Berlins früherer Regierender Bürgermeister und jetzige Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), mit seinem "legendären" roten Schal (Bild: dpa)

Interview | Walter Momper über den Karneval der Kulturen - "Den ganzen Tag Getrommel"

Berlins Ex-Bürgermeister Walter Momper kennt den Karneval der Kulturen seit seinem Beginn. Inzwischen sieht er das Fest kritisch: Heute sei es "lackierter" und eine Belastung für die Anwohner, sagt er im rbb-Interview. Für die Zukunft hat er einen Vorschlag.

rbb online: Sie wohnen mitten in Kreuzberg und haben vor zwanzig Jahren die Anfänge des Karnevals der Kulturen miterlebt. Gehen Sie da heute noch hin?

Walter Momper: Nee. Früher, als das noch neu war, ist man dort hingegangen, da hatte es Neuigkeitswert. Den hat es aber inzwischen nicht mehr, also kann man sich das auch schenken. Heute flüchte ich eher aus der Stadt.

Hat der Karneval seinen ursprünglichen Charakter behalten?

Ich war vor vier, fünf Jahren nochmal dort. Er ist professioneller geworden und sieht ein bisschen lackierter aus als früher.

Der Erfolg der Veranstaltung hat auch Kritiker hervorgebracht. Was halten Sie von der Entwicklung?

Wenn da über eine Million Zuschauer hingehen, hat das Fest für die ja offenbar einen Wert. Es ist bestimmt auch ganz lustig, fremde Kulturen auf der Straße tanzen zu sehen und an den Buden deren Speisen zu verspeisen. Aber für die Anwohner ist der Karneval inzwischen eine ziemlich große Belastung.

Inwiefern?

Sie hören den ganzen Tag Getrommel, es ist anhaltend laut. Dazu kommt, dass die Behörden exzessive Parkverbote verhängen. In dieser Beziehung hat das Bezirksamt sie nicht alle. Alle beteiligten Straßen und auch die dazwischen werden gesperrt! Ich wohne in der Fichtestraße, genau in der Mitte. Und morgens machen sie auf der einen Seite an der Urbanstraße dicht und auf der anderen Seite an der Hasenheide. Und dann bist du gefangen.

Es gab mal eine Anwohnerinitiative gegen den Karneval, waren Sie daran beteiligt?

Nein, das würde ich auch nicht machen. An sich finde ich die Veranstaltung ja ganz gut. Eine Hauptstadt muss ihre Offenheit für fremde Kulturen ganz praktisch zeigen. Und das ist der Hauptpunkt bei diesem Fest: mal etwas anderes zu sehen als die üblichen deutschen Straßendemonstrationen. Doch warum kann das nicht auch mal in einem anderen Stadtteil stattfinden? Ich fände es ganz lustig, so was mal in Steglitz-Zehlendorf zu machen. Berlin ist dort genauso weltoffen wie in Kreuzberg.

Was halten Sie von der Idee, den Karneval ganz auf das Tempelhofer Feld zu verlegen?

Das halte ich für eine gute Idee. Das Fest wäre dann allerdings etwas anders, es würde dort zum Beispiel keinen Sinn machen rumzuziehen. Doch man könnte auf der Landebahn von Stand zu Stand und zu den Bühnen gehen. Auf dem Tempelhofer Feld belästigt man auch niemanden. So viel Lärm können die gar nicht erzeugen.

Das Interview mit Walter Momper führte Friederike Schröter

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