66. Internationale Filmfestspiele in Berlin, 11.02.2016, Eröffnungsgala und Filmpremiere «Hail, Caesar!»: Lars Eidinger (l-r), Brigitte Lacombe, Meryl Streep, Dieter Kosslick, Alba Rohrwacher, Malgorzata Szumowska, Nick James und Clive Owen (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Gala und Eröffnungsfilm im Berlinale Palast - Berlinale mit "Hail, Caesar!" eröffnet

Mit einer gewohnt gewitzten Gala und allerlei Filmprominenz ist am Donnerstag die 66. Berlinale eröffnet worden. Besonders Jury-Präsidentin Meryl Streep und Filmstar George Clooney wurden auf dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast von den Berliner Fans gefeiert. Dort feierte "Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern als Eröffnungsfilm seine internationale Premiere.

Mit großem Staraufgebot und politischer Prominenz haben die 66. Berliner Filmfestspiele am Donnerstagabend begonnen. An der von Comedian Anke Engelke moderierten Festgala nahmen unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie Berlinale-Direktor Dieter Kosslick teil.

In ihrer Begrüßungsrede hob Kulturstaatsministerin Grütters den politischen Charakter der Filmfestspiele hervor. Das Festival finde in bewegten Zeiten statt, sagte die Politikerin mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Gerade vor diesem Hintergrund sei das Berlinale-Motto "Ein Recht auf Glück" gut gewählt. Auch Michael Müller widmete sich in seiner Rede den Flüchtlingen und warb für Solidarität mit Flüchtlingen. Diese kämen, weil sie in ihrer Heimat in bitterer Not lebten, so Müller.

Ein 36 Meter langer roter Teppich

Zahlreiche internationale Stars waren bei der Eröffnungsfeier im Berlinale Palast dabei, unter anderen Jury-Präsidentin Meryl Streep und Hollywood-Schauspieler George Clooney. Beide wurden schon vorher von ihren Fans enthusiastisch empfangen. Immer wieder schallten "Meryl! Meryl! Meryl!"-Rufe über den 36 Meter langen roten Teppich, über den auch Filmgrößen wie Channing Tatum und Tilda Swinton flanierten. Auch etliche deutsche Filmstars waren bei der Eröffnung dabei: Iris Berben, Jan Josef Liefers, Julia Jentsch, Elyas M'Barek, Doris Dörrie und Wim Wenders fanden sich auf der Gästeliste wieder. Während Kameramann und Lebenswerk-Preisträger Michael Ballhaus bei der Gala fehlt, schaute dafür der chinesische Künster Ai Weiwei vorbei.

Sie alle konnten direkt im Anschluss die internationale Premiere der Hollywood-Satire "Hail, Caesar!" mitverfolgen. Der Berlinale-Eröffnungsfilm von den Regie-Brüdern Joel und Ethan Coen läuft bei der Berlinale im Wettbewerb außerhalb der Konkurrenz und startet regulär in einer Woche in den deutschen Kinos. Während der Premierenvorstellung am Donnerstag gab es schon mal mehrfach Szenenapplaus.

Meryl Streep: "Es ist immer schön, der Boss zu sein."

Bereits am Donnerstagvormittag hat sich die Internationale Jury der diesjährigen Filmfestspiele den Fotografen und der Presse vorgestellt. Jury-Präsidentin Meryl Streep gab zum Besten, "keine Ahnung" zu haben "wie man das macht", verwies aber auf bisherige Erfahrungen, "Boss zu sein" - zum Beispiel in ihrer Familie. "Ich finde die Jury fantastisch", so Streep weiter. "Es ist wirklich toll, mit Leuten zusammen zu sein, die den Film lieben wie ich." Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger, so Streep auf Nachfrage, stehe schon unter ihrer Fuchtel. Dann wurde sie ernsthafter: "Letzten Endes habe ich zwei Simmen und alle anderen nur eine. Das ist der Unterschied."

