In Potsdam werben seit Donnerstag (30.10.2014) große Plakatwände für den Wiederaufbau der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Garnisonkirche (Foto). Auf den beiden je acht Quadratmeter großen Bauschildern ist der frühere Kirchturm abgebildet, der als einer der schönsten barocken Türme Norddeutschlands gelte, teilte die Stiftung Garnisonkirche mit (Quelle: imago/epd)

Öffentlichkeit soll "umfassend informiert werden" - Befürworter und Gegner der Garnisonkirche wollen mehr reden

Ihr geplanter Wiederaufbau ist stark umstritten, die Gelder dafür fehlen noch zur Hälfte. Trotzdem kommt offenbar etwas Bewegung in den Bürgerdialog zur Potsdamer Garnisonkirche. Befürworter und Gegner ihres Wiederaufbaus planen Diskussionsrunden für Mitte Februar.

In den geplanten Bürgerdialog zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche kommt offenbar Bewegung. Statt des im Dezember vorgeschlagenen Bürgergutachtens von mehreren zufällig ausgewählten Einwohnern der Stadt seien nun Diskussionsrunden über das umstrittene Bauvorhaben und weitere städtebauliche Fragen geplant, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag nach einem Treffen mit verschiedenen Beteiligten mit.

Damit solle unter Einbeziehung von Experten, den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und weiteren Interessengruppen eine "möglichst breite Öffentlichkeit erreicht, umfassend und fair informiert werden", hieß es. "Wir müssen den Fokus erweitern", sagte der frühere Brandenburger Verfassungsrichter Matthias Dombert, der Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist. Es gebe großen Diskussionsbedarf über die Entwicklung der Potsdamer Mitte, der über das Areal am historischen Standort der Garnisonkirche hinausgehe.

Bürgerbefragung - ja oder nein?

Auch zu der von der Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" geforderten Bürgerbefragung wollen die Gruppen im Gespräch bleiben, hieß es weiter. Es bestehe die Möglichkeit, dass die bereits erteilte Baugenehmigung für den Turm der Garnisonkirche nicht genutzt werden könne, erklärte Carsten Linke vom "Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam". Für diesen Fall müsse ein Votum "von so vielen Potsdamerinnen und Potsdamern wie möglich" zur Nutzung des Geländes eingeholt werden.

Über eine mögliche Bürgerbefragung und geeignete Fragestellungen solle in den kommenden Monaten weiter diskutiert werden, hieß es. Der Hauptausschuss des Stadtparlaments will sich am 10. Februar über den aktuellen Planungsstand informieren. Die Vorbereitungsgespräche der verschiedenen Gruppen von Befürwortern und Gegnern der Kirche sollen am 15. Februar fortgesetzt werden.

Die Potsdamer Garnisonkirche wurde im April 1945 bei einem alliierten Luftangriff weitgehend zerstört und 1968 abgerissen. Gegner des Wiederaufbaus argumentieren unter anderem mit der Militärgeschichte der Barockkirche - am 21. März 1933, dem "Tag von Potsdam", reichten sich dort Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler demonstrativ die Hand. Befürworter stellen hingegen vor allem die städtebauliche Bedeutung der Kirche in den Mittelpunkt.

Für den Wiederaufbau fehlen noch fast die Hälfte der benötigten Gelder

Weil 2013 eine Baugenehmigung für einen neuen Kirchturm erteilt wurde und diese bis 2019 gilt, müssen die Bauarbeiten nach Angaben der Fördergesellschaft spätestens 2018 beginnen und 2020 beendet sein. Derzeit werde der Baubeginn sogar für 2017 angestrebt, wie die Fördergesellschaft in der vergangenen Woche mitteilte.

Allerdings fehlen dafür noch rund 17 Millionen Euro. Von den kalkulierten knapp 38 Millionen Euro veranschlagten Kosten seien bisher rund 6,6 Millionen Euro eingegangen und bereits zu großen Teilen für die Planung eingesetzt worden, hieß es. Weitere rund 2,4 Millionen Euro stünden von Förderern und Unterstützern in Aussicht. Der Bund habe 12 Millionen Euro zugesagt, die allerdings erst ab Baubeginn zur Verfügung stünden. Die momentan noch fehlenden 17 Millionen Euro sollen in diesem Jahr durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit eingeworben werden.

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1 Kommentare

  1. 1.

    Ich wäre froh, wenn den Querulaten nicht mehr so viel Raum gegeben wird. Es gibt längst eine Entscheidung und es ist Sache des privaten Bauherrns, ob er das Geld aus Spenden zusammenkriegt. Die Verhinderer sind bereit jede Sau durch das Dorf zu treiben, sich sogar als SA-Männer zu verkleiden, solche Personen muss man besser ignorieren. Don't feed the troll, heißt das im Internet. Potsdam muss das noch lernen. Statt dessen belohnen sie die Querulaten mit Aufmerksamkeit und dem Eingehen auf ihre Punkte, dabei kann niemand es denen Recht machen. Getroffene demokratische Entscheidungen müssen exekutiert werden, nicht für jeden Querulaten, der laut und schrill genug brüllt, wieder aufgemacht werden.

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