Ein Model präsentiert Mode des Berliner Modelabels Sopopular am 07.07.2015 bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin (Quelle: dpa)

Berlin Fashion Week 2015 eröffnet - Blinkende Kleider und Öko-Design

Vier Tage Berlin Fashion Week, drei Tage Potsdam Now: Die deutsche und internationale Modewelt kreist in diesem Jahr um digitalisierte Mode, Bio-Kleidung und die unsichere Zukunft der Branche. Los ging es in Berlin am Dienstag mit Japan-Style - und in Potsdam mit Spreewaldgurken.

Mit japanisch inspirierter Avantgardemode für den Mann hat das Berliner Label Sopopular am Dienstag die Sommerausgabe der Berliner Fashion Week eröffnet. Neben Understatement in Schwarz, Weiß und Grau sorgte ein militärisches Oliv für den einzigen Farbtupfer.

In den nächsten vier Tagen laufen nun mehr als 50 Shows, verteilt auf verschiedene Orte in der ganzen Stadt. Zelt und Laufstegschauen stehen in diesem Jahr wieder am Brandenburger Tor. Im vergangenen Sommer musste die Fashion Week wegen der Fußball-WM in eine Eislaufhalle im Stadtteil Wedding ausweichen.

Zu den – wenigen – großen Namen auf dem Laufsteg zählen Marc Cain, Kilian Kerner und Guido Maria Kretschmer. Auch die Österreicherin Lena Hoschek zeigt ihre neue Kollektion. Die "Michalsky Stylenite" ist wieder das gesetzte Highlight für den letzten Abend am Freitag. Bei der Fashionweek im Januar hatte der Berliner Designer seine Show abgesagt und das Geld stattdessen für die Ebola-Hilfe gespendet.

Auch Potsdam Now gestartet

Bereits seit Montagabend ist Potsdam im Rahmen der Berliner Fashion Week unterwegs: Die zweite Edition von Potsdam Now präsentiert drei Tage lang Designer aus der Region und internationale Labels. Eröffnet wurde die Schau am frühen Montagabend von der jungen Lübbenauerin Sarah Gwiszcz, die traditionelle sorbische Tracht neu interpretiert - und erstaunlich modische, coole Entwürfe präsentiert. Bevor es auf dem Laufsteg losging, wurden aber thematisch passend erst einmal Spreewaldgurken an die Gäste verteilt.

Die Veranstalter von Potsdam Now erwarten mehr als 2.000 Besucher zu den zwölf, für jedermann zugänglichen Shows. Partnerland ist dieses Mal Portugal. Neben der portugiesischen Stardesignerin Susana Bettencourt werden Hugo Costa und Daniela Barros ihre Kollektionen vorstellen. Ebenso unter den Gästen: der Italiener Francesco Scognamiglio (Lieblingsdesigner unter anderen von Rihanna und Heidi Klum) sowie der Schwede Lars Wallin, der seit 25 Jahren die schwedische Königsfamilie einkleidet.

High Tech zum Anziehen

Eines der großen Themen der Fashion Week in Berlin ist in diesem Jahr ökologisches Design. Im Greenshowroom mit der Ethical Fashion Show am Postbahnhof am Ostbahnhof dreht sich alles um faire Kleidung – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie jedes Jahr ist auch diesmal wieder "Curvy is sexy" angesagt: In Spandau präsentieren 70 Labels Mode für alle ab Größe 38.

Inhaltlich setzt die Fashion Week fort, was sie im Januar bereits begonnen hat: Wearable IT und Fashion Tech spielen auch im Sommer eine große Rolle in der Hauptstadt der Startups. In Zusammenarbeit mit der Re:publica präsentiert die Premium-Modemesse in der Station am Gleisdreieck Kleidungsstücke aus dem 3D-Drucker sowie Mode, die den Blutdruck messen kann oder Bremslichter für das Fahrrad integriert hat. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft prämiert die besten Ideen am Mittwochabend. Der erste Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, insgesamt werden 30.000 Euro Preisgeld vergeben.

Ein Model in einer Kreation von Sarah Gwiszcz (Quelle: Denny Maaß/Foto-Michaelis)
Die Kollektion von Sarah Gwiszcz interpretiert sorbische Tracht

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht Berlin prädestiniert für die Kombination von Technologie und Mode. "Neue und faszinierende Produkte sind durch die Zusammenführung von digitalen Technologien, künstlerischer Inspiration, Experimentierfreude und unternehmerischer Risikobereitschaft entstanden", sagte er wenige Tage vor der Eröffnung der Fashion Week. Der Mode-Markt sei aber hart umkämpft und zum globalen Markt geworden. "Um Erfolg zu haben, müssen die Wettbewerber sich immer wieder neu erfinden."

Bread and Butter wieder auf dem Tempelhofer Feld

Auch die Bread and Butter ist wieder da und darf auf das Tempelhofer Flughafengelände – das war nach der angemeldeten Insolvenz und einem langen hin und her lange unsicher. Im Januar musste die beliebte Veranstaltung ausfallen. Nun liegen die Geschicke eines der wichtigsten Fashion Events Berlins in den Händen der Modekette Zalando. Ab kommendem Jahr soll die Bread and Butter ein neues Konzept bekommen, von dem jedoch bisher nur bekannt ist, dass sich die Zielgruppe ändern soll. Künftig will sich die Modemesse nicht mehr an Händler, sondern an die Kunden direkt wenden. Die Insolvenz soll bis Oktober beendet sein, sagte der der Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff.

Ein Model präsentiert ein schwarzes Kleid, das mit einer violetten LED-Installation ausgestattet ist, und ein Armband, mit dem unter anderem Mails gelesen werden können. (Quelle: dpa)
Ein blinkendes Kleid und ein Armband, um E-Mails zu lesen: Wearable Fashion Tech

Nach wie vor ist geplant, dass die Bread and Butter zwei Mal jährlich auf dem Tempelhofer Feld gastiert. Sie ist im Unterschied zu den meisten großen Shows öffentlich zugänglich. Die exklusiven Schauen können oft nur geladene Gäste sehen.

Quo vadis, Modewelt?

Um die Zukunft der Modebranche wird es wohl auch am Rande der Schauen und bei den Abendveranstaltungen gehen. Berlin hat Probleme, die ganz großen Namen anzulocken. Wolfgang Joop beispielsweise weigert sich seit Jahren, zu kommen.

Doch es geht auch um die Haltung der Haute Couture gegenüber Billiganbietern. Michael Michalsky kündigte bereits an, sein Label neu zu positionieren. "Die Mode ist tot, es lebe die Mode", verkündete er Tage vor der Eröffnung. Sein Selbstverständnis und seine Aufgaben als Designer hätten sich gewandelt, sagte er. "Heute kopieren nicht die Chinesen, heute kopieren die großen Anbieter."

Fashion Week in Berlin

Visionär und fair

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