sommer 2002, damals hatte dort die Koalition aus SPD und Grünen die Mehrheit.

Die geplanten Gesamtkosten betragen 590 Millionen Euro, davon zahlt der Bund 478 Millionen und das Land 32 Millionen Euro. Der angestrebte Spendenanteil beträgt 80 Millionen Euro.

(mit Informationen von Annette Miersch und Dietmar Ringel)

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