66. Internationale Filmfestspiele Berlin, 15.02.2016, European Shooting Stars 2016: Jella Haase (Deutschland). Die Berlinale findet vom 11. · 21.02.2016 statt (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Interview | Jella Haase ist Berlinale "Shooting Star" - "Vor Chantal hatte ich richtig Bammel"

Ein Mädchen in der Psychiatrie, eine Prostituierte, die Prolltussi "Chantal" in "Fack ju Göhte": Die Berlinerin Jella Haase ist der deutsche "Shooting Stars" auf der Berlinale. Im Interview spricht sie darüber, wo sie die Grenze zwischen privat und öffentlich zieht.

rbb: Frau Haase, was war das für ein Gefühl, als Sie erfahren haben, dass Sie ein "Shooting Star" sind?

Ich habe mich sehr gefreut. Ich war gerade auf der Rückfahrt nach Berlin. Wir sind gerade mit unserem Film "4 Könige" durch Deutschland getourt und ich hatte schon wieder vergessen, dass ich für die Shootingstars vorgeschlagen bin, weil mir das im Oktober oder November gesagt wurde. Dementsprechend überrascht war ich. Ich habe dann ganz schnell meine Familie und meine Agentin angerufen und mich sehr gefreut.

"Shooting Stars" auf der Berlinale waren zuvor schon Daniel Brühl und Anna-Maria Mühe. Wissen Sie was Sie in den kommenden Tagen erwartet?

Jannis Niewöhner, der im vergangenen Jahr Shooting Star war, hat mich angerufen, mir gratuliert und ich habe ihn darum gebeten, mir ein bisschen zu erzählen. Er hat mir gesagt, dass neun weitere junge Menschen genauso aufgeregt sein werden, wie ich - wir sind ja zehn Shooting Stars. Ich glaube es wird eine sehr spannende, aber auch sehr anstrengende Zeit.

Was wird in der Zeit genau passieren?

Die Tage sind durchgeplant. Morgens sind oft Pressekonferenzen, dann werden Fotos gemacht. Es findet viel Austausch statt. Casting-Direktoren und Produzenten aus aller Welt kommen zu Essen und Partys. Dort hat man denn die Chance, sich vorzustellen und ein bisschen Smalltalk zu machen.

Viele Netzwerktreffen, sozusagen.

Ja, das sind ganz wichtige Dinge.

In den Filmen "Kriegerin", "4 Könige" und im Tatort "Puppenspieler" spielen Sie junge Frauen in schwierigen Situationen. In der Psychiatrie, oder als junge Prostituierte. Ein breites Publikum kennt Sie aber auch durch ihre Rolle in den "Fack ju Göhte" Filmen. Wie war es die Prolltussi "Chantal Ackermann" zu spielen? War das anspruchsvoll?

Auf jeden Fall. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt in so einem großen kommerziellen Film funktioniere. Vor "Fack ju Göhte" war ich in ernsteren Genres unterwegs, deshalb war es für mich nicht selbstverständlich, dass ich komisch sein kann. Ich denke aber, dass Komik und Tragik ganz nah beieinanderliegen. Vor Chantal hatte ich großen Respekt. Ich wusste nicht, ob man mir die Rolle abnimmt, weil ich so etwas noch nie zuvor gespielt hatte. Aber das Drehbuch ist auf den Punkt geschrieben, eine grandiose Skizze. Irgendwann musste ich dann darauf vertrauen, dass das lustig ist und ankommt. Aber ich hatte natürlich auch Bammel davor.

Und hat es Spaß gemacht?

Natürlich! Das war einer der lustigsten Drehs. Ich habe dort tolle Kollegen kennengelernt.

Sie sind Berlinerin, 1992 geboren, in Kreuzberg aufgewachsen. Schon als Kind haben Sie Theater gespielt, aber nie eine Schauspielausbildung gemacht. Warum?

Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt. Ich wollte die Schule schmeißen und auf die Schauspielschule gehen, da war ich 17. Dann habe ich aber doch mein Abitur gemacht. Ehrlich gesagt, hatte ich auch einfach vor der Aufnahmeprüfung Angst hatte. Aber ich hatte schon Lust, ich würde auf gar keinen Fall sagen: "Ich bin zu gut dafür". Die Meinungen zu dem Thema sind auch sehr unterschiedlich. Die eine Hälfte sagt: "Du brauchst es", die andere: "Nein, mach' es nicht, wenn Du nicht fest ans Theater gehen möchtest". Insofern habe ich weiter mein Ding gemacht. Vielleicht kommt es doch noch zu Stande. Ich glaube bis 24 darf man an die Schauspielschule.

Jella Haase bei der Eröffnung der Berlinale2016 im Berlinale Palast. (Quelle: imago | Agentur Baganz)
Jella Haase auf der Berlinale 2016

Hätten Sie denn mal Lust darauf Theater zu spielen?

Ich habe einen wahnsinnig großen Respekt vor dem Theater. Als Schauspieler muss man ganz andere Kondition mitbringen, wenn man drei Stunden am Stück durchspielt. Ich war zuletzt in der Schaubühne, da dachte ich: eine Ausbildung ist unumgänglich ist.

Wie hat sich Ihr Leben seit Ihren Filmerfolgen verändert?

Ich werde manchmal auf der Straße angesprochen oder erkannt, aber das hält sich in Grenzen. Optisch unterscheide ich mich sehr stark von "Chantal". Ich glaube auch, dass viele Leute nicht damit rechnen, dass das ich mein Leben ganz normal weiterführe: ich fahre jeden Tag U-Bahn, mache alle Dinge, die ich bis jetzt auch gemacht habe. Ein sehr guter Freund hat zu mir gesagt: "Du gehst nicht mit Jeans und Pulli auf den roten Teppich!", das soll mich schützen. So kann ich unerkannt bleiben, weil es eine öffentliche und eine private Ebene gibt.

Gerade tragen Sie einen großen Pulli und schwarze Leggins. Ist das jetzt privat oder öffentlich?

Das ist jetzt privat.

Haben Sie sich für die Berlinale denn schon Klamotten herausgesucht?

Ja, ich hatte ein Fitting mit meinem Stylisten, dem Designer Kilian Kerner. Wir sind sehr eng befreundet und haben einen ganzen Tag lang Klamotten anprobiert. Das war anstrengend aber auch schön. Es macht etwas mit einem, wenn man sich gut kleidet. Man bekommt ein anderes Selbstbewusstsein und ein anderes Auftreten. Man unterschätzt manchmal die Kraft der Kleidung und der Schminke.

So sieht die "öffentliche" Jella Haase aus. Das Outfit hat die Schauspielerin auf einem Pressetermin getragen und auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht.

Der Erster Pressetag für die European shootingstars war heute . ARTE metropolis, rbb Abendschau, Zdf ,zdf morgenmagazin,...

Posted by Jella Haase on Montag, 25. Januar 2016

 

Sie sind zurzeit auf Teenie-Rollen abonniert. Was für Anfragen bekommen Sie?

Viele und sehr unterschiedliche Anfragen. Darüber bin ich sehr glücklich. Ich finde von der Jugend geht eine große Faszination aus. Junge Frauen auf der Schwelle zum Erwachsen werden - ich finde es spannend mich da anzunähern.

Die deutschen Shooting Stars der Berlinale seit 1998

Das Gespräch führte Shelly Kupferberg vom rbb Kulturradio

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