Ein Plakat weist am 27.01.2016 am Potsdamer Platz in Berlin auf die 66. Berlinale hin. Vom 11. bis zum 21.02.2016 finden die Berliner Filmfestspiele am Potsdamer Platz statt. (Quelle: dpa)

Bär statt Grafik - Eine Liebeserklärung an das Berlinale-Plakat

Meist war der Bär bisher auf dem Berlinale-Plakat nur in seiner Trophäenform angedeutet, doch dieses Jahr ist alles anders: Er tapst aus einem U-Bahn-Waggon, schlendert unter der Hochtrasse am Schlesischen Tor entlang oder schlendert über den Strausberger Platz - und zwar in ganz realer Form. Endlich mal gelungen, sagt Berlinale-Reporterin Susanne Bruha.

Wann ist ein Plakat ein gutes Plakat? Für mich, dann – wenn ich es mir in die Wohnung hängen würde. Von der diesjährigen Berlinale hängen da jetzt schon zwei bei mir zu Hause. Ich bin Fan! Ein Braunbär schleicht auf sechs Plakaten nachts durch Berlin, steigt am Potsdamer Platz aus der U-Bahn, schlendert über den nebeligen Strausberger Platz und macht eine Pause auf irgendeinem Hausdach mit Blick Richtung Fernsehturm. Berlinaledirektor Dieter Kosslick hatte bei den Entwürfen der Schweizer Agentur Velvet zuerst noch Zweifel. Sollte da wirklich ein Bär aus einem U-Bahn-Wagen mit der Nummer 1951 kommen?

1951 war das erste Jahr der Berlinale. In den vergangenen 66 Jahren hat das Filmfestival viele Plakate gesehen, sogar ein komplett schwarzes war mal dabei - allerdings ein Griff in die Tonne, wie sich Dieter Kosslick erinnert. In den vergangenen Jahren hat man immer auf eine grafische Lösung gesetzt. Das ist eine sichere Nummer, denn im Meer der Filmplakate mit Filmmotiven lässt sich am ehesten mit schlichter Grafik ein Akzent setzen.

Die Plakate der 66. Berlinale hängen bereits überall in der Stadt (Quelle: dpa)
Auf sechs verschiedenen Plakaten tapst der Berlinale Bär durch die Nacht

Braunbär streift durch menschenleere Straßen

Und so gab es dann in vergangenen Jahren einen grafischen Filmvorhang, wechselnde Bären-Silhouetten, auch mal nur ein weißes B mit bunten Strahlen drum herum. Jetzt dagegen erzählen die Plakate erstmals selbst eine Geschichte. Das ist einem Filmfestival endlich angemessen!

In verpixelter Optik, wie durch eine Überwachungskamera oder per Handy-Schnappschuss aufgenommen streift da dieser Braunbär nachts durch menschenleere Straßen. Das ist atmosphärisch dicht und meines Erachtens gleich auf zwei Ebenen fiktiv. Einmal ist es eben unwahrscheinlich, dass ein Bär durch die Stadt läuft und zum anderen war die Gegend um den U-Bahnhof Schlesisches Tor bestimmt seit zehn Jahren nicht so menschenleer wie auf diesem lilaroten Plakat. Das macht diese hoch urbanen Motive zugleich unglaublich intim.

Plakat hängt auch in Cannes

Sie bringen die Berlinale nah dran an die Berliner und Berlinerinnen, denn es sind eben abseitige kiezige Orte - und nicht der Reichstag - an denen der Bär da abhängt. Sie sind eine Liebeserklärung der Berlinale an die Stadt - mit Witz, wie Direktor Dieter Kosslick findet, der das letzte Wort hatte bei der Entscheidung für die Aushängeschilder: "Es ist nicht zu lustig, aber es hat einen tiefen Humor. Bevor überhaupt irgendetwas begann, hatten wir schon 300 bis 400 Plakate verkauft, auch international", so der Festival-Chef.

Seine absolute Lieblingskäuferin siei eine Sekretärin des Filmfestivals in Cannes, die erklärt habe, dass sie sich das Plakat in ihr Zimmer hängen werde. "Ich glaube, das ist noch nie passiert. Alle haben die schönen Plakate aus Cannes in ihren Zimmern", so Kosslick. Aber das sieht seit diesem Jahr etwas anders so.

Das Filmfestival aus Sicht der Passanten

Beitrag von Susanne Bruha

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