Szumowska betonte die große Verantwortung, die die Jury trage. Denn ihr eigener gewonnener Bär habe ihr enorm weitergeholfen in ihrer Karriere. "Ich hatte seither viele neue Chancen. Aber es ist auch ein bisschen wie Urlaub. Mit so coolen Leuten." Schauspieler Clive Owen ergänzte: "Wir feiern alle Filme bei diesem Filmfestival, können aber nur ein paar auszeichnen.". Und auch der Filmkritiker Nick James weiß: "In der Jury zu sein ist ernsthafte Arbeit".

"Ein Sechser im Film-Lotto"

Mit dem Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!" ist am Donnerstagabend im Berlinale Palast der Startschuss gefallen für zehn Tage Ausnahmezustand in der Berliner Filmlandschaft. Auf der Berlinale-Pressekonferenz zu "Hail, Caesar!" beschrieb Regisseur Joel Coen den Film als eine "romantisierte Idee von Hollywood in den 1950ern".

Im Mittelpunkt von "Hail, Caesar!" steht ein Mann (Josh Brolin), dessen Job es ist, die Affären und Skandale der Stars aus den Schlagzeilen zu halten. Als der Star eines Sandalenfilms (George Clooney) entführt wird, bekommt er allerdings ein Problem.

George Clooney trifft Angela Merkel

Für Festival-Chef Dieter Kosslick ist "Hail, Caesar!" ein "Sechser im Film-Lotto", wie er dem rbb sagte: "Es ist ein Film, der das Filmgeschäft reflektiert, er wirft große philosophische Fragen auf und ist gleichzeitig noch extrem witzig und mit großen Stars." Mit George Clooney zum Beispiel, der am Donnerstag überall im Rampenlicht stand.

Als Clooney auf der Pressekonferenz zu "Hail, Ceasar!" auf sein Engagement in der aktuellen Flüchtlingskrise angesprochen wurde, kündigte er für Freitag ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an, die er vorab für ihre Flüchtlingspolitik lobte. Er wolle sie fragen, "wie wir helfen können", und hat gefordert, dass die USA sich mehr engagieren müssten. Außerdem will Clooney während seines Aufenthalts in Berlin Flüchtlinge besuchen.  

Der große Wunsch nach Heimat

Um die Bären konkurrieren in diesem Jahr 18 Filme, 23 werden im Wettbewerb aufgeführt. Insgesamt kommen auf der Berlinale 434 Filme unter dem Motto "Recht auf Glück" zur Aufführung. Als politisches Festival komme man an dem aktuellen Thema "Flucht" nicht vorbei, sagte Kosslick dem rbb, viele Filme beschäftigen sich deshalb mit dem "großen Wunsch" nach Heimat und beziehen damit das Anliegen der Flüchtlinge mit ein. Ein Beispiel ist der italienische Dokumentar-Film "Fuocoammare (Fire at Sea)", der den ständigen Ausnahmezustand auf der Insel Lampedusa und die getrennten Welten der Flüchtlinge und der Insel-Bewohner zeigt.  

Acht rbb-Koproduktionen auf der Berlinale

Mit dem Thema Flucht beschäftigt sich auch der Film "Meteorstrasse", der die Sektion "Perspektive Deutsches Kino" eröffnet und im Rahmen der Filminitiative "Leuchtstoff" vom rbb und dem Medienboard Berlin-Brandenburg entstanden ist. In dem semi-dokumentarischen Film sucht der 18-jährige Mohammed, dessen Eltern Deutschland verlassen mussten, nach Orientierung in einer unberechenbaren Welt. Insgesamt laufen acht rbb-Koproduktionen auf der Berlinale.

30 Jahre Teddy-Award

Neben dem Goldenen und den Silbernen Bären wird in diesem Jahr zum 30. Mal der Teddy-Award vergeben, der bedeutendste queere Filmpreis weltweit. 1987 wurde der Preis für Filme mit Transgender oder schwul-lesbischem Hintergrund zum ersten Mal vergeben. Damals gewannen die heutigen Weltstars Pedro Almodovár und Gus van Sant.

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